Pflegeheim Mörschwil: Jetzt springt auch der Betreiber ab

HICKHACK ⋅ Sie war als Betreiberin des Wohn- und Pflegezentrums in Mörschwil vorgesehen. Nun zieht sich die Di-Gallo-Gruppe endgültig zurück. Eine Ungewissheit mehr rund um den Bau, der seit Jahren blockiert ist.
22. Dezember 2017, 05:18
Noemi Heule

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Das eine Haus hält stand, obwohl es längst totgesagt war; das andere steht noch immer nicht. Einem Mahnmal gleich erinnern die Visiere daran, dass mitten im Dorf ein Wohn- und Pflegezentrum errichtet werden soll. Langwierige Rechtsverfahren haben in Mörschwil nicht nur den Abriss des Freihofs verhindert, sondern auch den Bau des Wohn- und Pflegezentrums auf der Burgerwiese. Nachdem die Gemeinde kürzlich vor Bundesgericht Recht erhielt, witterte der Gemeinderat Morgenluft. Statt wie geplant 2013 sollten die Bagger 2018 auffahren. Nun trifft die nächste Hiobsbotschaft ein: Der Betreiber springt ab. Und zwar endgültig.

Bereits 2014 verlor die Di-Gallo-Gruppe die Geduld, als mehrere Einsprachen den Bau verzögerten. Die Gruppe, die als Betreiberin vorgesehen war, zog sich zurück. Allerdings nur vorübergehend. Damals gab sie bekannt, die Lage nach dem juristischen Hickhack neu zu beurteilen. Das hat sie getan: Im Mitteilungsblatt schreibt die Gemeinde, dass Di Gallo definitiv aussteigt.

Die Gruppe habe sich wegen verschiedener Rechtsverfahren in den letzten vier Jahren auf andere Projekte fokussiert, wird sie in der Mitteilung knapp zitiert. Auch auf Anfrage möchte Sprecher Jörg Denzler keine weiteren Informationen preisgeben. Er spricht von einer «Konzentration der Kräfte» auf andere Vorhaben.
 

«Gutes Heim, gute Lage, guter Betreiber»

Für die Gemeinde beginnt damit die Suche nach einem neuen Betreiber. Gemeindepräsident Paul Bühler ist sich sicher: «Für ein gutes Heim an einer guten Lage findet sich auch ein guter Betreiber.» Das Interesse nämlich sei da. Bereits als im Juni bekannt wurde, dass die Di-Gallo-Gruppe nach wie vor zögert, hätten sich Interessenten gemeldet. Auf das Bauprojekt soll der Rückzug Di Gallos keinen Einfluss haben. Die Gemeinde suche einen Betreiber, der das Projekt übernimmt «so, wie es jetzt ist», sagt Bühler.

Sicher ist er sich in einem weiteren Punkt: Die Gemeinde will wiederum auf einen privaten Betreiber setzen. «Kein Thema mehr» sei die Frage, ob die Gemeinde das Pflegezentrum gleich selbst unterhalten soll. Diese sei vom Tisch. Denn dass sich mit der Di-Gallo-Gruppe ein privater und gewinnorientierter Konzern um die Altersversorgung in Mörschwil kümmert, das nahmen die Dorfbewohner nicht widerstandslos hin.

Mit Flyern machten sie 2011 gegen den Betreiber mobil. Zehn Mörschwiler – darunter alt Gemeindeamman Franz Würth – lancierten im Jahr darauf eine Volksmotion. Ihr Anliegen: Das Heim soll von der Gemeinde und nicht etwa von Privaten geführt werden. Über 400 Unterschriften kamen zusammen; die Motion scheiterte allerdings an der Bürgerversammlung. Wenn auch knapp, mit 233 zu 190 Stimmen.

Eine Stiftung, wie dies etwa in Gaiserwald der Fall ist, kommt für den Gemeinderat genauso wenig als Betreiberin des Altersheims in Frage. «Die Gemeinde kann direkten Einfluss nehmen, als wenn noch eine Stiftung zwischengeschaltet ist», begründet Paul Bühler.
 

Rechtsstreit noch nicht ausgestanden

Ob sich der Baustart damit weiter verzögert, kann der Gemeindepräsident nicht sagen. Verzögert hat er sich ohnehin: 2012 sprachen die Mörschwiler Bürger einen Kredit von 27 Millionen Franken für das Pflegezentrum. Seither blockieren Einsprachen den Baustart. Ein besonders hartnäckiger Anstösser zog bis vor Bundesgericht, das im August zu Gunsten der Gemeinde entschied. Dennoch ist der Rechtsstreit nicht ganz ausgestanden: Noch ist eine Rechtsverweigerungsbeschwerde hängig. Paul Bühler will sich deshalb nicht festlegen, ob der Bau tatsächlich 2018 beginnen kann, oder ob er sich ins darauffolgende Frühjahr vertagt. Zu viele Faktoren sind derzeit noch unklar.


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