"Wir lecken jetzt keine Wunden"

ST.GALLER STADTRATSWAHL ⋅ Nach der gestrigen Niederlage bei den Stadtrat-Ersatzwahlen gibt sich die CVP der Stadt St.Gallen kämpferisch. Die Christdemokraten wollen zurück in den Stadtrat. Bis dahin haben sie aber noch einiges zu tun.
27. November 2017, 13:31
Innerhalb eines Jahres hat die CVP ihren zweiten Stadtratssitz verloren. Ihr Kandidat Boris Tschirky musste Sonja Lüthi (GLP) am Sonntag im zweiten Wahlgang mit über 3100 Stimmen Vorsprung in die Stadtregierung ziehen lassen. Für die Christdemokraten ist das eine weitere Ohrfeige. Die CVP zeigt sich enttäuscht, aber auch kampfeslustig. «Wir lecken jetzt keine Wunden», sagt Raphael Widmer, Präsident der Stadtpartei. «Vielmehr wollen wir uns von innen heraus stärken und wieder angreifen.»
 

"Wie müssen besser mobilisieren"

Boris Tschirky habe als ehemaliger Wirtschaftsförderer des Kantons St.Gallen, früherer Direktor von St.Gallen-Bodensee Tourismus und Gemeindepräsident einen prall gefüllten Rucksack an Erfahrung mitgebracht, lobt die CVP ihren unterlegenen Kandidaten in einem Communiqué. Dass es dennoch nicht für den Einzug in den Stadtrat reichte, sei eine Enttäuschung, sagt Widmer und zeigt sich selbstkritisch: «Wir haben es nicht so gut verstanden, zu mobilisieren und unseren Kandidaten so stark zu unterstützen, wie es andere Parteien etwa an den diversen Podien getan haben.» Es ist nichts Neues, dass die CVP in sich gespalten ist und dass in jüngster Vergangenheit der Schulterschluss zwischen den bürgerlichen Kräften in der Stadt zu wünschen übrig liess. Die Folgen davon spiegeln sich im Abstimmungsergebnis wieder: Tschirky machte im zweiten Wahlgang gerade mal 94 Stimmen mehr als im ersten. Dies obwohl Jürg Brunner, der im ersten Wahlgang die SVP vertrat und dort über 3100 Stimmen sammelte, für den zweiten Wahlgang Forfait gab.
 
Widmer ist aber überzeugt, dass die Talsohle nun erreicht ist und gibt sich optimistisch-kämpferisch. «Wir werden Kandidaten aufbauen und wieder antreten.» Zu welchen Wahlen, ob Stadtpräsidium oder Stadtrat, sei noch offen. Sein Ziel sei es, die Partei von innen zu vereinen und zu stärken. Dies sei ihm in dem halben Jahr als Präsident noch nicht geglückt. «Ich übernahm das Amt und musste sogleich einen Wahlkampf organisieren.» Eine ungewöhnliche Situation, die so nicht vorhersehbar war: Der Rücktritt des mittlerweile verstorbenen Stadtrates Nino Cozzio war nicht von langer Hand planbar. Widmers dringlichstes Ziel sei daher, seine Parteikollegen dazu zu bringen, dass alle wieder am selben Strick ziehen. (rsp)
 

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