Einladung zum Spielen

THEMENWEG ⋅ Mitten in der Stadt St. Gallen gibt es viele Orte zum Spielen. Man muss nur wissen wo. Spielpädagoge Andreas Rimle verbindet sie zu einem Spielweg. Morgen ist Eröffnung.
19. August 2017, 07:35
Christina Weder

Christina Weder

christina.weder@tagblatt.ch

Andreas Rimle träumt von einer Stadt, in der an möglichst vielen Orten gespielt wird. Der St. Galler Spielpädagoge rückt seinem Traum morgen Sonntag einen Schritt näher. Dann eröffnet er zusammen mit Gleichgesinnten den ersten Teil des Spielwegs St. Gallen. Dieser führt vom «Lattich» am Güterbahnhof bis nach Guggeien Höchst und verbindet 25 Stationen, wo Kinder und Erwachsene spielen können.

Zum Spielen brauche es gar nicht viel, findet Spielpädagoge Rimle. Es brauche vor allem die Ideen. Auf dem Themenweg schlägt er einfache Spiele vor, für die kaum Material benötigt wird: einen Barfussparcours, einen Reaktionstest, ein Street-Workout. Es wird gehüpft, gejagt, gerätselt, gebaut oder die Geschicklichkeit trainiert.

Spielideen sind auch online verfügbar

Das Herz des Spielwegs liegt im Museumsquartier, wo sich rund ein Drittel der Spielorte befindet. An jeder Station ist eine Tafel mit zwei Spielvorschlägen montiert. Darauf sind auch die Anzahl Mitspieler, Altersangaben und der Zeitaufwand angegeben. Ein Stadtplan mit den verschiedenen Spielorten findet sich auf der Webseite www.spielweg.ch , die heute Samstag aufgeschaltet werden soll. Sämtliche Spielideen sind online verfügbar. Fast alle können zu Hause nachgespielt werden.

Die meisten der vorgeschlagenen Spiele hat Andreas Rimle an den Kursen, die er als Spielpädagoge leitet, getestet und ausprobiert. Er habe dabei versucht, auf Bestehendes im Stadtraum zurückzugreifen, etwa auf ein Leiterli-Spiel, das bereits auf dem Pausenplatz des Schulhauses Spelterini aufgemalt war. Rimle liefert die Tipps dazu, was man damit anstellen könnte, auch wenn man keine Würfel zur Verfügung hat.

Auch einzelne Institutionen haben Ideen beigesteuert. Vor dem Theater St. Gallen werden die Besucherinnen und Besucher des Spielwegs zu Theaterstars. Sie werden eingeladen, die Plakate im Schaukasten zu studieren und die Haltung und den Ausdruck der Schauspieler nachzustellen. Ein paar Schritte weiter werden sie beim Kunstmuseum zum Museumsdirektor, der mit Fundstücken aus dem Stadtpark eine eigene Sammlung anlegt. Vor dem Historischen und Völkerkundemuseum werden je ein Spiel aus Afrika und Papua Neu Guinea vorgestellt.

Weitere Stationen bis Sommer 2018

Der Spielweg soll laut Rimle vor allem dazu einladen, draussen zu spielen. «Wir wollen die Kreativität anregen.» Es gehe nicht darum, eine vorgegebene Route abzuspulen, sondern nach Lust und Laune an einzelnen Posten zu verweilen. Wichtig sei ihm, auf Orte in der Stadt aufmerksam zu machen, an denen gespielt werden kann. «Sonst hört man immer nur, wo Spielen gefährlich oder verboten ist.» Der Spielweg soll verschiedene Altersstufen ansprechen, von Familien über Grosseltern mit Enkeln, Spaziergänger und Ausflügler. Rimle hofft, dass auch Kindergärten und Schulklassen das Angebot für sich entdecken.

Rimle hat zusammen mit Marco Neuhaus, mit dem er sich das Präsidium des Vereins Spielweg teilt, viele Stunden in die Vorbereitungen investiert. Morgen Sonntag, 11.30 Uhr, wird die erste Tafel des Spielwegs beim «Lattich» am Güterbahnhof enthüllt. Ab 12 Uhr besteht die Möglichkeit, sich alleine oder unter der Führung von Andreas Rimle auf den Weg Richtung Guggeien Höchst zu machen und die Posten auszuprobieren. Ab 15 Uhr wird an der Feuerstelle der Ortsbürgergemeinde im Höchsterwald eingefeuert. Es gibt Wurst zum selber Bräteln und Brot.

Der Spielweg ist eines von 37 Gewinner-Projekten, welche die St. Galler Kantonalbank in ihrem Jubiläumsjahr 2016 mit bis zu 100000 Franken unterstützt hat. Er ist laut Rimle noch nicht fixfertig, sondern wird laufend ergänzt. Bis im Sommer nächsten Jahres sollen weitere Spielorte hinzukommen.

www.spielweg.ch


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