Der Kälte trotzen

NATURMUSEUM ⋅ Tiere und Pflanzen haben verrückte Strategien entwickelt, wie sie den Winter überleben können. 31 davon zeigt das Naturmuseum in seiner neuen Sonderausstellung.
01. November 2017, 07:52
Christoph Renn

Christoph Renn

christoph.renn

@tagblatt.ch

Zentralheizung, Isolationsmaterial oder Frostschutzmittel. Was klingt wie eine Aufzählung aus dem neuesten Bauhaus-Katalog sind Strategien, welche Tiere entwickelt haben, um den Winter zu überleben. 31 davon stellt das Naturmuseum St. Gallen in seiner Sonderausstellung «Überwintern – 31 grossartige Strategien» vor. Morgen Donnerstag, 19 Uhr, wird die neue Ausstellung mit einer ­öffentlichen Vernissage eröffnet. Zudem gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm (siehe Kasten). Die Ausstellung dauert bis am 4. März 2018.

«Überwintern» ist als schneeweisse Winterlandschaft gestaltet. Auf verschiedenen Inseln werden Tiere und ihre Überlebenstricks gezeigt. Die Ausstellung wurde vom Naturmuseum Luzern konzipiert und realisiert. Mit interaktiven Posten zeigt sie, wie sich die Tier- und Pflanzenwelt vor dem Erfrieren in unseren Breitengraden schützt. Da sind beispielsweise die Bienen, die durch ihren Flügelschlag als eine Art Zentralheizung für die Königin dienen, da ist der Steinbock, der mit seinem Fell gut isoliert ist, oder die Fichte, die Frostschutzmittel einlagert und so Temperaturen von bis zu minus 40 Grad Celsius ohne Schaden überstehen kann.

Dauerkuscheln in den Wintermonaten

Auf einer der drei Inseln thront ein Tier, das sich perfekt an die kalte Jahreszeit angepasst hat: der Schneehase. «Der ist in seinem weissen Winterfell nicht nur optimal getarnt, sondern auch wohlig gewärmt», erklärt Toni Bürgin, Direktor des Naturmuseums. Denn anstelle der Farbstoffe lagern die Haare isolierende Luft ein. Zusätzlich kann er mit seinen breiten Hinterpfoten perfekt über den Schnee hoppeln, ohne einzusinken. Andere Tierarten setzten auf ihre Artgenossen. So überwintern beispielsweise die Murmeltiere als Familienclan. «Die Körpertemperatur der Murmeltiere sinkt während des Winterschlafs aber bis nahe an den Gefrierpunkt ab. Apropos Schlafen: Teil der Sonderausstellung ist auch ein Siebenschläfer. Dieser macht es sich gleich sieben bis acht Monate bequem und verschläft so mehr als die Hälfte seines Lebens.

Im Süden der Kälte entkommen

Den Energieverbrauch herunterzufahren ist eine oft genutzte Strategie. So fahren die Zwergfledermäuse in den kalten Wintermonaten ihren Herzschlag auf zehn Schläge in der Minute herunter. «Wenn sie aktiv sind, schlägt ihr Herz bis zu 1000 Mal in der Minute», ergänzt Bürgin.

Wieder andere Tiere machen es wie viele Menschen. Wird es ihnen zu kalt, verlassen sie das Land und fliegen in den Süden. Eine Vogelart legt so bis zu 40000 Kilometer im Jahr zurück, um dem Winter zu entkommen. «Meistens ist es aber nicht die Kälte, welche ihnen zu schaffen macht, sondern der Mangel an Nahrung.»


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