Das Wiesli im Museumsquartier soll erhalten bleiben

ST.GALLEN ⋅ Die stadträtliche Antwort auf einen Vorstoss zur Zukunft des Wieslis im Museumsquartier löst bei den Unterzeichnern unterschiedliche Reaktionen aus. Die Hoffnung auf eine verträgliche Lösung hegen aber alle.
09. Januar 2018, 05:19
Luca Ghiselli

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Der Stadtrat will die Wiese im Museumsquartier weder auszonen, noch kaufen oder abtauschen. Er erachtet es als unverhältnismässig, das Grundstück auf diesem Weg frei zu halten und so eine geplante Überbauung der Pensionskasse des Kantons zu verhindern. Daran lässt er in seiner Antwort auf eine Einfache Anfrage keinen Zweifel. Vor dem Hintergrund, dass die Wiese zwischen Museum- und Notkerstrasse ein beliebter Quartiertreffpunkt ist, birgt diese Antwort Zündstoff. Die Verfasser des Vorstosses – insgesamt neun Parlamentarier aus allen sechs Fraktionen haben die Einfache Anfrage mitunterzeichnet – nehmen die stadträtliche Antwort mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis.

Weitere politische Schritte prüfen

Doris Königer (SP) ist vom Stadtrat enttäuscht. «Sie zeugt von fehlender Empathie.» So werde zum Beispiel nicht gewürdigt, dass die Wiese der einzige Treffpunkt im Quartier sei, wo sämtliche Generationen zusammenkommen. «Andere haben Cafés oder Treffpunkte. Das fehlt im Museumsquartier. Deshalb ist das Wiesli so wichtig.» Die Wiese sei nicht nur ein Freiraum, sondern erfülle eine zentrale soziale Funktion. «Das scheint der Stadtrat aber nicht verstanden zu haben.» Nun gelte es, zunächst das Treffen zwischen Vertretern der IG Wiesli und der Bauherrschaft im Februar abzuwarten. «Die Stadt muss für eine verträgliche Lösung Hand bieten», sagt Königer. Derzeit sehe es aber nicht danach aus. Deshalb müsse man sich Gedanken über weitere politische Schritte machen: «Das kann von einer Motion, die dem Stadtrat den Auftrag zum Landkauf gibt, bis zur einer Zonenplaninitiative gehen.»

Jennifer Deuel (FDP) schlägt in die gleiche Kerbe. «Würde das Wiesli überbaut, wäre das ein herber Verlust fürs Museumsquartier», sagt sie. Die Nutzung der Freifläche bedinge viel Freiwilligenarbeit. «Das ginge dann verloren.» Zudem stellt Deuel in Frage, dass der Bedarf nach einem Wohnbau wie sie die Pensionskasse des Kantons auf der Parzelle plant, wirklich ausgewiesen ist. «Wir haben einen hohen Bestand an Leerwohnungen.» Da sei es nicht angezeigt, eine solch wertvolle Freifläche dafür zu opfern. «Ich setze mich grundsätzlich für die innere Verdichtung ein. Aber dieses Quartier ist bereits stark verdichtet. Und es ist in sich stimmig, wie es ist.» Deuel hofft nun, dass der Stadtrat gemeinsam mit Quartiervertretern und der Bauherrschaft eine verträgliche Lösung aushandeln kann. «Ein Landabtausch wäre in diesem Zusammenhang wünschenswert.» Die Begründung des Stadtrats, wonach es sich bei den vorliegenden Plänen um ein privates Vorhaben auf privatem Grund handelt, kann Deuel aber nachvollziehen. «Ich bin liberal, ich kann diese Argumentation verstehen.»

Wenigstens baulich ein Blickfang

Auch Christian Neff (SVP) hat den Vorstoss mitunterzeichnet. Er sagt auf Anfrage, der Stadtrat habe die Bedeutung des Begegnungsraums in seiner Antwort vernachlässigt. «Das komplette Spektrum des Draussen-Seins findet an ein und demselben Ort statt.» Und das könne der vom Stadtrat erwähnte «hochwertige Freiraum rundherum» schlichtweg nicht abdecken. An der Rechtmässigkeit der Pläne zweifelt Neff aber nicht – und sieht in dem Fall Signalwirkung. Man müsse deshalb sensibel nach einem Konsens suchen. «Das gesetzlich nicht verhinderbare Gebäude muss wenigstens baulich ein Blickfang werden.» Das heisse konkret: Möglichst schmal, ohne Parterre-Wohnungen, sondern mit ebenerdigem Freiraum.» Das Wiesli müsse erhalten bleiben – gerade in einer Zeit, in der andere Quartiere an der Anonymität kranken.

Bei der IG Wiesli hat man die Antwort des Stadtrats zur Kenntnis genommen. Man wolle aber zunächst das klärende Gespräch mit Stadtrat und Bauherrschaft abwarten, sagt IG-Vertreter Till Bannwart. «Erst danach besprechen wir das weitere Vorgehen.»


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