Der Damm steht

HOCHWASSER ⋅ Lange kamen die Bauarbeiten beim Rütiweier nicht vom Fleck. Nun sind der Damm und das Rückhaltebecken für den Hochwasserschutz doch noch fertig geworden.
27. November 2017, 07:15
Christina Weder

Christina Weder

christina.weder@tagblatt.ch

Es schien eine ewige Baustelle. Doch nun ist es geschafft. Der Damm des Rütiweiers oberhalb von St. Georgen-Bach ist seit kurzem fertig aufgeschüttet. Die Baumaschinen sind abgezogen. Rolf Kretzer, Leiter Wasserbau der Stadt, kann aufatmen.

«Es ist schön, wie es herausgekommen ist», sagt er auf einem Rundgang. Doch die Baustelle hat ihn Nerven kostet. In den vergangenen Monaten ist er wiederholt darauf angesprochen worden, warum es denn beim Rütiweier nicht vorwärtsgehe. Seit Anfang 2014 wurde dort ein Damm mit Rückhaltebecken erstellt, der St. Georgen vor Hochwasser schützen soll. Nach ursprünglicher Planung hätte er ein Jahr später fertig werden sollen.

Herausforderung Nummer 1: Aushubmaterial finden

«Alle sagten, das sei keine grosse Sache.» Auch er selbst sei dieser Meinung gewesen, sagt Kretzer. Doch das Projekt für den Hochwasserschutz hatte es in sich. Die Arbeiten zogen sich über vier Jahre hin. Nicht nur schlechtes Wetter verzögerte den Baufortschritt. Die grösste Herausforderung war, geeignetes Aushubmaterial für die Aufschüttung des Damms aufzutreiben, wie Kretzer sagt. Denn dabei handle es sich nicht einfach um «Dreck». Das Material musste «strenge Auflagen» erfüllen, die der Bund für den Bau von Stauanlagen vorschreibt. Proben wurde ins Labor geschickt und untersucht. «Wir wollten alles richtigmachen», sagt Kretzer. Schliesslich handle es sich um eine Anlage für den Hochwasserschutz.

Zweimal mussten die Bauarbeiten eingestellt werden, weil das Material zum Aufschütten ausgegangen war. Zuletzt war das vor einem Jahr der Fall. Da sei er schon nervös geworden, sagt Kretzer. Nach mehreren Monaten wurden die Verantwortlichen schliesslich in einer Baugrube auf der Notkersegg fündig. Diesen Oktober wurden die fehlenden 1500 Kubikmeter zum Rütiweier hochtransportiert.

Insgesamt sind 13000 Kubikmeter Erdmaterial aufgeschüttet worden. Zuoberst auf dem 25 Meter hohen Damm wurde eine Plattform mit den Messgeräten erstellt. Darunter befindet sich der neue Durchlass. Dessen Schieberkappen sind so eingestellt, dass zwei Kubikmeter Wasser pro Sekunde durchfliessen. Zusätzliches Wasser – bis zu 100000 Kubikmeter – kann im Weiher zurückgehalten werden. So wird verhindert, dass bei starkem Regen zu viel Wasser in die Steinach fliesst. 2002 und 2005 war St. Georgen von Überschwemmungen betroffen, die laut Kretzer Schäden in der Höhe von einer Million Franken zur Folge hatten. Das solle künftig nicht mehr vorkommen.

Eher Tümpel als Weiher

Der Rütiweier liegt versteckt in einer Mulde und gleicht derzeit eher einem Tümpel als einem Weiher, der seinen Namen verdient. Kretzer hätte ihn gern grösser gesehen – so wie früher, bevor sein Wasser 1996 abgelassen wurde. «Doch das ging nicht.» Schliesslich müsse der Weiher bei starkem Regen zusätzliches Wasser aufnehmen können.

Das Projekt für den Hochwasserschutz, an dem sich Stadt, Kanton und Bund zu je einem Drittel beteiligen, war auf drei Millionen Franken veranschlagt. Die Verzögerungen und zusätzlichen Laborproben haben laut Kretzer zu Mehrkosten von einer halben Million Franken geführt. Noch sind nicht alle Arbeiten abgeschlossen. Das Überwachungs- und Alarmsystem muss noch fertig installiert werden. Der Damm, über den der Wanderweg führt, wird noch begrünt. Auch der Probe-Aufstau steht noch aus. Trotzdem, sagt Kretzer, würde die Anlage bei Hochwasser bereits jetzt Wirkung zeigen.


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