Bauland bauen für neue Olma-Halle 1

MILLIONENPROJEKT ⋅ Damit die Olma Messen sich entwickeln können, beantragt der Stadtrat dem Stadtparlament Ende September einen Kredit über 18 Millionen Franken. Bei der komplexen Vorlage geht es aber um mehr als um Geld.
30. August 2017, 07:19
Daniel Wirth

Daniel Wirth

daniel.wirth@tagblatt.ch

Die Olma Messen planen eine Erweiterung, um im Wettbewerb der Messestädte kompetitiv zu bleiben. Sie wollen die bestehende Halle 1 abbrechen, die Stadtautobahn SA1 beim Ostportal des Rosenbergtunnels auf einer Länge von rund 200 Metern überdecken und darauf die grösste stützenfreie Messe- und Eventhalle der deutschen Schweiz mit einer Grundfläche von gesamthaft 12500 Quadratmetern bauen. Die Kosten: 163,4 Millionen Franken (Tagblatt vom 26. August). So komplex das Bauvorhaben ist, so umfangreich kommt die Vorlage des Stadtrates ans Stadtparlament daher: Sie umfasst 23 Seiten. Es geht um den Abtausch von Grundstücken, um einen angepassten Baurechtsvertrag zwischen Stadt und Olma Messen, um eine Zonenplanänderung und schliesslich um einen Verpflichtungskredit in der Höhe von maximal 18 Millionen Franken.

Häuser der Stadt müssen abgerissen werden

Das Areal der Olma Messen erstreckt sich gegenwärtig auf sechs Grundstücke. Mit Ausnahme eines Parkplatzes und einer Wiese an der Splügenstrasse, die den Olma Messen selber gehören, befindet sich das Olma-Areal heute im Besitz der Stadt. 1962 räumte die Stadt der Olma-Genossenschaft für 100 Jahre ein unentgeltliches Baurecht ein. Das soll nun alles neu geregelt werden: Die Stadt St. Gallen überlässt den Olma Messen vier Grundstücke südöstlich der Rosenheimstrasse, von denen zwei überbaut sind. Die zwei Wohn- und Geschäftshäuser, die die Stadt gegenwärtig vermietet, werden abgerissen, wie Stadträtin Maria Pappa bei der Vorstellung des Projektes sagte. Das Grundstück, auf dem die legendäre Halle 7 stand, die 2000 abgebrannt ist, geht von den Olma Messen an die Stadt zurück; das Baurecht wird aufgehoben. Den Parkplatz und die Wiese an der Splügenstrasse (insgesamt rund 2000 Quadratmeter) kauft die Stadt den Olma Messen für etwas mehr als 1,7 Millionen Franken ab. Es gibt einen neuen Baurechtsvertrag. «Neu zahlen die Olma Messen der Stadt einen Baurechtszins», sagt Maria Pappa. Das gesamte Areal wurde gemäss Vorlage von externen Spezialisten geschätzt und der Baurechtszins dann bei 0,5 Prozent festgelegt.

Jährlich fast eine Viertelmillion Zinsen

Das heisst konkret: Die Olma Messen zahlen der Stadt St. Gallen, der nach Abschluss des Liegenschaften- und Grundstückgeschäfts das gesamte Olma-Areal gehört, im Jahr 217500 Franken Zinsen.

Vom Baurechtsvertrag zwischen Stadt und Olma ausgenommen ist die Baufläche, die mit der Überdeckung der Autobahn SA1 entsteht. Diese bleibt im Besitz des Bundes. Es bedarf indessen einer Zonenplanänderung, die dem fakultativen Referendum untersteht. Heute befindet sich die offene Autobahnfläche in der Zone «Übriges Gemeindegebiet» und somit nicht in der Bauzone. Da die geplante neue Halle 1 der Öffentlichkeit zur Verfügung steht, wird die Fläche analog dem übrigen Olma-Areal der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen zugeschieden. Die vier Grundstücke zwischen Halle 1 und Rosenheimstrasse, die von der Stadt an die Olma übergehen, müssen ebenfalls umgezont werden.

Und schliesslich geht es noch ums Geld. Für die Überdeckung der Autobahn sind Kosten von 41,6 Millionen Franken veranschlagt worden. Der Stadtrat will sich mit 18 Millionen Franken daran beteiligen. Das Parlament nimmt sich der Vorlage Ende September an. Das Stimmvolk entscheidet am 4. März nächsten Jahres darüber.

Kanton steuert ebenfalls zwölf Millionen Franken bei

Der Kanton, der wie die Stadt als Genossenschafter an den Olma Messen beteiligt ist, steuert zwölf Millionen Franken bei. Volkswirtschaftsdirektor Bruno Damann sagt, St. Gallen sei im Wettbewerb der Messestädte stark gefordert. Die Konkurrenz schlafe nicht; sie investiere und wachse. Mit dem Neubau der Halle 1 eröffneten sich den Olma Messen neue Möglichkeiten, sagt Regierungsrat Bruno Damann.

Olma-Direktor Nicolo Paganini sagt, die heutige Halle 1 entspreche nicht mehr den Anforderungen. Zuletzt gebaut wurde 1999 die Halle 9. Seither sei nicht mehr im grossen Stil investiert worden. In der neuen Halle 1, der grössten ihrer Art in der Deutschschweiz, könnten ab 2024 beispielsweise Konzerte mit bis zu 10000 Besucherinnen und Besuchern durchgeführt werden.


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