Unfall weckt alte Geister

HÄGGENSCHWIL ⋅ Ein Absturz bei der Ruine Ramschwag wirft die Frage nach der Sicherheit der Ruine erneut auf. Die Gemeinde will die Hausburg sanieren. Das Projekt wurde jedoch aufgeschoben.
03. April 2017, 06:15
Noemi Heule

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Die gute Nachricht vorweg: Der 26-Jährige, der vergangene Woche bei der Ruine Ramschwag 40 Meter in die Tiefe stürzte, ist wohlauf. Er konnte das Spital ­verlassen. Dennoch bleibt die ­Sicherheit der Häggenschwiler Hausburg ein Thema, das die Gemeinde nach wie vor beschäftigt.

Auch an der Bürgerversammlung kam Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring auf den Unfall zu sprechen. Denn der Einsatz von Feuerwehr, Rettungswagen und Helikopter in der Nacht vom 23. März blieb im Dorf nicht unbemerkt. Wilde Gerüchte machten die Runde. Klar ist: Der 26-Jährige hielt sich kurz vor 23 Uhr mit Freunden bei der Burg auf, als er in der Dunkelheit die Böschung hinunterstürzte. Die Feuerwehr Wittenbach-Häggenschwil rückte mit zehn Mann aus. Dennoch konnten die Einsatzkräfte den Verletzten nicht bergen, zu unwegsam war das Gelände, zu steil die Böschung ins Tobel. Erst die Rega befreite den Mann mit einer Seilwinde.

Auch Tage später ist der ­genaue Unfallhergang unklar. Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kantonspolizei, betont: «Es waren weder Alkohol noch Drogen im Spiel.» Die Absturzstelle war durch einen Holzzaun gesichert. Dieser wurde durch die Rettungsarbeiten beschädigt, ist aber bereits wieder repariert.

«Es ist das erste Mal, das sich bei der Ruine jemand verletzt, seit wir im Besitz der Ramschwag sind», sagt Eisenring, der in der Nähe aufwuchs und selbst Mauerreste und Abhänge rund um die Ruine erklomm. Allerdings löste sich vor drei Jahren ein Steinbrocken aus dem Gemäuer, just als sich zwei Spaziergänger in der Nähe aufhielten. Die Ursache war damals Regenwasser, das in das Gemäuer eingedrungen war und gefror. Als es taute, löste sich der Stein aus dem Mörtel. Ein Bericht attestierte der Ruine damals zwar einen guten Zustand, dennoch setzt Unkraut dem Gemäuer zu und auch das Fundament weist Schäden auf.

Um die Sicherheit der Besucher auch künftig zu gewährleisten, plant die Gemeinde eine ­Sanierung und holte eine erste Offerte ein. Deren Konzept sieht eine Gesamtsanierung vor. Diese geht der Gemeinde jedoch zu weit: «Wir wollen die Ruine ­sanieren, nicht vergolden», sagt Eisenring. Der Gemeindepräsident spricht von einer «sanften Sanierung» und einer «vernünftigen Lösung», welche allerdings nicht spruchreif sei. Sie soll das Bauwerk für die kommenden Jahrzehnte im jetzigen Zustand erhalten.

Von der Jasstrophäe zum Investitionsobjekt

Die Ruine ging 2013 – nach einer Jassrunde – für 35000 Franken in den Besitz der Gemeinde über. Dass sie nun für teures Geld saniert werden muss, stösst einigen Bürgern sauer auf. Eisenring hingegen betont: «Die Ruine ist kein Renditeobjekt, sondern ein Stück Geschichte, kein Steinhaufen, sondern das historische Erbe der Gemeinde.»

Die Burg wurde nach 1200 von den Herren Ramschwag erbaut. Das Rittergeschlecht ging eher unrühmlich, als Günstlinge der Habsburger, in die Geschichte ein. Später wurde die Festung von süddeutschen Adeligen bewohnt, die jedoch im 15. Jahrhundert ebenfalls weiterzogen, nachdem der südliche Burgteil in die Sitter stürzte. Auch ihnen wurde also der Steilhang zum Verhängnis. Ein Steilhang, der ursprünglich zum Schutz des Bauwerks und seiner Bewohner diente. Der Standort der Burg wurde nämlich sorgfältig gewählt: Im Norden und Westen ist sie durch Bachtobel und Sitter, im Osten durch Gräben geschützt.

 


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