Wenig Lust auf Abendverkauf

Die St.Galler Geschäfte leiden unter den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen. Nun scheint auch die Lust auf den Abendverkauf verloren. Viele wollen wegen mangelnder Nachfrage am Donnerstag nicht bis 21 Uhr offen haben.

13. Januar 2016, 08:57
ELISABETH REISP

Am Donnerstagabend ist in St.Gallen Abendverkauf. Bis 21 Uhr können die Läden geöffnet haben. Nur wollen das längst nicht mehr alle. Dies veranlasste den städtischen Detaillistenverein Pro City dazu, eine Umfrage unter seinen 160 Mitgliedern durchzuführen. Das Ergebnis der Umfrage ist ernüchternd: nur 60 haben geantwortet, etwas mehr als die Hälfte davon wollen nicht länger als bis 20 Uhr offen haben. Weniger als die Hälfte will das Geschäft am Donnerstagabend bis 21 Uhr geöffnet lassen. «Das Dumme daran: Hundert Mitglieder von Pro City haben gar nicht auf die Umfrage geantwortet», sagt Pro-City-Präsident Ralph Bleuer.

Abendverkauf als Auslaufmodell

Nicht nur in St.Gallen erfährt der Abendverkauf abnehmende Beliebtheit. Auch andere Städte spüren mehr und mehr, dass das Shoppen zu später Stunde nicht mehr gefragt ist. Zürichs Läden haben von Montag bis Freitag bis längstens 20 Uhr offen. In Winterthur gibt es den donnerstäglichen Abendverkauf noch. Aber auch dort sind nicht alle Geschäfte bis 21 Uhr geöffnet. Das Einkaufszentrum Archhöfe beim Bahnhof beispielsweise schliesst auch am Donnerstag bereits um 20 Uhr.

In Wil ist die Situation ähnlich vertrackt wie in St.Gallen: Am Abendverkauf am Dienstag haben einige Geschäfte bis 21 Uhr offen, andere wollen nur bis 20 Uhr. Das Ergebnis der uneinheitlichen Schliessungszeiten ist, dass viele Kunden nur bis 20 Uhr shoppen, so die Befürchtung einiger Geschäftsbetreiber.

Der Abendverkauf habe nicht mehr denselben Stellenwert wie er ihn vor 10 oder 20 Jahren gehabt habe, sagt Bleuer. Was einst ein gesellschaftliches Ereignis war, ist heute nicht mehr gefragt, jedenfalls nicht in dieser Form. Der klassische Abendverkauf ist ein Auslaufmodell.

Kein Zwang zum Mitmachen

Der Abendverkauf ist gesetzlich erlaubt, aber nicht obligatorisch. «Wir können niemanden zwingen, mitzumachen», sagt Bleuer. Der städtische Detaillistenverein Pro City hat daher eine Empfehlung ausgesprochen: Alle Geschäfte sollten am Donnerstag bis 20 Uhr geöffnet haben. Damit hofft Pro City, wieder mehr Geschäfte überzeugen zu können, am Abendverkauf mitzutun. Würde aber als Ladenschliessungszeit 21 Uhr empfohlen, könnte dies viele Ladenbetreiber abschrecken, so die Befürchtung von Pro City. «Und auf die grossen Ketten haben wir sowieso keinen Einfluss.»

Spisergasse schliesst früher

Die «Grossen» scheinen aber nicht das Problem zu sein. Die Modeketten H&M, Esprit, aber auch Mode Weber nutzen die verlängerten Öffnungszeiten am Donnerstagabend. Generell sind die vielen Geschäfte im Dreieck Neugasse, Multergasse, Marktgasse bis 21 Uhr geöffnet. In der Spisergasse hingegen sieht es ganz anders aus. Die wenigsten Geschäfte haben am Donnerstag bis 21 Uhr offen. Viele schliessen bereits um 20 Uhr oder sogar wie an den anderen Wochentagen um 18.30 Uhr.


Leserkommentare

Anzeige: