Gallusplatzbeleuchtung sorgt für rote Köpfe bei Gewerblern

ST.GALLEN ⋅ Jetzt ist der Gallusbrunnen in St.Gallen, wie von den Gewerbetreibenden am Gallusplatz gewünscht, beleuchtet. Doch glücklich sind mit der Lösung längst nicht alle. Sie wollten zwar Licht, aber keine Lampe.
05. Dezember 2017, 05:19
Elisabeth Reisp

Elisabeth Reisp

elisabeth.reisp@tagblatt.ch

Wie präsentiert sich ein schöner Platz? Geschmückt mit Blumen, Sitzgelegenheiten und heimelig erleuchtet? Oder doch lieber puristisch, die grosse Leere wirken lassend? Diese Frage spaltet seit der Neugestaltung des Gallusplatzes die Anwohner, Gewerbetreibende und Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Gerade für die Gewerbler rund um den Gallusplatz ist der Platz zu leer und leblos. Es brauche mehr Licht und mehr Blumen, wurde wiederholt reklamiert. Vor drei Jahren wurde seitens der Stadt eine Aufwertung durch Blumenschmuck versprochen. Eingelöst wurde das Versprechen bis heute nicht.

Eine neue Beleuchtung wurde auf dem Platz allerdings installiert. Der Brunnen mit der Gallusfigur wurde mit einem Leuchtring versehen. Er soll die besonders dunkle südwestliche Ecke des Platzes in der Dämmerung etwas freundlicher wirken lassen. Keine einfache Aufgabe. Denn die Wünsche und Vorstellungen der Gewerbler sind nicht immer deckungsgleich mit den Interessen der öffentlichen Hand.

Verschiedene Vorstellungen zur Beleuchtung

Schliesslich ist die primäre Funktion des Brunnens Wasser zu spenden und nicht von innen herauszuleuchten. Selbst wenn es sich bei der Brunnenfigur um einen Heiligen handelt – er leuchtet nicht von alleine. Eine Lampe musste her. Und zwar eine, die nicht irgendwo neben dem Brunnen steht. «Wichtig war uns auch, dass der Gallus nicht so ausgeleuchtet wird, dass sein Gesicht fratzenhaft wirkt», sagt Hans­ueli Rechsteiner. Als Stadtbaumeister obliegen die Brunnen in der Stadt zwar seiner Verantwortung. Das Beleuchtungskonzept wurde allerdings von den Stadtwerken erarbeitet, gestützt auf den Wünschen der Anwohner und Ladenbetreiber. Dass es nun eine sichtbare Lichtquelle ist, habe einige irritiert, sagt Rechsteiner. «Sie wollten Licht und bekamen eine Lampe…» Die «Lampe» am Brunnen ist eine ringförmige Leuchte, die die Mittelsäule umspannt und nach oben und unten leuchtet.

Zufrieden sind damit aber längst nicht alle. Denn jetzt ist zwar der Brunnen erleuchtet. Für den schmucken Adventskranz, der in Zusammenarbeit mit Klosterviertelgesellschaft, Quartierverein und Gartenbauamt entstand, hat es keinen Platz mehr. «Ich habe mir die Beleuchtung etwas anders vorgestellt», gesteht etwa Donat Wick, Betreiber des Hotels Vadian und der dazugehörenden Herberge zur Heimat. Schade sei zudem, dass der Gallus nur gerade bis zu den Schultern beleuchtet sei, der Kopf jedoch im Dunkeln bleibe. Dies solle aber seitens der Stadt noch verbessert werden. Trotz all den Makeln: Dass nun etwas mehr Licht den Gallusplatz erhellt, sei wichtig und richtig. Donat Wick wünscht sich das in einem nächsten Schritt auch für den Grüningerplatz und die Schmiedgasse.

Nächstes Jahr wieder mit Weihnachtsschmuck

Marietheres Hablützel ist Präsidentin der Klosterviertelgesellschaft und weiss um die Stimmungslage betreffend die Beleuchtung. «Man kann über diese Lösung geteilter Meinung sein. Das Licht ist aber warm und schön», sagt sie. Doch dass es für den Adventskranz am Brunnen keinen Platz mehr hat, stört auch sie.

Der Lichtkreis ist erst seit Ende November in Betrieb. Die Zeit reichte nicht, um sich Gedanken zu machen, wie der Brunnen mit Lampe nun weihnachtlich geschmückt werden könne. Ein behelfsmässiges Gesteck wurde am Sockel drapiert. Es soll aber noch etwas grösser werden, sagt Hablützel.

«Nach der Weihnachtszeit werden wir noch einmal zusammensitzen und uns Gedanken machen und vielleicht noch den einen oder anderen Verbesserungsvorschlag anbringen», sagt Hablützel.

Immerhin: Jetzt gibt es mal etwas mehr Licht auf dem Gallusplatz: Und, da sind sich alle einig, der Platz wirke damit abends einladender und sicherer.


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