Weniger Fahrgäste befördert

Die Verkehrsbetriebe St.Gallen (VBSG) haben 2014 erstmals seit Jahren einen Passagierrückgang hinnehmen müssen. Unternehmensleiter Ralf Eigenmann hält E-Bikes für einen möglichen Grund für die tieferen Fahrgästezahlen.
19. Juni 2015, 08:43
Daniel Wirth

Die Verkehrsbetriebe St.Gallen beförderten im vergangenen Jahr 26,831 Millionen Fahrgäste; das sind 669'000 oder 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr, wie aus dem Geschäftsbericht für das Jahr 2014 hervorgeht. Dieser Rückgang ist der erste seit Jahren – und auch kein dramatischer. Ralf Eigenmann, Unternehmensleiter der VBSG, sagt, in den Jahren 2010 bis 2013 hätten die Frequenzen gesteigert werden können, zum Teil sprunghaft, weil die Fahrzeugflotte erneuert worden sei. Für den Rückgang im vergangenen Jahr nennt Eigenmann die immer grösser werdende Zahl von E-Bike-Fahrerinnen und -Fahrern in der Stadt als einen möglichen Grund. Bei schönem Wetter stellten die Fahrräder mit Elektromotor eine Konkurrenz dar zu den Bussen der Verkehrsbetriebe St. Gallen. Dieser Trend bereite ihm persönlich einige Sorgen, sagt VBSG-Chef Ralf Eigenmann.

Mit anderen kooperiert

Früher hätten Velofahrer eine ausgesprochene Affinität gehabt zum öffentlichen Verkehr (öV): Eigenmann: «Wer Velo gefahren ist, ist auch Bus gefahren.» Mit dem E-Bike hätten umweltbewusste Verkehrsteilnehmer eine Alternative zum Bus und der Bus eine neue Konkurrenz erhalten. Die Devise müsse lauten, Autofahrer mit guten Leistungen zum Umsteigen auf den öV zu bewegen. Vermessen wäre laut Eigenmann, Fahrgäste vom Wechsel aufs E-Bike abhalten zu wollen.

Der Aufwand der VBSG belief sich im vergangenen Geschäftsjahr auf 46,5 Millionen Franken; das sind gegen 5 Millionen weniger als im Jahr zuvor. Der Personal- und der Sachaufwand blieben nahezu unverändert. Fast um die Hälfte halbiert hat sich im Vorjahresvergleich der Sonderaufwand: von 12,4 auf 6,4 Millionen Franken. Ralf Eigenmann bezeichnet im Editorial zum Geschäftsbericht das Jahr 2014 als eines ohne «Leuchtturmprojekte». Auffallend sei, schreibt Eigenmann, dass ein Grossteil der Aktivität 2014 mit Kooperationen über die Grenzen der eigenen Unternehmung zu tun gehabt haben: SwissPass, Fahrausweiskontrolle, Tarifverbund, Neugestaltung Bahnhofplatz, Fahrgastinformation und anderes. Bei allem Engagement für die VBSG dürfe nicht vergessen werden, dass letztlich der öV entwickelt werden müsse, erklärt Eigenmann. «Und dafür braucht es eine gute Zusammenarbeit.»

Gewinn eingefahren

Der Verkehrsertrag (Einnahmen aus dem Billett- und Abonnementverkauf) lag im vergangenen Jahr bei etwa mehr als 27 Millionen Franken. Zuzüglich den Abgeltungen von Bund, Kanton, Stadt und Gemeindepool für ungedeckte Kosten resultierte 2014 ein Gesamtertrag von 48,5 Millionen Franken. Das heisst: Die VBSG haben einen Gewinn von 1,9 Millionen Franken eingefahren.


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