Weniger Dreck, weniger Druck

BAUBOOM ⋅ In der Deponie Tüfentobel gelten seit August strengere Regeln, was die Anlieferung von Aushub betrifft. Bis Ende März hält die Deponie noch an diesem Regime fest. Danach dürfte sich die Lage entspannen.
16. Januar 2017, 06:15
Roger Berhalter

Roger Berhalter

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Der Platz in der Deponie Tüfentobel wird langsam knapp. Grund ist der anhaltende Bauboom: Wo gebaut wird, fällt Aushub an, und dieser muss fachgerecht entsorgt werden. Die Deponie Tüfentobel zwischen St. Gallen, Abtwil und Engelburg musste in den vergangenen Jahren immer mehr Aushub annehmen, eine Obergrenze gab es nicht. Doch im vergangenen Sommer zog die Deponie die Notbremse und führte neue Regeln ein. Seit dem 15. August nimmt die Deponie pro Tag höchstens noch 1500 Tonnen Aushub an, und jede Baufirma muss ihre Lieferung spätestens am Vortag anmelden. Nasses Material kann nur auf Anfrage deponiert werden, und bei Regen oder Schnee behält sich die Deponie vor, den Betrieb vorübergehend einzustellen.

Nur trockenes Material lässt sich aufschichten

Christian Helbig, Bereichsleiter Abfall und Deponie bei Entsorgung St. Gallen, erklärt die Gründe für die neuen Annahmebedingungen. «Es gab Tage, an denen wurde 5000 Tonnen Aushub angeliefert. Das entspricht 250 Lastwagen voll.» Solche Mengen in der Deponie zu verbauen, das sei bis anhin kein Problem gewesen, solange man den Aushub ins Tobel kippen konnte. Doch mittlerweile ist dieses Tobel gefüllt, und in der Deponie wird nun eine Landschaft gemäss Auflageprojekt modelliert. «Wir bauen in die Höhe», sagt Helbig, und das sei nur mit trockenem Aushub möglich.

Auch Material mit hohen Anteilen an Torf, Silt oder Seekreide kann zu Stabilitätsproblemen führen. Deshalb nimmt die Deponie Tüfentobel seit vergangenem August solchen Aushub nicht mehr an. «Das kann zehn oder zwanzig Jahre lang gut gehen, bis es zu Rutschungen kommt. Wir wollen das Material aber von Anfang an stabil verbauen», sagt Helbig. Deshalb nimmt die Deponie Tüfentobel bei Regen und Schnee keinen Aushub entgegen, so wie auch in den vergangenen Tagen. Denn unter diesen Bedingungen ist es laut Helbig nicht möglich, das Material stabil aufzuschichten.

Mit den strengeren Regeln hat die Stadt seit vergangenem August gute Erfahrungen gemacht. «Es hat sich gut eingespielt, die tägliche Disposition funktioniert gut», sagt Christian Helbig. Es sei auch nicht so, dass eine Baustelle stillstehen müsse, nur weil man den Aushub nicht mehr zur Deponie Tüfentobel bringen könne. «Man redet miteinander», sagt Helbig, und kleinere Mulden nehme die Deponie ohne Voranmeldung an. Bei grösseren Mengen besteht aber nach wie vor Anmeldepflicht. Und Torf, Silt und Seekreide sind nach wie vor nur in kleinen Mengen zugelassen. Helbig nennt als Beispiel eine der grössten Baustellen in der Region: Beim Kantonsspital St. Gallen fallen bald grosse Aushubmengen an, und schon jetzt sei klar, dass sich dieses Material nicht für die Deponie Tüfentobel eigne.

Parallelbetrieb mit Unterbüel

An den aktuellen Annahmebedingungen hält die Deponie Tüfentobel sicher noch bis Ende März fest. Danach dürfte sich die Lage gemäss Christian Helbig ohnehin entspannen, weil ein Parallelbetrieb in Aussicht steht: Ab April steht zusätzlich die neue Deponie Unterbüel in Mörschwil zur Verfügung, ein gemeinsames Projekt der Stadt Rorschach, der Gemeinde Mörschwil und der Stadt St. Gallen. Sie soll Platz für rund 580000 Tonnen Aushub bieten. «Das wird die Deponie Tüfentobel entlasten», sagt Helbig. Man werde den Aushub von den Baustellen in der Region künftig anders verteilen können. Wenn beispielsweise in einer grösseren Baustelle in Rorschach Aushub anfällt, wird dieser nicht mehr ins Tüfentobel, sondern direkt nach Mörschwil gebracht.

Dies ist allerdings keine langfristige, sondern nur eine Zwischenlösung. Der Betrieb der Deponie Unterbüel ist nämlich auf fünf Jahre befristet.


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