Stadtrats-Podium: Tschirky markig, Lüthi zurückhaltend

STADTRATSWAHL ST.GALLEN ⋅ Zwei Frauen und drei Männer wollen in den St.Galler Stadtrat. Am Dienstag diskutierten sie beim Tagblatt-Podium im Kugl. Während die einen Profil zeigten, blieben andere eher blass.
Aktualisiert: 
29.08.2017, 11:00
29. August 2017, 10:47
Luca Ghiselli
Der Wahlkampf um die Nachfolge des Ende Jahr zurücktretenden Stadtrats Nino Cozzio (CVP) ist angelaufen. Rund 200 Personen sind gestern Abend der Einladung des "Tagblatt" gefolgt und haben sich im Kugl ein Bild der fünf Kandidierenden gemacht. Andri Bösch (Juso), Ingrid Jacober (Grüne), Boris Tschirky (CVP), Sonja Lüthi (Grünliberale) und Jürg Brunner (SVP) stellten sich den Fragen der beiden Moderatoren Daniel Wirth und Reto Voneschen.

Für Leben in der Diskussion sorgte vor allem der 20-jährige Bösch. Kritik an seinem Alter tat er ab, indem er die mangelnde Repräsentierung der jungen Generation im Stadtratsgremium bemängelte. Er zeigte sich angriffig und lenkte die Diskussion immer wieder in von ihm gewünschten Bahnen. Als das Gespräch auf das Bussenregime und die zahlreichen Blitzanlagen in der Stadt fiel, schwenkte Bösch auf den Umgang mit Cannabis ab. "Wenn ich auf Drei Weieren gemütlich einen Joint rauche, dann habe ich schon ein Problem mit der Bussenpolitik", sagte er.
 
Gewohnt markig und selbstbewusst trat auch der gemeinhin als Favorit gehandelte Boris Tschirky auf. Er verteidigte seinen Leistungsnachweis ("Der kann sich sehen lassen"), appellierte an das lokale Gewerbe ("Sie können es sich nicht leisten, nur 0815-Produkte anzubieten, sondern müssen innovativ sein, damit die Leute in die Stadt kommen") und tat den Vorwurf ab, er sei ein sozialpolitischer Hardliner ("Ich bin Realist").

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Wie bereits vor 14 Tagen am FDP-Podium im Pfalzkeller hinterliessen die anderen Kandidierenden einen etwas blasseren Eindruck.
 
Am lebhaftesten diskutierte SVP-Kandidat Jürg Brunner, der vor allem in der ersten Hälfte der Diskussion durch markante Aussagen auffiel. Auf seine kritische Position gegenüber dem geplanten Autobahn-Deckel in St. Fiden angesprochen, sagte er, er sei keinesfalls visionslos. "Es gibt aber einen Unterschied zwischen Visionen und Illusionen." Zudem kritisierte er den "Amtsschimmel" und bezeichnete das Bussenregime der Stadt als "Raubzug gegenüber den Bürgern".
 
Weniger aus sich heraus kam Sonja Lüthi. Die Kandidatin der Grünliberalen gab sich zuweilen sehr zurückhaltend, obschon sie unter anderem in den Verkehrsfragen ("Elektroautos lösen das Platzproblem in der Stadt nicht") und punkto Frauenanteil in der Stadtregierung ("Die Hälfte der Bevölkerung sind Frauen. Warum sollten sie also nicht angemessen im Stadtrat repräsentiert sein?")  einiges zu sagen hatte.
 
Nur sehr wenig Glanzmomente konnte Ingrid Jacober verzeichnen. Erst gegen Ende, als die Mobilitäts-Initiative diskutiert wurde, konnte die Grüne punkten. "Das Auto ist ein ineffizientes Verkehrsmittel", sagte sie. Man habe für Strassen und Parkplätze zu viele Grünflächen bebaut, die "eigentlich atmen" sollten. Dabei gehe es nicht nur um menschliches Leben, sondern auch um den Schutz von Flora und Fauna. 


Lesen Sie hier den Liveticker des Tagblatt-Podiums nach:


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