Erdnüsse als tödliche Gefahr: St.Gallerin für Buch über ihre Allergie ausgezeichnet

ALLERGIE ⋅ Die 16-jährige Julia Morosi leidet an einer Erdnussallergie. Mit einem selbst gestalteten Bilderbuch will sie anderen betroffenen Kindern Mut machen. Sie hat dafür einen Preis gewonnen.
21. November 2017, 16:59
Christina Weder

Christina Weder

christina.weder@tagblatt.ch

Bald kommt er wieder, der Samichlaus. Er bringt einen Sack voll Schoggi, Mandarinen und natürlich Nüssen. «Das ist nicht gerade mein Lieblingstag», sagt Julia Morosi. Die 16-jährige Kanti­schülerin aus dem Quartier Rotmonten leidet seit ihrer Geburt an einer starken Erdnussallergie. Aus diesem Grund wollte sie am 6. Dezember auch schon einmal die Schule schwänzen. Doch sie muss nicht nur aufs Chlaussäckli verzichten. Sie achtet das ganze Jahr darauf, was sie essen kann und was nicht.

Ihre Allergiegeschichte erzählt sie in einem liebevoll gestalteten Bilderbuch mit dem Titel «Was ist nur mit Julius los?». Es war ihre Projektarbeit in der dritten Sekundarschule. Kürzlich hat sie von der Stiftung Aha!, dem Allergiezentrum Schweiz, einen Preis dafür bekommen.

Mehr als ein Hautausschlag

Die Geschichte handelt von Zwerg Julius. Er heisst nicht nur fast gleich wie die Autorin. Er leidet ebenfalls an einer Nussallergie. Es fällt ihm nicht leicht, darüber zu sprechen. Doch als sich seine Nachbarn und Freunde im Wald darüber wundern, dass er ihre kulinarischen Geschenke ständig ablehnt, fasst er sich ein Herz. Er beginnt, offen über seine Allergie zu reden.

Julia Morosi sagt, sie wolle Kindern, die auch an einer Allergie leiden, mit dem Bilderbuch Mut machen. Zudem will sie Personen, die keine Allergie haben, aufklären. Mitschülerinnen und Mitschüler, Lehrer und Bekannte wüssten oft nur wenig darüber, was die Allergie für sie bedeutet. Und welche Folgen sie haben könnte. «Viele denken an ein Brennen, ein Beissen auf der Zunge oder einen Hautausschlag», sagt ihr Vater Giorgio Morosi, «aber Julia könnte an den Folgen eines allergischen Schocks ersticken.» Ihre erste ­allergische Reaktion hatte sie, als sie zwei Jahre alt war. Die Eltern erinnern sich noch gut, wie ihre Tochter damals Schokolade mit Haselnüssen ass. Ihr Hals schwoll an. Sie habe kaum mehr Luft bekommen.

Als Dreijährige machte sie einen Allergietest. Seither trägt Julia Morosi immer ein Notfallset bei sich. Und die Familie achtet peinlich genau, was auf den Tisch kommt. Das ist nicht einfach. Denn Nüsse kommen in Nahrungsmitteln vor, in denen man sie nicht erwarten würde. «Wenn man keine Nüsse sieht, heisst das nicht, dass keine Nüsse drin sind», sagt die Schülerin. Beim Einkaufen studiert die Familie die Inhaltsangaben auf den Packungen. Was «Spuren von Nüssen» enthält, kommt nicht in den Einkaufswagen. Restaurantbesuche sind kompliziert. Asiatisch essen zu gehen etwa ist unmöglich. Auch das Essen im Klassenlager ist eine Herausforderung. Meist nimmt sie vorgekochtes Essen von zu Hause mit. Auf Geburtstagsfeiern muss sie auf viele Kuchen und Desserts verzichten. Vorsicht ist auch bei Schoggi und Glace geboten. «Deshalb esse ich wohl lieber Salziges als Süsses», sagt sie.

Mit Liebe zum Detail inszeniert

Aus dem Bilderbuch ist schnell mehr geworden als nur eine Projektarbeit. «Die Arbeit daran war für mich ein positives Erlebnis mit der Allergie», sagt Julia Morosi. Im Wald beim Wildpark Peter und Paul hat sie die Geschichte inszeniert. Sie hat sich dabei vom bekannten Bilderbuch «Das Mäusehaus» inspirieren lassen und die Szenen bis ins Detail ausgestattet und fotografiert. Den gefilzten Zwerg hat ihr eine Bekannte überlassen. Viele Requisiten hat sie selbst gebastelt. Und sie hat einiges auf sich genommen: Für eine Nachtszene ist sie nachts mit der Taschenlampe in den Wald ausgerückt. Ein anderes Mal musste sie improvisieren, als der Schauplatz über Nacht im Schnee versank.

Julia Morosis Traum ist es, einen Verlag zu finden, der das Buch herausgibt. Die Familie hat bisher 10 bis 15 Exemplare drucken lassen. Eines davon kann in der Quartierbibliothek Rotmonten ausgeliehen werden.


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