Ungereimtheiten im Konfirmandenlager

WITTENBACH ⋅ Mit viel Elan und neuen Ideen: So wirkt Daniel Kiefer seit zwei Jahren als Pfarrer. Nun aber wird er für einen Teil seiner Tätigkeiten in Wittenbach nicht mehr eingesetzt. Den Ausschlag gab ein Vorfall im Konfirmandenlager.
25. April 2017, 18:40
Corinne Allenspach

In der Karwoche reisten rund zwei Dutzend Wittenbacher Jugendliche nach Holland ins Konfirmandenlager. Dort kam es gemäss Johannes von Heyl, Präsident der Kirchenvorsteherschaft von Evangelisch Tablat-St.Gallen, zu einem Vorfall. Konkret habe es Spannungen im Leiterteam gegeben, die in einer lautstarken Diskussion gipfelten. Daraufhin bat Pfarrer Daniel Kiefer das Team, die weitere Leitung des Lagers zu übernehmen, und reiste nach Rücksprache mit der Kirchenvorsteherschaft frühzeitig nach Hause. Die genauen Hintergründe werden derzeit analysiert, damit man nachher die richtigen Schlüsse ziehen könne.

Zudem zog Daniel Kiefer seine Kandidatur zur Wahl des Pfarrers zurück. Die Wahl hätte am Sonntag an der Kirchbürgerversammlung erfolgen sollen. Die Kirchenvorsteherschaft hat Kiefer vorerst von einem Teil seiner Aufgaben entbunden. Dies vor allem, um den erst 31 Jahre alten Pfarrer zu schützen, der in Wittenbach vor zwei Jahren seine erste Stelle angetreten hat. «Einen Berufseinsteiger muss man nicht unnötig einer schwierigen Situation aussetzen», sagt von Heyl, der auch in Wittenbach wohnt.
 

«Innovationsgeist wird ihm vorgeworfen»

Der Kirchenpräsident weiss, dass es bereits vor dem Zwischenfall im Lager Kritik am jungen Pfarrer aus Deutschland gegeben hat.  Bemängelt worden sei vor allem, er gehe zu wenig offensiv auf die Leute zu und er wirke etwas unsicher. Von Heyl bedauert die Reaktionen: «Daniel Kiefer hat seine erste Stelle mit viel Elan angetreten», sagt er. «Aber sein Innovationsgeist wird ihm vorgeworfen.»

Seine etwas andere Art zu predigen und die neuen Ideen, die er einbringen wolle, kommen nicht bei allen gut an. «Es gibt immer noch viele Wittenbacher, die Pfarrer Hüsemann nachtrauern», sagt von Heyl. Hüsemann war zehn Jahre in Wittenbach tätig und seine «tolle Arbeit» wirke noch nach. Die Messlatte für den Nachfolger sei entsprechend hoch gesetzt. Erschwerend komme hinzu, dass Wittenbach eine grosse Gemeinde sei mit einer Vielfalt an Aufgaben für einen Pfarrer. «Man müsste die Stelle eigentlich mit mehr als 100 Prozent dotieren», sagt von Heyl.

Daniel Kiefer war erst 29 Jahre alt, als er im Sommer 2015 mit seiner Frau und den drei kleinen Kindern aus Rheinland-Pfalz nach Wittenbach zog. Auch wenn es keine Weltreise ist, so sind die kulturellen Unterschiede doch spürbar, oder wie es von Heyl ausdrückt: «Es ist etwas anderes, in Rheinland-Pfalz zu wirken, wo die Leute das Herz auf der Zunge tragen, oder in der Schweiz, wo sie eher die Faust im Sack machen.» Diese Mentalitätsunterschiede hätten den jungen Familienvater regelmässig belastet.
 

Pfarrer aus anderen Kirchkreisen helfen aus

Wenn Daniel Kiefer von seinen pfarramtlichen Tätigkeiten entbunden ist, heisst das nun, Wittenbach braucht einen neuen Pfarrer? Gemäss von Heyl steht das derzeit noch nicht zur Diskussion. «Einen neuen Pfarrer zu suchen ist eine langwierige Geschichte. Wir möchten uns in Wittenbach keine Vakanz leisten.» Das sei «unschön» für eine Kirchgemeinde. Die Lösung im Moment sieht so aus: In den Gottesdiensten wird jeweils Diakon Ueli Bächtold oder ein Pfarrer aus einem anderen Kirchkreis von Evangelisch-Tablat predigen. «Es werden keine Gottesdienste ausfallen», verspricht Johannes von Heyl. Auch die Konfirmation im Mai finde wie geplant statt. Ueli Bächtold wird dort zur Verfügung stehen. So sei es mit der Landeskirche abgesprochen.

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