Der Druck fällt weg

Seit 14 Jahren führt das Ehepaar Breitenmoser das Printstudio im Haggen. Nun schliessen sie es und verabschieden sich mit einem Fest ins Rentnerdasein. Vorher gibt es aber noch einen Räumungsverkauf.
04. Januar 2018, 07:59
Christoph Renn

Christoph Renn

christoph.renn

@tagblatt.ch

Die Räume des Printstudios an der Haggenstrasse 51 erinnern an ein Museum. In der Mitte steht eine Druckmaschine, die an lange vergangene Zeiten erinnert. An den Wänden hängen Bilder und Dokumente aus den vergangenen Jahren. Darunter befindet sich eine stark vergilbte Ausgabe des St. Galler Tagblatts. Mit wenigen Worten wurde das Printstudio darin eröffnet. Auf dem Bild strahlen die Inhaber Rosmarie und Rico Breitenmoser um die Wette. Das war vor 14 Jahren.

Nun schliessen die beiden ihr Geschäft, gehen in Pension. Doch wollen sie noch ein weiteres Kapitel schreiben: Heute Mittwoch beginnt der Räumungsverkauf. «Die grossen Maschinen habe ich bereits verkaufen können», sagt Rico Breitenmoser. Noch warten aber haufenweise Papier und vieles andere auf neue Besitzer. Mit einem Fest schliesst das Ehepaar sein Printstudio endgültig (siehe Kasten).

Vor 14 Jahren hat sich Rico Breitenmoser entschieden, selbstständig zu werden. Vorher leitete er die Druckerei des Rehabilitationszentrums Lutzenberg. «Es war eine schöne Zeit, doch die Arbeit mit Drogensüchtigen und mit dem ständigen Druck, den Betrieb trotzdem wirtschaftlich zu führen, zehrte an meinen Kräften», sagt er. Der Rücken zwickte immer mehr, Krankheiten folgten. «Zu dem Zeitpunkt hat mich ein Freund aus dem Turnverein angerufen, dass er einen neuen Drucker seines Vertrauens brauche, weil sein ehemaliger aufhöre.» Noch auf der Heimfahrt meldete sich Rico Breitenmoser beim scheidenden Betreiber der Druckerei, die an der Haggenstrasse 51 untergebracht war. «Wenig später haben wir dann dort unser eigenes Printstudio eröffnet.»

Immer genug Geld in der Kasse

Es sei ein mutiger Entscheid gewesen, denn schon damals war das Führen einer Druckerei ein schwieriges Business. Es war die Zeit, als Laser-Drucker aufkamen. Als viele begannen, zu Hause ihre Drucksachen selber zu gestalten und zu produzieren. Auch im Printstudio steht ein modernes Druckgerät. Doch wenn immer es die Zeit zuliess, habe er die Arbeiten auf der alten Offset-Druckmaschine erledigt. Reich werden könne man mit einer Druckerei nicht, doch das habe für ihn nie eine grosse Rolle gespielt, sagt Rico Breitenmoser. So hätten auch viele Schüler ihre Abschlussarbeiten bei ihm drucken lassen. Geld hätten sie dafür keines abliefern müssen, jedoch mussten sie jeweils die Noten zeigen, die sie erhielten. «Uns waren die Begegnungen und die Kontakte immer wichtiger», sagt Rico Breitenmoser. Wie als er ein Buch mit einer 80-Jährigen produzieren konnte. «Unzählige Stunden sassen wir zusammen am Tisch.» Berechnet habe er keine Minute davon. Am Ende des Tages sei aber immer genug in der Kasse gewesen, um ein schönes Leben führen zu können.

Immer wieder mit Krankheiten zu kämpfen

Doch hatten es die dreifachen Eltern mit ihrem Printstudio nicht nur einfach. So hatte Rico Breitenmoser mit Krankheiten zu kämpfen. «Ich liess mich aber nie lange von meiner Arbeit abhalten», sagt er. Nun steuert das Ehepaar auf die Pensionierung zu. Pläne hat es noch keine. «Rico plante noch nie gerne», sagt Rosmarie Breitenmoser. «Er entscheidet lieber nach dem Bauchgefühl.» Wie vor 14 Jahren, als die beiden ihr Geschäft eröffneten.


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