Drei St.Galler Quartiere kämpfen um ihre Poststelle

ABBAU ⋅ In der Stadt St. Gallen könnte es schon bald drei Poststellen weniger geben. Die Post will die Filialen in Winkeln, in der Lachen und an der Langgasse durch Agenturen ersetzen. Die betroffenen Quartiere wollen dies verhindern – kämpfen aber wohl vergebens.
10. April 2018, 09:34
David Gadze

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Das Poststellennetz in der Stadt St. Gallen dürfte sich in den kommenden Jahren weiter verändern. Wie die Post im vergangenen Sommer bekannt gegeben hat, überprüft sie im ganzen Kanton 31 Poststellen, davon drei in der Stadt. Die Filialen in Winkeln, in dem Lachen und an der Langgasse sind gefährdet. Der Grund ist simpel: Sie rentieren nicht. Deshalb sucht die Post derzeit nach Alternativen.

Dass eine Poststelle «überprüft» wird, bedeutet letztlich also nichts anderes, als dass die Post die Filiale schliessen und durch eine Agentur ersetzen möchte. So ist dies in den vergangenen Jahren bereits im Riethüsli, in St. Georgen und in St. Fiden geschehen. Seit 2002 sind drei Poststellen in der Stadt ganz verschwunden – jene im Rotmonten, im Linsebühl und zuletzt im Heiligkreuz. Und der Fortbestand der anderen Poststellen in der Stadt – Bruggen, Neudorf, Brühltor, Hauptpost sowie der Agentur im Kantonsspital – ist auch nur bis 2020 definitiv gesichert.

Keine Schliessung ohne Ersatz

Die betroffenen Quartiere wehren sich für ihre Poststellen. An den Hauptversammlungen betonten die Vertreter der Quartiervereine jedenfalls, sich für möglichst gute Lösungen einzusetzen. Seit der Ankündigung der Überprüfung des Poststellennetzes haben mehrere Gespräche zwischen den Quartiervereinen, der Stadt und der Post stattgefunden. Dabei handle es sich um eine «Auslegeordnung», sagt Markus Werner, Verantwortlicher regionale Kommunikation Nord der Post. In erster Linie gehe es darum, mögliche Alternativen zu den bestehenden Poststellen zu prüfen – sprich Standorte für Agenturen ausfindig zu machen. Die Post überprüfe nun gemeinsam mit den Quartiervereinen, welche Geschäfte sich dafür eignen würden. «Dabei geht es um praktische Fragen wie die Öffnungszeiten, aber auch um den nötigen Platzbedarf», sagt Werner.

Die Überprüfungen sollen spätestens bis 2020 abgeschlossen sein. Falls die Post bis dahin keinen passenden Partner für eine Agentur finde, würden die betroffenen drei Poststellen vorerst bestehen bleiben, versichert Werner: «Es wird keine ersatzlosen Schliessungen geben.» Bei der Post habe diesbezüglich «ein Umdenken» stattgefunden. Deshalb seien auch Dienstleistungen wie der Hausservice, bei dem man beim Pöstler an der Haustür Zahlungen erledigen kann, derzeit kein Thema. «Solche Lösungen prüfen wir in der Regel in ländlichen Gebieten, aber nicht in der Stadt», sagt Werner. Sollte sich für eine der betroffenen Poststellen aber bereits vor 2020 eine Lösung ergeben, würde sie so schnell wie möglich umgesetzt.

Alternativen für die Hauptpost, über welche die Post im Zuge der Standortbereinigung vor fünf Jahren ebenfalls nachdachte, sind derzeit kein Thema mehr. «Wir überprüfen unser Poststellennetz laufend. Der Standort am Hauptbahnhof ist momentan aber unbestritten.»

Eine möglichst gute Lösung für das Quartier finden

Doch was sagen die betroffenen Quartiervereine zur Situation? Bitter ist die Entwicklung vor allem für das Heiligkreuz, das im Sommer 2013 bereits eine Poststelle verloren hat. Markus Morger, Präsident des Quartiervereins Nordost-Heiligkreuz, zeigt jedoch Verständnis für den Entscheid der Post, die Zukunft der Poststellen zu überprüfen. «Aus betriebswirtschaftlicher Sicht würde jeder Unternehmer gleich handeln.» Es bringe nun nichts, sich querzustellen. Vielmehr müsse der Quartierverein erreichen, in weiteren Verhandlungen mit der Post eine möglichst gute Lösung für das Quartier zu finden.

Ähnlich argumentiert Marco Rutz, Co-Präsident des Quartiervereins Winkeln. Sollte die Post die dortige Filiale tatsächlich schliessen, werde sich der Quartierverein zusammen mit dem Industrie- und Gewerbeverein St. Gallen West (IGV) dafür einsetzen, dass dies möglichst schmerzlos passiere. «Es gibt hier viele Gewerbe- und Industriebetriebe. Aus unserer Sicht ist es deshalb unabdingbar, dass die postalische Grundversorgung erhalten bleibt.» In Winkeln scheint man bereits nahe an einer Lösung zu sein: Rutz kündigt für 20. Juni eine Informationsveranstaltung zur Zukunft der Post an.

Auch der Quartierverein Lachen kämpfe weiter um die Poststelle oder zumindest für eine gute Agenturlösung, sagt Quartiervereinspräsident Pius Jud. «Für die älteren Leute und das lokale Gewerbe ist es wichtig, dass ein Grundangebot erhalten bleibt.» Das sagt auch Mathias Linsi von der Lachen-Drogerie, die sich direkt neben der Poststelle befindet – im Gebäude, das der Post gehört. Die Drogerie werde Anfang 2019 ins Köppel-Areal auf der anderen Seite der Zürcher Strasse ziehen – ob mit einer Agentur, sei derzeit noch völlig offen. «Für mich käme es aber durchaus in Frage, eine Postagentur zu übernehmen.»