Besucheransturm stellt St.Galler Naturmuseum vor Probleme

DREIMAL MEHR ⋅ Ein Jahr nach der Eröffnung am neuen Standort zieht das Naturmuseum eine äusserst positive Bilanz. Die Besucherzahlen haben sich verdreifacht. Dieser Andrang stellte das Museum aber vor bisher nicht gekannte Probleme, die gelöst werden mussten.
13. November 2017, 07:02
Elisabeth Reisp

Elisabeth Reisp

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@tagblatt.ch

Genau vor einem Jahr hat das Natur­museum feierlich sein neues Haus an der Rorschacher Strasse eröffnet. Stadt und Museumsleitung haben den lang ersehnten Neubau eingeweiht und die Öffentlichkeit dazu eingeladen. Bereits am ersten Eröffnungswochenende haben die Besucher dem Museum im Neudorf die Türen eingerannt. Was der Museumsdirektor Toni Bürgin damals noch der Tatsache zuschrieb, dass es halt einfach eine Neuheit sei, sollte sich das ganze Jahr so weiterziehen. «In der Abstimmungsvorlage für den Neubau sind wir von 50'000 Besuchern ausgegangen, 20'000 mehr pro Jahr als am alten Standort.» Doch nun, ein Jahr später, verzeichnet das Naturmuseum satte 90'000 Besucher. «Das sind dreimal mehr als an der Museum­strasse.»

Bürgin geht nach wie vor davon aus, dass sich diese Zahlen in Zukunft etwas legen werden. «Vielleicht noch nicht im nächsten Jahr, denn dann können wir endlich den dazugehörigen Park einweihen, aber sicher im Jahr darauf.»

Grund für die extreme Zunahme der Besucherzahlen sieht Bürgin unter anderem in der Erweiterung des Publikums. «Wir haben viel mehr Familien mit kleinen Kindern. Aber auch viele Architekten und Gäste aus anderen ­Museen, die aus professionellen Gründen das Museum besuchen.»

Budget für Unterhalt erhöhen

Wo mehr Besucher sind, gibt es aber auch mehr Abnutzungserscheinungen. «Wir mussten tatsächlich ein paar Dinge bereits ausbessern», sagt Bürgin. Bei dreimal mehr Besuchern nutze sich – «salopp gesagt» – alles auch dreimal schneller ab. Für das kommende Jahr musste daher das Budget für den Unterhalt aufgestockt werden. Das seien Erfahrungen, die man im ersten Jahr ­mache und nicht vorhersehbar gewesen seien.

Unter Erfahrungswerte verbucht Toni Bürgin auch die Erkenntnis, dass die Garderobenfächer an besucherreichen Wochenenden nicht ausreichen. Auch dass es zu wenig Regenschirmständer gibt. Dass die Akustik im Foyer nicht ideal ist und ein gut besetztes Café viel Lärm verursacht. Aber auch, dass es doch zu wenig Parkplätze für die Besucher hat. Die Sache mit den Schirmständern sei einfach zu erledigen. Auch den Lärm in der hohen Cafeteria könne man mit gezielten Massnahmen dämmen. Und was die Parkplätze betrifft, sei mit der Firma Fisba, schräg gegenüber dem Naturmuseum, eine gute Lösung gefunden worden: «Sie erlauben unseren ­Besuchern am Wochenende dort zu parkieren, dafür stellen wir ihnen Räume für Mitarbeiteranlässe zur Verfügung», sagt Bürgin.

Shitstorm wegen Kinderwagenverbots

Das erste Jahr des neuen Naturmuseums war ein bewegtes. Selbst einen kleinen Skandal hat das Haus bereits erlebt. In den sozialen Medien wurde das Museum Opfer eines sogenannten Shitstorms, weil es in den Ausstellungsräumen keine Kinderwägen erlaubt. Ausgesprochen wurde das Verbot einerseits aus Sicherheitsgründen: Das Museum besteht aus mehreren Ebenen mit relativ schmalen Treppenaufgängen, die auch Fluchtwege sind. Andererseits dient das Verbot auch dem Schutz der Exponate, die vor allem für die jungen Besucher in Bodennähe und ohne Abschrankung ausgestellt sind. Deswegen den Kinderwagen im Foyer zu lassen, missfiel einigen ­Besuchern; sie taten ihren Unmut unter anderem auf Facebook kund.

Dass das Museum extra für Kleinstkinder gratis Tragehilfen zur Verfügung stellt, konnte damals nicht alle Kritiker besänftigen. «Mittlerweile hat sich das alles aber sehr beruhigt, und die meisten Besucher wissen, dass wir Tragehilfen anbieten», sagt Bürgin.

Der Höhlenbär kommt gut an

Im neuen Naturmuseum gibt es mehr Platz, Platz für Neuheiten und lange Verborgenes. So wurde für den Neubau eigens ein Relief der Ostschweiz erstellt. «Das ist einer der Publikumslieblinge», sagt Bürgin. Aber auch der Höhlenbär vom Wildkirchli oder die Dinosaurierlandschaft kommen beim Publikum sehr gut an. Alles Dinge, die zum Anfassen nah sind. Was auch immer wieder gemacht wird, obwohl längst nicht alle ­Exponate berührt werden dürfen. «Wir müssen die Besucher immer mal wieder darauf aufmerksam machen, was angefasst werden darf und was nicht», sagt Bürgin Für die Mitarbeiter des Museums sei dieses Verhalten insofern neu gewesen, als am ­alten Standort längst nicht so viele Familien mit Kleinkindern zu Besuch waren.

Alles in allem ist der Museumsdirektor aber sehr zufrieden mit dem ersten Betriebsjahr. Ein Jahr, in dem alle Erwartungen übertroffen wurden.


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