Beflügelt in der Olma-Halle

ST.GALLEN ⋅ Das Rigolo-Theater tritt ab morgen mit poetischen Szenen in der Olma-Halle auf. Bis zur letzten Sekunde feilen die Artisten an der Show. Noch bleibt einiges zu tun.
15. November 2017, 10:29
Christina Weder
Weisse Flügel überspannen die Bühne. Eine Artistin bewegt sie sachte auf und ab. Darunter befreit sich Hauptdarstellerin Marula Eugster von ihren Fesseln und gleitet an einem Seil in die Höhe. Die Szene strahlt Ruhe und Poesie aus. Sie lässt fast vergessen, welch hektisches Treiben darum herum in der Olma-Halle 1 herrscht. Die Proben für die Rigolo-Show «Wings» laufen auf Hochtouren. Morgen Donnerstagabend ist Premiere. 20 Aufführungen stehen auf dem Programm. In jeder hat es Platz für 500 Zuschauerinnen und Zuschauer.
 

Stress vor der Premiere

In der Halle ist es noch düster. Die Techniker sind erst daran, das Licht zu installieren. Die Artisten feilen an einzelnen Szenen. Die Kostüme hängen noch in der improvisierten Garderobe, und manche Requisiten sind noch nicht ganz fertiggestellt. «Vor der Premiere herrscht immer ein Riesenstress», sagt Marula Eugster, die jüngste von drei Töchtern des Rigolo-Gründerpaars. Bis zur letzten Sekunde werde an der Show gefeilt. Die 26-Jährige holt sich in einer kurzen Pause hinter der Bühne einen Kaffee. Doch, sagt sie, die Nervosität komme schon noch – spätestens am Donnerstag. Das gehöre dazu. «Die Aufregung verleiht mir Power.»

(Hanspeter Schiess)

Und Kraft braucht sie. Die ausgebildete Tänzerin steht im Mittelpunkt der Show, die 13 Szenen zwischen Tanz und Artistik umfasst. Am Schluss führt sie die «Sanddornbalance» auf, die ihr Vater Mädir Eugster vor 20 Jahren entwickelt und mit der Rigolo weltweite Beachtung erlangt hat. Die Nummer ist für Marula Eugster Höhepunkt und Herausforderung zugleich. «Ich muss die Spannung bis zum Schluss aufrechterhalten.» Ihre Aufgabe ist es, eine Feder und 13 Rispen von Palmblättern nach und nach zu einem grossen, fragilen Mobile zusammenfügen – in einer intensiven Nummer, die zwölf Minuten dauert. Zum Schluss verstummt die Musik; die Artistin bewegt sich wie in Zeitlupe, balanciert die Rispen. Nur ihr Atem ist zu hören. 

Die Nummer wird seit 20 Jahren nahezu unverändert aufgeführt. Faszinierend sei, dass diese Nummer überall gut ankomme, findet Marula Eugster: «Ob bei den Scheichs in Dubai oder den Bauern im Toggenburg.» Für die Artistin ist es ein Kraftakt, die Rispen mit einem Gesamtgewicht von sechs Kilo zu balancieren. Um dabei die nötige Ruhe auszustrahlen, macht sie denn auch jeden Tag Yoga und Atemübungen. Die Palmrispen hat ihr Vater am Strand in Sardinien gesammelt. Die Tochter erinnert sich, wie die Familie früher aus den Ferien zurückkehrte: Sie und ihre Schwestern mussten sich im Auto unter Palmwedeln ducken. «Die Nummer ist ein Familiending», sagt sie. 
 

Die zweite Generation übernimmt

Ein Familiending ist auch das ganze Unternehmen Rigolo. 2018 feiert es sein 40-Jahr-Jubiläum. Damit steht ein Generationenwechsel an. Während Marula Eugster auf der Bühne steht, kümmert sich ihre 31-jährige Schwester Nuria ums Management. Und auch wenn die Eltern langsam kürzer treten, sind sie noch voll involviert. Vater Mädir Eugster, weiterhin Creative Director, leitet die Proben in der Olma-Halle. Und auch Mutter Lena Roth hat alle Hände voll zu tun. Sie richtet hinter der Tribüne den Catering-Bereich ein. «Wir sind ein gutes Team», finden die Schwestern. Auch wenn es vor der Premiere für die Familie nur ein Thema gebe: «Wings».

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