Ein Rundgang reicht nicht für eine "Offabarung"

PREMIERE ⋅ Wer nie an der Offa oder der Olma war, erntet oft Unverständnis und schräge Blicke. Nach dem ersten Rundgang weiss der Neuling zumindest besser Bescheid.
12. April 2018, 18:39
Arcangelo Balsamo
«Was? Du warst noch nie an der Olma oder an der Offa?» Der Stadtsanktgaller kann es kaum glauben, wenn er jemanden trifft, der es mehr als 30 Jahre nicht für nötig hielt, sich das Gedränge in der Menschenmenge auf dem Messegelände anzutun. Nach jahrelanger Bearbeitung gibt der Neuling nach und wagt sich auf seine erste Runde auf dem Messeareal.

Es ist Mittag an der Offa: Besucher holen sich eine Wurst und gehen in die Arena. Im weiten Rund sitzt praktisch keiner ohne Verpflegung. Selbst der Neuling merkt, dass es sich um einen beliebten Ort handelt, um bei Sonnenschein das Mittagessen zu geniessen. Dass auf dem Sand gleichzeitig Reiter und Pferd einen Hindernisparcours absolvieren, wird im Publikum mehrheitlich kaum wahrgenommen, so wie die Kommentare von Marco Fritsche, die Countrymusik aus den Boxen und das Gewieher aus der Halle nebenan.

Es scheint, als seien nur Erwachsene in Begleitung von Kindern auf dem Gelände oder pensionierte Pärchen. Irgendwie verständlich, wer kauft sich schon jedes Jahr einen Grill oder einen Whirlpool. Im Aussenbereich gibt es gefühlt Hunderte solcher Stände. Und auch in den Hallen ist besonders die Auswahl an Sprudelbäder schier unbegrenzt.

Eine Modenschau wie eine Zirkusshow


In einem Saal in der Halle 2 findet jeweils die Modenschau statt. Von den Organisatoren wird diese im Vorfeld jeweils als einer der Höhepunkte angepriesen. Der Zuschauerandrang bestätigt dies. Lediglich in den hintersten Reihen und auf den Seiten sind einige Stühle leer. Mit den eingebauten Akrobatik- und Tanznummern erinnert die Modenschau den Messeanfänger eher an eine Zirkusaufführung, als an eine Fashionshow. Irritierend ist, dass die Ansagen auf hochdeutsch sind. Dem mehrheitlich weiblichen Publikum scheint es dennoch zu gefallen und so applaudiert es artig am Ende der Darbietung.

Jedes Jahr tummeln sich Tausende an der OFFA. Wir haben die schönsten Impressionen für Sie eingefangen. (Bilder: Michel Canonica)

Auf dem Gelände und in den Hallen dominieren um 15.30 Uhr weiterhin die kleinen Gäste. Viele von ihnen haben ein Steckpferd ergattert. «Das sind also die Pendants zu den aufblasbaren Kühen, die es an der Olma gibt», schiesst es dem Neuling durch den Kopf. Neben den Pferden an Stecken und aus Fleisch und Blut tummelt sich mittlerweile auch das CSIO-Maskottchen Galoppi auf dem Messegelände herum.
 

Partytempel ohne Musik

Die Hallen 4 und 5 wurden im Vorfeld von verschiedenen Seiten als legendäre Partytempel und Hauptgründe für einen Messebuch angepriesen. Viele Stadtsanktgaller nehmen während der Olma und der Offa sogar Ferien, um sich täglich in diesen Hallen zu amüsieren. Um 16.30 Uhr sind sowohl Feriengäste als auch Partystimmung unauffindbar. Kein Gedränge und an vielen Ständen sind die Tische mehrheitlich frei. Wer in der Partyhölle Musik erwartet, wird enttäuscht. Für die Party ist es womöglich noch zu früh.

Pünktlich mit der OFFA gibt es auch den ersten Jahrmarkt des Jahres. Wir haben für Sie die schönsten Impressionen eingefangen. (Bilder: Ralph Ribi)

Nach einer Runde im Pferdestall endet der erste Besuch an der Offa um 17.30 Uhr. Die Zahl der Erwachsenen auf dem Areal ist merklich gestiegen und auch die Schlange am Bierstand vor dem Eingang ist gewachsen. Auf ein Bier und einen längeren Aufenthalt verzichtet der Neuling trotzdem. Die gesammelten Erfahrungen müssen zuerst verarbeitet werden – nüchtern.