Drohnen retten Rehkitze

WITTENBACH ⋅ Jedes Jahr werden im Schnitt 1500 Rehkitze beim Mähen getötet oder verletzt. Jäger und Bauern spannen zusammen, um das zu verhindern – und rüsten auf.
11. April 2018, 18:15
Ramona Riedener
Die Natur regulierst sich selber –  doch der Mensch als Teil dieser Natur funkt nicht selten dazwischen, wenn er seinen eigenen Bedürfnissen folgt.

Genau dann, im Mai anfangs Juni, wenn das Gras hoch ist und die Bauern zum Mähen auf die Felder ausrücken wollen, gebären die Rehe ihre Jungen. Dass die Muttertiere dabei meist Wiesen mit 20 bis 50 Zentimeter hohem Gras bevorzugen, entspricht ihrem natürlichen Verhalten, nicht aber dem Arbeitszyklus der Bauern.
 

1500 Kitze landen unter der Mähmaschine

Schon kurz nach der Geburt verlässt die Rehmutter ihre Jungen und kehrt jeweils nur für kurze Zeit zurück um sie zu säugen und zu reinigen. Die Jungtiere bleiben schutzlos und alleine in der Wiese zurück. Deshalb werden laut Statistik jedes Jahr durchschnittlich 1500 Rehkitze beim Mähen durch landwirtschaftliche Maschinen getötet oder verletzt. Die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Tiere dürfte noch höher sein. Selbst für hartgesottene Bauern sind diese Schreckenszenarien beim Mähen Grund genug, sich aktiv zur Rettung der Rehkitze einzusetzen. 

Der Jägerverein Hubertus zeigt seinen Mitgliedern neue Mittel zur Rehkitz-Verblendung - vom Hochfrequenzgerät bis zur Drohne mit Wärmebildkamera. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Die meisten Methoden und Strategien zur Rettung der Rehkitze bedingen aber eine enge Zusammenarbeit zwischen Wildhüter und Landwirte. Deshalb hat der St.Gallische Jägerverein Hubertus in seiner Ausbildungsanlage im Erlenholz Wittenbach einen Weiterbildungsanlass durchgeführt. Jägerinnen und Jäger noch mehr für das Thema Kitzrettung zu sensibilisieren, Erfahrungen zu dokumentieren und neue Strategien und Instrumente zu präsentieren, war das Ziel des Abends. 
 

Drohnen mit Wärmebild setzen sich durch

Bereits heute werden von den Bauern verschiedene Verfahren angewendet, die Jungtiere vor dem Mähen aus der Wiese zu vertreiben. Nebst den herkömmlichen Methoden wie der akustischen oder optischen Abschreckung mit Tüchern, Säcken an Stecken und Blinklampen, kommen heute auch Geruchssprays und Hochfrequenzgeräte zum Einsatz. Auch der Umgang mit dem aufgespürten Jungwild und wie es korrekt abgetragen wird, wurde von den Wildhütern demonstriert. 

2010 startete ein Projekt der Hochschule für Agrar-, Forst und Lebensmittelwissenschaften unter der Leitung von Nicole Berger. Zur Aufspürung von Jungtieren wurden erstmals Drohnen und Wärmebildkameras eingesetzt.

Im Such- und Rettungseinsatz sind flugerfahrene Drohnenpiloten mit einem Team von zwei bis drei Helfern. Nachdem der Landwirt am Vorabend seine Absicht zum Mähen gemeldet hat, wird die Wiese am frühen Morgen mit der Drohne abgesucht. 

99,5 Prozent Sucherfolg verzeichneten die Projektteams zwischen 2014 und 2017. Nach anfänglichen Kinderkrankheiten dürfte sich die Rehkitzrettung per Drohne bewährt und etabliert haben, sagte Martin Ebner, Wildhüter des thurgauischen Reviers Wängi-Heidelberg.