In St.Gallen müssen einige stattliche Bäume gefällt werden

BAUMRIESEN ⋅ Die Zahl an Baumfällungen auf öffentlichem Boden ist in den vergangenen Jahren in St.Gallen stabil geblieben. Aber diesen Winter müssen einige stattliche Exemplare von beachtlichem Alter umgelegt werden.
04. Dezember 2017, 06:15
Fredi Kurth

Fredi Kurth

stadtredaktion@tagblatt.ch

Der Abschied von mächtigen, oft über hundert Jahre alten Stadtbäumen fällt vielen besonders schwer. Denn sie sind Anwohnern und Passanten ans Herz gewachsen. In diesem Winter fällt das Gartenbauamt an verschiedenen Stellen der Stadt auffällig grosse Bäume. Allerdings alle mit gutem Grund: Ihre Gesundheit ist dermassen angegriffen, dass es keine Alternative dafür gibt.

Beim Schulhaus Schönau fallen vier Eschen. Es handelt sich um die letzten ihrer Art auf der Wiese davor. Die Eschenwelke hat sie dahingerafft. Den grössten Umfang bei den zu fällenden Bäumen weist aber mit 470 Zentimetern eine Rotbuche im Kantonsschulpark auf. Sie steht unmittelbar neben der Rorschacher Strasse. Ein wulstiger Lackporling hat sich bei ihr breitgemacht. Sicherheit muss hier direkt an der Hauptverkehrsachse ebenso vor prachtvollem Anblick stehen wie bei einer geneigten Rotbuche im Buchwald an der Spinnereistrasse. Oder bei drei Sommerlinden im Stadtpark.

Insgesamt 34 Einzelbäume auf öffentlichem Grund fallen diesen Winter der Motorsäge zum Opfer. Markant sind dabei auch eine gelbe Rosskastanie auf dem Unteren Brühl, eine Weide an der St.Georgen-/Bitzistrasse und eine Sommerlinde an der Guisanstrasse. Kleinere Bäume werden in den nächsten Wochen und Monaten in Waldflächen gefällt: insgesamt 50 bis 60 Stück.
 

Schneesturm und ein Notfall

Pilzbefall, mechanische Schäden, Befall durch tierische Schädlinge oder Überalterung können etwa Grund für eine Fällung sein. Eine weitere Fällung geht zurück auf den Mai und einen Schneesturm: Eine bereits blühende Rosskastanie auf der Kreuzbleiche konnte damals nicht mehr gerettet werden. Sogar Notfälle gab es dieses Jahr: Im Sommer erkannte der Baumpflegespezialist des Gartenbauamtes bei einer Routinekontrolle die Gefährdung eines Baums im Kantonsschulpark durch den Brandkrustenpilz. Francis Schwarze, ein Wissenschaftler und Pilzforscher der Empa, erkannte die Notwendigkeit raschen Handelns: Der befallene Baum war innen komplett befallen sowie stark sturz- und bruchgefährdet. Er wurde innert Stunden entfernt.

Bis die Fachleute das «Todesurteil» für einen Baum sprechen, vergehen in der Regel allerdings mehrere Jahre. Um das Leben von Bäumen zu verlängern und trotzdem die Sicherheit zu gewährleisten, wird häufig Totholz entfernt, ein Schnitt zur Auslichtung und Entlastung der Krone vorgenommen, oder es werden auseinanderdriftende V-Gabelungen mit Seilen gesichert. Seit einem Jahr steht der städtische Baumbestand dank eines Baumpflegespezialisten unter intensiverer Beobachtung. Dadurch ist gewährleistet, dass Schäden rechtzeitig erkannt und Massnahmen sofort in die Wege geleitet werden können.

«Da in der Stadt viele Einzelbäume an Strassen, in Fussgängerbereichen und in der Nähe von Schulhäusern stehen, muss ihre Stand- und Bruchsicherheit minutiöser kontrolliert werden als irgendwo auf dem Land», sagt Christoph Bücheler, Leiter des Stadtsanktgaller Gartenbauamtes. Das ist auch deshalb nötig, weil Umwelteinflüsse und Klimawandel die Bäume immer mehr belasten. Sie werden anfälliger für Schädlinge.
 

«Migranten» aus dem Süden und dem Osten

Heute gedeihen in der Stadt St.Gallen auch Baumarten, die hier vor einigen Jahren kaum überlebt hätten. Der Lederhülsenbaum, die Silberlinde, die Zerreiche, die Flaumeiche, die Ungarische Eiche, die Hopfenbuche und der Europäische Zügelbaum sind heute in der Gallusstadt heimisch.

Zu den guten Nachrichten gehört auch, dass das Gartenbauamt – wo immer möglich – gefällte Bäume durch Neupflanzungen ersetzt. Mehr noch: «Entgegen weit verbreiteter Auffassung werden in der Stadt mehr Bäume gepflanzt als gefällt», sagt Christoph Bücheler. «Denn sie verbessern das Stadtklima, prägen Strassen und Stadtteile und tragen so auch zu einem gefälligen Stadtbild bei.»

Seit 1979 stehen in der Stadt 2885 gefällten Bäumen auf öffentlichem Grund 4175 Pflanzungen gegenüber. Seit 2006 war die Bilanz immer positiv. Der Bestand umfasst aktuell 8000 Einzelbäume und rund 12'000 Exemplare in waldartigen Flächen. «Private Grundeigentümer pflegen mit mindestens nochmals so vielen Bäumen ebenfalls einen wertvollen Bestand», hält Christoph Bücheler fest.


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