Die Parkplätze werden fehlen

ST.GALLEN ⋅ Das lokale Gewerbe freut sich über die Sanierung des Parkhauses Burggraben. Dass die Garage dafür ab Frühling 2018 während rund sechs Monaten geschlossen bleibt, macht aber nicht alle glücklich.
11. Oktober 2017, 19:28
Luca Ghiselli
Die östliche Altstadt hat dieses Jahr eine Vielzahl an Veränderungen erfahren: Im März mit dem Spisermarkt ein neues Einkaufszentrum, im September der definitive Abschied vom ehemaligen Kino Corso und diese Woche die Aussicht auf ein totalsaniertes Parkhaus. Am Montag wurde bekannt, dass die City Parking AG das Parkhaus Burggraben mit über 400 Parkplätzen gekauft hat und 2018 gesamtsanieren will. Um die Sanierung durchzuführen, bleibt das Parkhaus während rund sechs Monaten geschlossen. Man wolle die Arbeiten möglichst publikumsschonend gestalten und die Sanierung über die Sommermonate durchführen, wenn die Frequenzen in der Altstadt tiefer sind als sonst, sagten die Verantwortlichen.
 

Migros rechnet mit Rückgang

«Wir freuen uns, dass das Parkhaus saniert wird», sagt Ingo Schlütz, Geschäftsführer des Vögeli-Becks und Präsident der Spisergass-Gesellschaft. Das Parkhaus sei gut frequentiert und bringe über den direkten Zugang auch Laufkundschaft in die Spisergasse. Doch hier versteckt sich auch eine Sorge des Gassengesellschafts-Präsidenten: «Wir sind nicht glücklich darüber, dass das Parkhaus während der Sanierungsarbeiten rund ein halbes Jahr ganz geschlossen bleibt», sagt Schlütz. Denn wenn die Parkgarage über längere Zeit nicht benutzbar sei, gehe auch die Frequenz in der Gasse zurück. «Und bis sich die Leute daran gewöhnt haben, dass es wieder offen ist, dauert es dann auch wieder eine Weile.» Aus diesem Grund wäre es laut Schlütz eine Überlegung wert, die Sanierung etappiert durchzuführen, damit nur Teilschliessungen nötig sind.

Von den Sanierungsplänen für das Parkhaus Burggraben ist auch die Migros betroffen. Sie bezieht Ende Oktober ihre neue Filiale im Untergeschoss des Spisermarkts. Die Parkgarage spielte bei den Standort-Überlegungen mitunter eine entscheidende Rolle. Christian Possa, Mediensprecher der Migros Ostschweiz, sagt auf Anfrage: «Wir gehen davon aus, dass wir die temporäre Schliessung der Parkgarage spüren werden.» Vor allem bei Kunden, die einen Grosseinkauf planen, rechne man mit Einbussen, wenn auch nicht mit schwerwiegenden. Im Gegenzug erhoffe man sich aber auch, dass mit der Sanierung und der damit verbundenen Aufwertung des Parkhauses ab Herbst 2019 die Kundenströme wieder zunehmen.
 

Pro City freut sich über die Sanierung

Sehr erfreut über die Pläne für die Gesamtsanierung der Parkgarage Burggraben zeigt sich Ralph Bleuer, Präsident der Pro City. «Das Parkhaus ist in die Jahre gekommen und wirkte zuletzt fast etwas verlottert», sagt Bleuer. Der Sanierungsbedarf sei ausgewiesen und die Investitionskosten hoch.  Deshalb sei es löblich, dass die City Parking AG sich der Sache angenommen habe. «Wenn das Parkhaus dereinst wieder auf dem neusten Stand ist, wird auch das Gewerbe in der Altstadt davon profitieren.» Denn die Auslastung sei derzeit nicht befriedigend, viele wüssten nicht einmal, dass man vom Spisermarkt direkt in das Parkhaus gelangen könne. Somit falle ein Parkhaus aus, das im Moment ohnehin weniger stark als andere frequentiert werde. Zur Schliessung sagt Bleuer: «Man sollte das pragmatisch sehen. Ohne Emissionen oder Einschränkungen kann nichts Neues entstehen.» Man könne nicht einfach in die Hände klatschen, um Veränderungen hervorzurufen. Am Bahnhofplatz, wo Bleuer die Papeterie Markwalder führt, sei das ähnlich. Dort sei man seit bald vier Jahren mit einer Grossbaustelle konfrontiert. «Dafür erhalten wir einen neugestalteten Platz.» Bleuer ist zuversichtlich, dass die City Parking AG die Sanierungsarbeiten so vorbereitet, dass sie möglichst rasch über die Bühne gehen und das Parkhaus so kurz als möglich leer steht. «Das ist auch in ihrem Interesse», sagt er. Um das Parkhaus Burggraben auf Vordermann zu bringen, wird es 2018 für rund ein halbes Jahr geschlossen.

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