Das Aus für die Windkraft

ST.GALLEN ⋅ Im Gitzibüel hat die Stadt über ein halbes Jahr Windmessungen durchgeführt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Für einen wirtschaftlichen Betrieb einer Anlage bläst viel zu wenig Wind.
05. Oktober 2017, 05:18
Christoph Renn

Christoph Renn

christoph.renn@tagblatt.ch

Im Osten der Stadt hat das Amt für Umwelt und Energie über ein halbes Jahr die Windstärke gemessen. Im Gitzibüel, in der Nähe der Bushaltestelle Schaugenhof, hatte die Stadt deshalb ein 25 Meter hohes Metallgerüst aufgestellt. Nun sind die Daten ausgewertet. Und das Ergebnis ist eindeutig ausgefallen und ernüchternd: «Die Messungen vom Januar bis Juli haben ergeben, dass das Windpotenzial deutlich unter den erwarteten Werten liegt», sagt Fredy Zaugg vom Amt für Umwelt und Energie. Somit steht fest, dass in St. Gallen kein Windrad aufgestellt wird. «Eine Anlage kann hier nicht wirtschaftlich betrieben werden.»

Dass St. Gallen kein Eldorado für Windenergie ist, war den Verantwortlichen von Anfang an bewusst. Ausschlaggebend für die Messungen war laut Zaugg die Windpotenzialkarte, die der Bund in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik in Buchs herausgegeben hat. Darauf seien verschiedene Standorte für mögliche Windräder in der Stadt gekennzeichnet, wie beispielsweise im Riethüsli oder auf dem Freudenberg. Doch auch an diesen Standorten wird die Stadt das vor­ausgesagte Windpotenzial nicht nutzen. Aus einem einfachen Grund: In St. Gallen bläst im Jahresmittelwert höchsten ein kühles Lüftchen. «Auf der Windpotenzialkarte werden für die anderen Standorte ähnliche Werte wie im Gitzibüel vorausgesagt.» Deshalb verzichte die Stadt auf weitere Messungen.

Es bläst weniger als ein schwacher Wind

Der Entscheid, auf die Windenergie in St. Gallen zu verzichten, ist laut Zaugg in Anbetracht der ermittelten Daten schnell gefallen. «Der hochgerechnete Jahresmittelwert liegt bei 2,2 Metern pro Sekunde», sagt er. Um eine Windkraftanlage jedoch wirtschaftlich betreiben zu können, müsse der Jahresmittelwert mindestens bei 3,8 Metern pro Sekunde liegen. «Auch für Anlagen, die auf Schwachwind ausgelegt sind», ergänzt Zaugg. Die St. Galler Stadtwerke und das Amt für Umwelt und Energie haben deshalb entschieden, dass das vorhandene Windpotenzial auch für eine Pilot- und Demonstrationsanlage zu gering ist. Auf der Windpotenzialkarte des Bundes sind die Standorte in St. Gallen als mittel bis gut für Windkraft ausgewiesen worden. «Nun haben wir Gewissheit, dass diese Werte nicht der Wirklichkeit entsprechen», sagt Zaugg. Deshalb sei die Messung auch nicht umsonst gewesen. «Wir wollten diese Technologie nicht ausser Acht lassen.» Somit könne dem Amt nicht vorgeworfen werden, die Windenergie in St. Gallen nicht voranzutreiben. «Mit diesen Daten können wir genau belegen, dass es in St. Gallen zu wenig Wind für einen wirtschaftlichen Betrieb einer entsprechende Anlage gibt.» In das Energiekonzept 2050 reisst diese Erkenntnis kein grosses Loch. «Windkraft ist in der Energiestrategie kein Schwerpunkt», sagt Zaugg.

Angemessene Ausgaben für Windmessanlage

Die Windmessanlage im Gitzi­büel wird in diesen Tagen demontiert. «Die Firma, welche die Anlage aufgestellt hat, benötigt die Anlage im November an einem anderen Ort», sagt Zaugg. Die Messungen hätte die Stadt im Gitzibüel durchgeführt, weil diese Parzelle der Stadt gehört. So habe sie sich nur um eine Baubewilligung bemühen müssen. Und die Kosten für den Betrieb hätten sich im Rahmen gehalten. «Wir müssen lediglich den Auf- und Abbau der Windmessanlage im Gitzibüel bezahlen.»


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