Stadtpolizei reagiert am Bahnhofplatz: Parkschilder gedreht und Bodenmarkierung angebracht

BUSSEN WEGEN FAHRVERBOT ⋅ In der Stadt St.Gallen gilt für die Bahnhofstrasse ab dem Bahnhofpärkli ein Fahrverbot. Die deshalb ausgesprochenen Bussen sorgen im Netz und in den sozialen Medien für Aufruhr. Die Stadtpolizei St.Gallen hat inzwischen bereits erste Neuerungen umgesetzt.
29. November 2017, 15:58
Maria Kobler-Wyer
Drei Wochen lang informierte die Stadtpolizei St.Gallen Verkehrsteilnehmer vor Ort über die Änderungen in der Verkehrsführung. Seit Ende Oktober verteilt sie Bussen, wenn Autofahrer sich nicht an das Fahrverbot beim Rathaus am östlichen Rand des Bahnhofplatzes halten. Innert zwei Tagen wurden 60 Bussen ausgestellt. Das führte zu teils heftigen Reaktionen im Netz. "Haben die Behörden das Bussenbudget 2017 noch nicht erreicht?", schreibt Pascal Jacob auf Facebook. "Irgendwie muss sich die Stadt die Mehrausgaben beschaffen! Am leichtesten geschieht das über Bussen", kommentiert Bruno Brunschwiler auf "Tagblatt online". Und Marc Brönnimann meint: "Typisch SG-City. Wird immer mehr zu einer Bussen- und Polizeistadt." Ins gleiche Horn bläst Christian Neff: "Das hier ist wieder völliger Nonsense. Vor allem, wenn man erwartet, dass Autofahrer die winzigen Täfelchen sehen, lesen und sich den Termin im Kalender dick anstreichen, ab wann nicht mehr die Spitzkehre genutzt werden kann, nachdem jemand vor dem Gebäude mit Gepäck abgeladen wurde."

So sieht die Situation heute aus: (Grün erlaubt, Rot = 100.- Fr Busse). Zoom

So sieht die Situation heute aus: (Grün erlaubt, Rot = 100.- Fr Busse).



User Michael Kobel widerspricht den Kritikern: "3 Wochen lang wurde vor Ort informiert und keine einzige Busse ausgesprochen! Und so winzig ist die dreiteilige Fahrverbotstafel auch nicht und sollte allen bekannt sein. Immerhin musste jeder Autofahrer eine Theorieprüfung bestehen. Mir als Velofahrer fiel jedenfalls die neue Signalisation sofort auf." Von Martin List gibt es gar Lob für das Vorgehen der Polizei: "Drei Wochen keine Busse, nach auffälliger vermehrter Bussentätigkeit erneut zwei Tage Unterbruch mit neuer Signalisierung. Also noch mehr Entgegenkommen geht wohl nicht. Ein Lob an die Polizei, dass sie ein solches Vorgehen langsam und mit Fingerspitzengefühl umsetzt. Also noch mehr Toleranz wäre gegenüber den wohl 'blinden' Verkehrsteilnehmern nicht mehr angezeigt." Fredi Mueller hat ebenfalls kein Verständnis für die jammernden Autofahrer: "Das ist meiner Meinung nach pure Ignoranz seitens der Autofahrer. Genauso wie das Fahrverbot durchs Klosterviertel komplett ignoriert wird. Dort könnte man zu jeder Tages- und Nachtzeit Bussen verteilen."

Da zahlreiche Autofahrer das Fahrverbot bewusst oder unbewusst missachten, prüft die Stadtpolizei St.Gallen derzeit verschiedene Massnahmen. "Per sofort wurden die beiden blauen Parkschilder für den Warenumschlag und die Taxis um 90 Grad gedreht. Man sieht sie nun von der Bahnhofstrasse aus nicht mehr." Sobald es das Wetter zulasse, werde eine Linie die Autofahrerinnen und Autofahrer besser von der Bahnhofstrasse in die Schützengasse leiten. "Nach Abschluss der Bauarbeiten wird eine zusätzliche Bodenmarkierung vor der Begegnungszone und dem Fahrverbot eine optische Abgrenzung bilden", sagt Roman Kohler, Leiter Kommunikation der Stadtpolizei, auf Anfrage. "Uns geht es nicht darum, Lenker zu büssen, sondern das Fahrverbot durchzusetzen." Obwohl sich die weissen Parkfelder nach der Fahrverbotstafel befinden, nutzen Autofahrer die Plätze zum Ein- und Ausladen von Personen. "Das war früher möglich", sagt Kohler. "Heute dienen die Parkplätze nur zum Warenumschlag." Stattdessen sollen Autofahrer die Bahnhofvorfahrt an der Lagerstrasse bei der Fachhochschule benutzen.
 

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