Bloss keine klassische Hochzeit

HEIRATEN ⋅ Auf dem Olma-Areal findet dieses Wochenende die 24. Fest- und Hochzeitsmesse statt. Rund 215 Aussteller zeigen, wie im Jahr 2017 geheiratet wird. Der neuste Trend sind umgebaute Autos.
04. November 2017, 05:18
Marlen Hämmerli

Marlen Hämmerli

marlen.haemmerli@tagblatt.ch

Gleich am Eingang zum Olma-Areal steht ein Monteur auf einer Hebebühne. Geschickt manövriert er die Bühne neben einen Masten und befestigt daran eine Fahne. «Fest- und Hochzeitsmesse» steht darauf. Gerade werden die letzten Vorbereitungen für die 24. Ausgabe getroffen. Im Innern der Halle 9 sind viele der insgesamt rund 215 Aussteller daran, ihre Stände einzurichten. Bis um 21 Uhr muss alles fertig sein.

Deshalb sind unter dem Vordach der Halle 9 auch einige Autos und Lieferwagen parkiert, darunter ein orangefarbener VW-Bus. Dieser gehört jedoch zur Ausstellung. «Das ist ein Catering-Bus», sagt Messeleiterin Maja Stuber. «Es hat sich zum Trend entwickelt, Autos zu allem Möglichen umzubauen.» So finden sich auf dem Messeareal auch ein Piaggio, der zur Crêperie umfunktioniert wurde und ein Wohnwagen, der neu eine Fotobox ist. Diese Eventwagen passen laut Stuber sehr gut zum zweiten Trend: der Individualität. «Brautpaare wollen heute möglichst draussen feiern und ihrer Hochzeit den eigenen Stempel aufdrücken.» Im Freien ergäben sich dafür unzählige Möglichkeiten.

Die Hochzeitsmesse auf dem Olma-Areal zieht jedes Jahr viele Paare an, die sich umfassend auf den grossen Tag in ihrem Leben vorbereiten wollen. Die Messe, die ganz im Zeichen von Romantik und Liebe steht, findet am 4. und 5. November statt. Unser Fotograf Michel Canonica hat Momente beim Aufbau festgehalten. (Bilder: Michel Canonica)

Selfieboxen sind veraltet, gefragt sind Fotoboxen

Zum Beispiel kann der zur Fotobox umgebaute Wohnwagen im Freien aufgestellt werden. Derzeit steht er aber im unteren Stock der Halle 9. Das Innere des Wohnwagens wurde unterteilt und in den grösseren der zwei Räume eine Sofaecke, ein Bildschirm und eine Fotokamera eingebaut. Im kleineren Abteil liegen auf einer Anrichte einige Verkleidungsutensilien, etwa eine orangene Perücke und ein mit Pailletten besetzter Cowboyhut. So können sich Hochzeitsgäste verkleiden und Selfies schiessen, während andere durch das Wohnwagenfenster zusehen. «Das wirkt unterhaltend, ohne dass ein zusätzliches Programm nötig wird», erklärt die Ausstellerin, während sie eine kleine Kreidetafel beschriftet. Stuber merkt an: «Vergangenes Jahr waren es die Selfieboxen, heute sind es diese Fotoboxen.» An Events jeglicher Art würden diese wie ein Magnet wirken.

Fotos sind auch das Hauptthema der App «Sam said yes», die ebenfalls an der Messe vorgestellt wird. «An der Hochzeit macht der Fotograf Bilder, aber auch die Gäste», sagt Stuber. «Damit diese einfacher geteilt werden können, hat die Zürcher Agentur Artify diese App programmiert.» Damit können die Hochzeitsgäste Fotos schiessen, die dann in einem geschützten Bereich gespeichert werden.

Bei all dem geht es um die Erinnerung an «den schönsten Moment». Diesem ist eine der beiden Sonderschauen gewidmet. Denn die Erinnerung an die Trauung kann nicht nur durch Fotos wachgehalten werden, sondern auch durch Gipsabdrücke. «Früher gab es die Ringkissen, dann kamen die Ringschalen und nun sind es die gefalteten Gipshände», sagt Stuber. Um diese anzufertigen, tauchen Braut und Bräutigam ihre Hände in eine Masse. Die so entstandene Hohlform wird dann mit Gips ausgegossen, wie Katrin Kreuels von der Firma Unikati erklärt. «Hände werden dadurch sehr genau nachgebildet. Man sieht alle Fältchen und sogar die Poren.» Nach der Hochzeit werden die Hände laut Kreuels als Erinnerung behalten. «Sie dienen dann als Schale oder Ausstellungsobjekt.» Aber auch von Babybäuchen werden Gipsabdrücke angefertigt. An der Ausstellung ist auch davon ein Beispiel zu sehen. Die Babybäuche an der Hochzeitsmesse zu bewerben, mache durchaus Sinn, sagt Kreuels. «In früheren Jahren ist mir aufgefallen, dass auch viele Schwangere die Messe besuchen.»
 

Auf dem Tisch stapeln sich die Süssigkeiten

Die zweite Sonderschau widmet sich dem Thema «Florales erleben». Und auch bei den Blumen gibt es Trends: «Seit einigen Jahren ist ‹Shabby Chic› gefragt», sagt Rahel Hurni vom Ostschweizer Floristenverband. Die Sträusse sollen also nicht mehr eng gebunden sein, sondern luftig. «Grundsätzlich sind die Blumenwünsche aber so vielfältig wie die Brautpaare.» Der Wunsch zu einer individuellen Hochzeit zeigt sich also auch bei den Gestecken. «Überspitzt gesagt, bestand die Hochzeit früher aus Apéro, Kirche, Kutschenfahrt und Festessen», sagt Stuber. Das gelte heute nicht mehr. Auch gebe es heute sogenannte Candytables: Tische mit Süssigkeiten, die beim Apéro oder der Party aufgestellt werden. «Die Candytables sind aber kein Ersatz für die Hochzeitstorte.» Denn diese ist geblieben. Gefragt sind laut Stuber nicht mehr Cupcakes, sondern klassische, mehrstöckige Torten.

Fest- und Hochzeitsmesse

Heute Samstag und morgen Sonntag, jeweils 10 bis 18 Uhr.


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