Das Wasser ist sein Element

TALENT ⋅ Der 15-jährige Schwimmer Marius Toscan hat durch seine Leistungen die Aufnahme ins Nachwuchsnationalkader geschafft. Für den St. Galler ist dies jedoch nur ein Etappenziel.
03. November 2017, 05:19
Ives Bruggmann

Ives Bruggmann

ives.bruggmann

@tagblatt.ch

Im Wasser fühlt sich Marius Tos-can am wohlsten. Wenn der 15-jährige Schwimmer in sein liebstes Element eintaucht, vergisst er alles um sich herum. «Meine Gedanken kreisen dann um nichts anderes als die Technik», sagt Toscan, der sich als eher ruhigen Menschen bezeichnet. «Das kommt mir im Wasser entgegen», sagt das Mitglied des Schwimmvereins St. Gallen-Wittenbach.

Für ihn war es «ein grosses Glücksgefühl», dass er die Aufnahme ins Nachwuchsnationalkader für die Saison 2017/18 schaffte. Und auch eine Belohnung für seinen immensen Aufwand, den er seit Jahren betreibt. Denn Schwimmen ist eine trainingsintensive Sportart. Wer Erfolg haben will, muss so oft wie möglich im Wasser sein. 1600 Kilometer absolvierte Toscan in der vergangenen Saison. Das ist, als wäre er die Strecke von St. Gallen bis nach Kiew geschwommen.

Mit Disziplin und Leidenschaft

Toscan besucht die Talentschule der Stadt St. Gallen. Daneben absolviert er acht Wassertrainings à zwei Stunden. Zweimal in der Woche steigt das Jungtalent bereits um sechs Uhr in der Früh ins Wasser. Da braucht es viel Disziplin und ebenso viel Leidenschaft. «Das sind grosse Stärken von Marius. Er ist immer motiviert, verpasst eigentlich nie ein Training», sagt der Cheftrainer des Schwimmvereins St. Gallen-Wittenbach, Gabriel Schneider. Aus schwimmerischer Sicht sei die Vielseitigkeit sein grösstes Plus. Deswegen ist es wenig überraschend, dass die Spezialdisziplinen Toscans die Lagen-Rennen sind – wenn also in einem Rennen alle vier Disziplinen absolviert werden.

Beim Saisonstart am vergangenen Wochenende in Chur schwamm Toscan in sechs Einzelrennen fünfmal auf Platz eins. Doch nur die Platzierung alleine macht den St. Galler noch nicht glücklich. Auch die Zeit muss stimmen. «Die Uhr ist mein grösster Gegner», sagt Toscan. Derzeit lautet sein grosses Ziel 4:30 Minuten über 400 m Lagen. Diese Zeit verpasste er in Chur um etwas mehr als drei Sekunden. An den Kurzbahn-Schweizer-Meisterschaften Ende Monat in Uster will er diese unterbieten. In der Schweiz gibt es in Toscans Jahrgang nur einen Athleten, der bessere Zeiten schwimmt. Dieser ist allerdings körperlich um einiges weiter als der 1,73 m grosse und 58 kg schwere St. Galler.

In eben diesem Bereich liegt auch Toscans grösstes Entwicklungspotenzial. «Eigentlich muss er nur noch grösser und stärker werden», sagt Schneider. Technisch sei Toscan schon sehr weit, so Schneider. Da schaut er sich auch einiges von seinen Vorbildern ab. Besonders schaut er zu Caeleb Dressel, Ryan Lochte und Michael Phelps auf.

Gefordert und gefördert in der Leistungsgruppe

Doch wo liegt die Grenze bei Tos-can? «Wir wollen ihn nicht limitieren. Alles ist möglich», sagt Schneider. «Unser Ziel ist es, ihn so weit zu bringen, wie er es möchte.» Dieses Ziel heisst bei Toscan Jugend-EM 2019. Darauf ist bei ihm die langfristige Planung ausgerichtet. In der Leistungsgruppe des Schwimmvereins Wittenbach-St. Gallen sind die Voraussetzungen dafür optimal. In jeder Disziplin gibt es mindestens jemanden, der Tos-can fordern kann. Und ihn damit ein Stück näher an sein grosses Ziel bringen.


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