Auf alten Namen neu getauft

ST.GALLEN ⋅ Im Volksmund hiess er schon länger so, bald wird der Kornhausplatz auch offiziell so benannt. Er ist nicht der einzige Platz der Stadt, der dieses Jahr neu benannt wurde. Weitere sollen folgen.
19. Dezember 2017, 06:46
Luca Ghiselli

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

St. Gallen ist nicht unbedingt eine Stadt der grossen, repräsentativen Plätze. Hier hat’s keinen Bellevue-, Barfi- oder Bundesplatz. Und doch sind in den vergangenen Jahren einige Plätze hinzugekommen. Nicht nur räumlich, auch im offiziellen Stadtplan. Eines der jüngeren Beispiele: Der Vadianplatz zwischen den Neumärkten. Dieser wurde im Stadtplan bis 1977 bereits unter diesem Namen geführt, danach verschwand er wieder. Im Volksmund blieb der Name aber, und als die Neugestaltung des Platzes im April dieses Jahres abgeschlossen war, erhielt er auch offiziell seinen Namen zurück.

Für die Namensgebung von Strassen und Plätzen der Stadt ist die Namenkommission zuständig. Deren Präsident Théo Buff tritt Ende Jahr in den Ruhestand. Zuvor war die Kommission im letzten Jahr unter seiner Führung aber nochmals äusserst aktiv. So wird der Kornhausplatz zwischen Busbahnhof und Kornhausstrasse bald auch offiziell so getauft. «Dieser Name hatte sich, wie der Vadianplatz auch, im Volksmund bereits etabliert», sagt Buff. Deshalb sei es naheliegend gewesen, im Zuge der Neugestaltung des Platzes sowie des Hauptbahnhofs dem Platz den Namen auch offiziell zurückzugeben. Der Stadtrat hat zugestimmt, jetzt fehlt nur noch die offizielle Beschriftung des Platzes, der bald als Scharnier zwischen Bahnhof, Bahnhofplatz und den angrenzenden innerstädtischen Quartieren fungieren soll.

FHS-Vorplatz noch immer ohne Namen

Damit nicht genug: Auch in der nördlichen Altstadt wurden zwei Plätze kürzlich neu benannt. Sie befinden sich gleich nebeneinander. Der St.-Mangen-Platz vor der gleichnamigen Kirche und der Gewerbeschule sowie der Wiboradaplatz an der Magnihalden. «Das sind bereits heute eigentlich Plätze, nur sind sie nicht so benannt», sagt Buff. Das liege wohl daran, dass man dies zur Zeit ihrer Entstehung im Alten St. Gallen schlicht vergessen habe.

Mit diesem Schritt haben zwei weitere grössere Plätze der Stadt ihren Namen – andere fehlen aber noch. Für zwei Plätze kursierten lange «Ideenschlaufen», wie Théo Buff sagt. Konkret geschehen ist aber nichts, und das aus verschiedenen Gründen. So zum Beispiel beim Vorplatz der Fachhochschule (FHS) hinter dem Bahnhof. Wäre es nach der Namenkommission gegangen, hätte dieser eigentlich nach dem Zürcher Schriftsteller Max Frisch auf den Namen «Frisch-Platz» getauft werden sollen. Der Stadtrat entschied sich aber dagegen. Der Quartierverein wünschte sich später einen «Rosenbergplatz», zeigte sich aber mit der vorgesehenen Fläche vor der FHS nicht zufrieden – er wünschte sich einen grösseren Platz für den Namen. Das ist bald zwei Jahre her, der Platz ist noch immer namenlos. «Die Zeit ist wohl noch nicht reif für den neuen Namen», sagt Théo Buff.

Und da ist noch der «Kulturplatz». So hätte der Raum zwischen Tonhalle und Theater genannt werden sollen, wäre die Museumstrasse wie ursprünglich geplant neugestaltet worden. Die Pläne dafür wurden aber vom Stadtrat 2013 begraben, und damit wohl auch der Name. Auch bei der Sanierung der Beläge der Brühl- und Kugelgasse entstehen bald neue Plätzchen. Wie diese, zum Beispiel jenes vor dem «Spitalkeller», heissen werden, weiss auch die Namenkommission noch nicht.

Wenig Veränderung bei Strassennamen

Während die Strassennamen-Kommission bei Plätzen jüngst sehr aktiv war, gab es in letzter Zeit nur wenige Strassenneubenennungen. «Die grosse Zeit des Strassenbaus ist vorbei. Also gibt es auch weniger zu benennen», sagt Théo Buff. Die jüngste neu benannte Strasse ist die Tetznerstrasse in St. Georgen. Sie ist nach der deutschen Kinderbuchautorin Lisa Tetzner benannt.


Leserkommentare

Anzeige: