«Die meisten Eltern sind ganz normal»

EHRGEIZIGE ROTMÖNTLER ELTERN ⋅ Dass «Dä schnellscht Rotmöntler» wegen zu ehrgeiziger Eltern abgesagt wurde, hat national für Schlagzeilen und Leserkommentare gesorgt. Das Quartier relativiert.
11. September 2017, 19:16
Jedes Jahr rannten am Schulsporttag in Rotmonten die schnellsten Kinder um die Wette. Dieses Jahr wurde «Dä schnellscht Rotmöntler» wegen zu ehrgeiziger Eltern abgesagt. Das Thema schlug in der nationalen Medienlandschaft Wellen. Unter anderem griffen es der «Blick» und die «Sonntags-Zeitung» auf. Auf der Website von «20 Minuten» sammelten sich über 530 Leserkommentare an. Auf Facebook wurde eifrig darüber diskutiert, ob der überbordende Ehrgeiz der Mamis und Papis ein Zeichen der Zeit oder ein lokales Phänomen sei. Rotmonten bekam als «Quartier der Ehrgeiz-Eltern» und «Nobelquartier» sein Etikett angehängt.

«Elterlicher Ehrgeiz ist überall zu finden»

Stephan Hofer, Vorstandspräsident der Elternmitwirkung Rotmonten, ist erstaunt über den medialen Hype. Er findet ihn «zu extrem». Der Familienvater ist überzeugt, dass es sich nicht um ein spezifisches Problem von Rotmonten handelt. Den elterlichen Ehrgeiz in Bezug auf Kinder finde man überall: «Man muss sich nur einmal an den Spielfeldrand eines Fussballjuniorenturniers stellen.» Da gehe es in jeder Gemeinde ähnlich zu und her.

Es werde bedeutend mehr Leistungsdruck auf die Kinder ausgeübt als an einem Schulsporttag.  
Hofer bedauert, dass den Rotmöntler Eltern der Stempel von Ehrgeizlingen aufgedrückt wurde. 90 Prozent seien ganz normal und vernünftig. Es handle sich um Ausnahmen, die das Fass zum Überlaufen gebracht hätten. Im Quartier hat der Entscheid der Schule, auf das Wettrennen zu verzichten, unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Hofer selbst begrüsst ihn. So könne man sich in Ruhe überlegen, wie man den Wettlauf in Zukunft durchführen könnte. Den Entscheid, ob «Dä schnellscht Rotmöntler» wieder ins Programm aufgenommen wird, will er ganz der Schule überlassen.

«Die Aufregung ist zu gross»

Auch Quartiervereinspräsident Gerold Schneider hält die Aufregung für übertrieben. Für ihn ist Rotmonten ein ganz normales Quartier. «Ich nehme die Eltern, die hier leben, als interessiert und engagiert wahr, aber nicht als überdurchschnittlich ehrgeizig im Sport, wie man das aus der Berichterstattung und den Diskussionen herauslesen konnte.» Am Schulsporttag und am Quartierfest hätten sich viele Eltern als Helfer engagiert. «Das zeigt den positiven Geist im Quartier.» Nicht zuletzt deshalb habe man einen tollen Tag erlebt, auch wenn «Dä schnellscht Rotmöntler» diesmal nicht auf dem Programm stand. (cw)

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