Vom Garten aufs Dach

ST.GALLEN. Statt im Garten der Villa Wiesental solle HRS einen Neubau auf dem Bürogebäude St.Leonhard realisieren, sagen Villa-Freunde. Die Idee einer Aufstockung dürfte auch bei der Entwicklung des Gebiets Bahnhof Nord diskutiert werden.

26. Januar 2016, 06:53
DAVID GADZE

Die Pläne für einen Neubau neben der Villa Wiesental sind vorerst vom Tisch. Nach dem Nein des Stadtrats zum Gestaltungsplan will die Eigentümerin HRS vorerst auf ein neues Gebäude sowie auf die Sanierung der Villa verzichten (Tagblatt vom Mittwoch und vom Donnerstag). Nun kursiert eine neue Idee: Im Gespräch mit Vertretern des Vereins Pro Villa Wiesental wurde der Vorschlag aufgeworfen, den Neubau auf dem benachbarten Bürohaus St.Leonhard – auch «St.Leopard» genannt – statt im Garten der Villa zu errichten.

Zu geringe Ausnützung

Das Bürogebäude sei bezüglich der Ausnützung nicht optimal und im Sinne der Verdichtung für einen so zentralen Ort auch zu niedrig, heisst es. Das Haus «Neuhof», das 2002 abgerissen wurde, war ein gutes Stück höher. Und: Der «St.Leopard» gehört der Swisscanto Anlagestiftung, welche die Villa 2014 der HRS verkauft hat. Die HRS wiederum hat als Generalunternehmer den «Leopard» realisiert und ist dort eingemietet.

Doch wie realistisch ist ein solches Szenario überhaupt? «Seitens Swisscanto Anlagestiftung liegen aktuell keine Pläne zur Neugestaltung des Bürohauses an der St.Leonhard-Strasse vor», sagt Katharina Wächli von der Pressestelle der Zürcher Kantonalbank, der die Swisscanto gehört. Die heutige Grösse und Nutzung der Liegenschaft seien bedarfsgerecht. Da eine Aufstockung durch die HRS bisher auch kein Thema gewesen sei, könne die Swisscanto keinen Kommentar zu solchen Plänen abgeben.

Städtebauliche Lösungen prüfen

Die Nutzung des Bürogebäudes St.Leonhard dürfte aber demnächst auch unabhängig von der Idee mit dem HRS-Neubau diskutiert werden. Denn es liegt im Perimeter der Testplanung für die Entwicklung des Gebietes Hauptbahnhof Nord. Morgen stellt das Stadtplanungsamt die Ergebnisse einer Sozialraumanalyse der Fachhochschule St.Gallen vor. Auch die Grundeigentümer werden dann darüber informiert. «Im Rahmen der Entwicklungsplanung Bahnhof Nord können städtebauliche Lösungen zusammen mit den Grundeigentümern geprüft werden», sagt Stadtplaner Florian Kessler zur Idee der Aufstockung des Gebäudes.

«Wir werden an den Gesprächen mit der Stadt St.Gallen teilnehmen und auch bilateral den Kontakt suchen», sagt Katharina Wälchli. Auch bei der Entwicklung des Gebietes Hauptbahnhof Nord werde sich Swisscanto «im Rahmen der Möglichkeiten» beteiligen. «Wenn sich dabei eine Aufstockung als sinnvoll erweisen würde, würden wir die Idee bestimmt prüfen.»

HRS hat kein Interesse

Die HRS will sich nicht zur Idee äussern, den Neubau auf das Bürohaus zu «verlagern». «Das Gebäude gehört nicht der HRS, also können wir keine Stellungnahme dazu abgeben», sagt HRS-Sprecher Sven Bradke.

Klar ist auch: Die HRS müsste die Aufstockung selber bauen, um die Büroflächen vermieten zu können. Bauland hat sie aber im Garten der Villa Wiesental. Also müsste sie wohl diese gegen Baurecht und Stockwerkeigentum auf dem «St.Leopard» tauschen. Wie gross das Interesse der Swisscanto an der Villa jedoch ist, hat sie mit dem Verkauf des Gebäudes gezeigt.


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