"Nach einem Boxkampf sehe ich meist nicht so schlimm aus": St.Galler Ehrenföbine holt sich blutige Nase

VERSCHUSS ⋅ Die neue St.Galler Ehren-Födlebürgerin Géraldine Brot hat nach dem Verschuss am Samstag an der Nase geblutet. Die Boxerin und Polizistin nimmt die kleine Schramme sportlich. Die Fasnachts-Verantwortlichen ihrerseits prüfen nach dem zweiten Vorfall dieser Art Veränderungen.
12. Februar 2018, 14:49
Daniel Walt
Wer boxt, holt sich ab und zu eine blutige Nase. Kaum jemand weiss das besser als die neue Ehren-Födlebürgerin Géraldine Brot. Die Tochter des im vergangenen Frühling verstorbenen legendären St.Galler Boxers Hugo Brot übt diesen Sport nämlich leidenschaftlich aus.

Kaum vermutet hätte sie allerdings, dass auch der Föbü-Verschuss am Samstagabend auf dem St.Galler Marktplatz nicht spurlos an ihr vorbeigehen würde. Wie Bilder und Videoaufnahmen zeigen, trug die neue Ehren-Föbine beim Konfetti-Bombardement nämlich eine leichte Verletzung davon.

(TVO)

Schutzbrille wurde nach oben gedrückt

"Ich selbst habe meine blutende Nase zunächst gar nicht bemerkt, ich hatte ja auch keine Schmerzen. Nach dem Verschuss kam dann aber sofort der Kanonenmeister auf mich zu und fragte, ob alles in Ordnung sei", blickt Géraldine Brot zurück. Tatsächlich stellte sie in der Folge ihre leichte Verletzung fest. Auslöser war die Brille gewesen, die sich Géraldine Brot vor dem Verschuss zum Schutz aufgesetzt hatte. Die Wucht der Konfettiladung drückte die Brille nach oben, wodurch die Verletzung an der Nase entstand.
 

"Man will ja niemanden verletzen"

Gregor Zollikofer schoss im vergangenen Jahr bereits Tranquillo Barnetta vom FC St.Gallen in den Ehren-Föbü-Himmel. Nachdem er die Konfettikanone am Samstag auf Géraldine Brot abgefeuert hatte, bemerkte er sofort, dass etwas nicht stimmte. "Ich sah ihre Nase und wusste: So viele rote Konfetti hatten wir gar nicht in der Kanone gehabt, als dass es sich um Reste davon hätte handeln können", sagt er. Er sei am Anfang schon etwas erschrocken – "man will an der Fasnacht ja niemanden verletzen". Glücklicherweise sei die Sache glimpflich ausgegangen. Und lachend fügt er bei, mit einer Boxerin habe man in Sachen Schramme wenigstens die Richtige erwischt.
 

Die Distanz der Kanone überdenken

Auch Michael Hüppi, Kanzler der Ehren-Födlebürger der Stadt St.Gallen, ist froh, dass Géraldine Brot nicht ernsthaft verletzt worden ist. Trotzdem prüfen er und die anderen Ehren-Föbüs nach dem zweiten derartigen Vorfall innert weniger Jahre nun Veränderungen. 2015 nämlich war TV-Mann Hanspeter Trütsch an der Lippe verletzt worden – mit ziemlicher Sicherheit durch gefrorene Konfetti, wie Hüppi sagt. Trütsch blutete stark und liess sich sogar im Spital untersuchen. In der Folge wurde die Konfettikanone revidiert und kam erst im vergangenen Jahr bei Tranquillo Barnetta wieder zum Einsatz.
Géraldine Brot mit Michael Hüppi, Kanzler der Ehren-Föbüs.

Géraldine Brot mit Michael Hüppi, Kanzler der Ehren-Föbüs.

Bisher trugen die Födlebürger beim Verschuss auf dem Marktplatz entweder ihre eigenen Brillen, privat mitgebrachte Schutzbrillen oder schlossen einfach kurz die Augen. Nun denken die Verantwortlichen laut Michael Hüppi darüber nach, den Födlebürgern künftig fix eine Schutzbrille zur Verfügung zu stellen. Hüppi persönlich hält Skibrillen diesbezüglich für am geeignetsten – "sie sind sehr leicht, mit Schaumgummi gepolstert und bieten trotzdem einen guten Schutz". Auch den Abstand der Kanone von der Bühne werde man möglicherweise nochmals anschauen, sagt Hüppi.

Jede Fasnacht zeichnen die St.Galler Ehren-Födlebürger (Föbü) jemanden aus, der speziellen Mut bewiesen hat oder sich speziell für die Allgemeinheit einsetzt. Der diesjährige Titel ging an die Boxerin und Polizistin Géraldine Brot. (Bilder: Michel Canonica)

Humor schon kurz nach dem Vorfall

Zurück zu Géraldine Brot. Nicht nur als Boxerin, sondern auch bei ihrer Arbeit als St.Galler Stadtpolizistin hat sie sich schon mal eine blutige Nase geholt –"das ist aber schon länger her", sagt sie. Sprüche habe sie nach dem Vorfall am Samstag nicht über sich ergehen lassen müssen, die Leute seien eher besorgt gewesen. Trotz der Schramme wird sie den Verschuss in guter Erinnerung behalten. Humor bewies sie auch bereits kurz nach dem Vorfall, wie Kanonenmeister Gregor Zollikofer erzählt: "Sie sagte, nach einem Boxkampf sehe sie meist nicht so schlimm aus, da müsse sie jeweils weniger einstecken..."