Diese fünf Frauen hätten es verdient, Föbine zu werden

Am heutigen Fübu-Verschuss soll es eine Frau sein. (Michel Canonica/Archiv)
ST.GALLEN ⋅ Heute findet der 44. Föbü-Verschuss statt. Dabei soll eine Ehrenfödle-Bürgerin (Föbine) mit viel Konfetti ins Fasnachtsparadies befördert werden. Hier fünf Vorschläge für Frauen, die die Ehre verdient hätten.
10. Februar 2018, 08:29
Andrea Weinhold Zoom

Andrea Weinhold

Andrea Weinhold

Ein Event- und Kulturzentrum soll sie werden, die Kirche St.Leonhard. Das verspricht seit über zehn Jahren der Architekt, der das Gotteshaus für ein Butterbrot gekauft hat. Heute findet in der Kirche nur ein einziger Event statt: der Brausilvester. Und ob Bier Kultur ist, darüber könnte man nun lange streiten. Weder Streiten noch Jammern hat Andrea Weinhold im Sinn. Die Pfarrerin der evangelischen Kirchgemeinde Straubenzell möchte die St.Leonhardskirche lieber kaufen und es besser machen. Die St.Gallerin hat gute Ideen, was man mit einer Kirche im Stadtzentrum machen könnte. Weinhold würde sie zum Beispiel für Malprojekte nutzen, für Schreibwerkstätten oder für Konzerte. Diese Pläne verfolgt sie seit dem Frühling und treibt sie weiter voran. Das braucht viel Födle – und auch viel Geld, denn billig dürfte die Kirche nicht (mehr) zu haben sein. Abgesehen davon, dass der Eigentümer sie gar nicht verkaufen will. Trotz guter Ideen: Der Weg zum Event- und Kulturzentrum scheint noch weit.
Roger Berhalter

 

Franziska Ryser

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Franziska Ryser

Sie war mit 25 die jüngste Präsidentin des Stadtparlamentes in dessen 100-jähriger Geschichte. Franziska Ryser war 2017 höchste Stadtsanktgallerin. Es bedarf schon einer gehörigen Portion Mut, also Födle, als junge Frau 62 andere Parlamentarierinnen und Parlamentarier durch zum Teil hitzige Debatten führen zu wollen. Die studierte Maschineningenieurin und Verwaltungsrätin der Ryser Optik AG tat das jederzeit souverän und mit Respekt und Geduld – so, als hätte sie noch nie etwas anderes getan als ein Parlament präsidiert. Die Agenda von Franziska Rysers war im vergangenen Jahr reich befrachtet; als Parlamentspräsidentin hatte die Junge Grüne zahlreiche Repräsentationspflichten. Franziska Ryser folgte so vielen Einladungen wie nur möglich. Und Hand aufs Herz: Nicht alle diese Einladungen dürften einer jungen Frau grossen Spass gemacht haben. Dennoch: Franziska Ryser ging hin –und machte  nicht einmal einen «Lätsch». Sie war eine sympathische Botschafterin der Stadt.
Daniel Wirth

 

Susi Noger

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Susi Noger

Als Agentin der geheimen Schweizer Widerstandsorganisation P-26 führte Tina Ende der 1980er-Jahre ein Doppelleben. Sie lernte das Handwerk als Funkerin, aber auch das Basteln von einfachen Sprengsätzen und den Umgang mit der Pistole. Als die P-26 im Jahr 1990 enttarnt und schliesslich aufgelöst wurde, war auch Tina Geschichte. Nach der Aufhebung des Redeverbots 2009 war dann Susi Noger, wie Tina richtig heisst, eine der ersten, die offen über ihre Vergangenheit sprach. Nicht einmal ihre Eltern, Geschwister und Kinder wussten davon. Nun könnte Susi Noger eine wichtige Rolle bei der Aufarbeitung der Geschichte der P-26 zugeteilt werden. Denn vor einer Woche ist publik geworden, dass der Bund die geheimen Akten zur P-26 nicht mehr findet. Es wird vermutet, dass sie vernichtet worden sind. Immerhin: Falls sie heute Abend zur Tina XLIV gekürt würde, könnte sie ja wenigstens mit den Papierschnipseln der geschredderten Akten «verschossen» werden.
David Gadze

 

Ingrid Jacober

Ingrid Jacober Zoom

Ingrid Jacober

Im Frühling geht ein Geräusch im Tschudiwies-Quartier um, und niemand kann’s sich erklären. Statt dem mysteriösen Brummen tatenlos zuzuhören, schreibt Ingrid Jacober einen Beitrag im Quartierheft. Sie bietet den Lärmschutzbeauftragten der Stadt auf, sucht nach Leidensgenossen. Ihre Geschichte geht durch die Schweizer Medien, Jacober erhält mehrere Dutzend Anrufe aus dem In- und Ausland. Dem nächtlichen Brummen so öffentlich den Kampf anzusagen, braucht Födle. Damit nicht genug: Im selben Zeitraum versucht Jacober beherzt, ihr Quartierschulhaus vor der Schliessung zu retten und kandidiert sogar für den Stadtrat. Die Grüne setzt im Wahlkampf auch auf unkonventionelle Methoden – und lädt zum Schwatz auf einem Handtuch im Stadtpark ein. Das Schulhaus Tschudiwies ist seit vergangenem Sommer geschlossen, das Brummen wohl nicht verstummt. Und Stadträtin ist Ingrid Jacober auch nicht geworden. Mehr als genug Födle für eine Föbine bewiesen hat sie 2017 aber allemal.
Luca Ghiselli

 

Beatrice Mülli

Freihof Mörschwil Zoom

Freihof Mörschwil

Das Gesicht will sie partout nicht zeigen, Födle aber hat Beatrice Mülli gezeigt. Nicht nur einmal, sondern gleich 13 Jahre hintereinander. So lange kämpft die Coiffeuse aus Mörschwil bereits gegen die Gemeinde und gegen die Mehrheit ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger. Zweimal stimmten diese dem Abriss des Freihofs zu. Zweimal scheiterten sie an Einsprecherin Beatrice Mülli. Sie wollte das Giebelhaus nicht missen, das vor ihrem Küchenfenster trotzig in die Höhe ragt. Und sie erhielt Recht, vom Baudepartement und vor dem Verwaltungsgericht. Im März stimmt Mörschwil ein drittes Mal über die Causa Freihof ab. Diesmal soll das Kabarett ein für alle Mal ein Ende haben: Der «Schandfleck» soll saniert werden. Und das nur dank Beatrice Mülli. Statt Dank wurden an ihre Adresse allerdings auch Schimpf und Schande ausgeteilt. Das ist auch der Grund, weshalb sie sich nicht für die Zeitung ablichten lässt. Ob sie der Konfetti-Kanone ihr Gesicht zeigt, oder ob das Födle es davor auch tun müsste?
Noemi Heule

Lesen Sie hierdas Rätsel zum diesjährigen Föbu-Verschuss und hier, wie der Brauch entstand.