Der Hunger ist zurück

HOHE ZIELE ⋅ Die Badmintonvereinigung St. Gallen-Appenzell startet am Sonntag auswärts gegen Basel in die neue NLA-Saison. Motivation schöpfen die Spieler aus der Enttäuschung des verloren Halbfinals im April.
06. Oktober 2017, 05:20
Ives Bruggmann

Ives Bruggmann

ives.bruggmann

@tagblatt.ch

Eines sind sich die Spieler der Badmintonvereinigung St. Gallen-Appenzell nicht gewohnt: zu verlieren. Die Liste der Erfolge ist bei keinem anderen Verein in der höchsten Badmintonliga so lang wie bei den Ostschweizern. Seit 2010 stand die Vereinigung sechsmal im Final um den Schweizer-Meister-Titel, dreimal gelang der Sieg.

In der vergangenen Saison jedoch bedeutete das Team Argovia im Halbfinal Endstation. Der Aufsteiger gewann später auch den Titel. «Die Enttäuschung bei uns war gross», sagt Präsident und Manager Hanspeter Kolb. Aufgrund der vielen Erfolge in den vergangenen Jahren sei das Team wohl zu wenig hungrig auf einen erneuten Meistertitel gewesen, sagt Kolb. «Wahrscheinlich haben wir auch zu wenig ­getan für den Erfolg.» Dass es in der vergangenen Saison nicht geklappt hat, wurmt den Präsidenten ein wenig, denn «es wäre einfacher gewesen als auch schon», sagt Kolb.

Ruhanda will es nochmals wissen

Doch die Enttäuschung des verlorenen Halbfinals zeigte bereits kurz nach dem Spiel Wirkung. «Wir sind direkt nach der Niederlage zusammen gesessen. Die Spieler wollen es in der neuen Saison besser machen», sagt Kolb. Zudem sind einige mit ihrem Studium einen Schritt weiter, so dass sie wieder mehr Zeit dem Badminton widmen können. Auch der 35-jährige Teamsenior Agung Ruhanda, der als Profitrainer arbeitet, hat sein Trainingspensum wieder gesteigert. Er hatte im Einzel im vergangenen Jahr erstmals überhaupt eine negative Bilanz. «Ich spüre, dass alle voll motiviert und bereit sind, etwas für den Erfolg zu tun», sagt Kolb.

St. Gallen-Appenzell geht die neue Saison mit einem nur leicht veränderten Kader an. Céline Burkart verliess die Ostschweizer in Richtung Tafers-Fribourg. «Ein gewichtiger Abgang», sagt Kolb, der damit die fast makel­lose Bilanz der Zuger Doppelspezialistin anspricht. «Wir konnten nicht mit dem Angebot aus Fribourg konkurrenzieren», gibt Kolb zu.

Drei Allrounderinnen bei den Frauen

Mit Aline Müller konnte die Badmintonvereinigung jedoch ein hoffnungsvolles Talent vom Badmintonclub Uzwil verpflichten. Die 18-Jährige ist die Doppelpartnerin der gleichaltrigen Jenny Stadelmann im Junioren-Nationalteam und besucht ebenfalls die Sportschule Appenzellerland. Neben den beiden grossen Ta­lenten zählt St. Gallen-Appenzell weiter auf die Indonesierin Imma Muthiah Khairunnisa. «Bei den Frauen sind wir sehr gut besetzt», benennt Kolb die Stärke seines Teams. Die drei genannten Spielerinnen können sowohl Einzel als auch Doppel spielen. Zudem werden wohl auch in dieser Saison viele Punkte in den Doppelpartien ergattert werden. «Die Doppel werden wieder ein zuverlässiger Punktelieferant», vermutet Kolb.

Am meisten wird St. Gallen-Appenzell in den Männereinzeln gefordert sein. Nahezu alle Teams treten auf den ersten zwei Positionen bei den Männern mit ausländischen Profis an. Kolb rechnet mit einer ausgeglichenen Liga. Er traut sieben von acht Teams den Meistertitel zu. Trotzdem heisse das Ziel für die Badmintonvereinigung Playoff. Aber Kolb weiss auch: «Der Grat ist so schmal wie noch nie.»


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