Mobilfunk ja, aber emissionsarm und in vernünftigem Mass – fordert eine Petition der Grünen

Strahlung mindern statt verhindern

Die Grüne der Stadt St. Gallen lancieren eine Petition für «Intelligenten Mobilfunk». Sie fordern den Stadtrat auf, die Sendeleistung in einem Pilotprojekt gezielt zu reduzieren.
12. Juni 2008, 01:12
Katja Fischer

Claudia Buess-Willi und Hansueli Stettler stehen vor der fast 30 Meter hohen Mobilfunkanlage Guggeien-Höchst. Bedrohlich ragt der Mast, versehen mit etlichen Sendern und Empfängern, in den Himmel. Die Lüftung der Anlage dröhnt in den Wald hinein. Schilder warnen vor Höchstspannung.

Der Ort ist gut gewählt. Direkt neben einer der grössten Antennen der Stadt haben die Grünen gestern ihre Petition «Intelligenter Mobilfunk» lanciert. Denn für die Partei steht fest, dass die hochfrequente Mobilfunk-Strahlung zu gesundheitlichen Schäden an Mensch und Natur führt. Genügend Studien hätten dies bewiesen, sagt Claudia Buess-Willi. Es gelte einzugreifen, bevor die halbe Menschheit daran erkranke. «Vorsorge statt noch mehr (mobile) Versorgung», lautet der Slogan.

So viel Strahlung wie nötig

Es gehe nicht darum, den Mobilfunk zu verteufeln, betont die Stadtparlamentarierin. «Wir alle profitieren von dieser Technologie.» Die Petition verlangt lediglich ein vernünftigeres Mass. «Gleiche Leistung, aber mit massiv weniger Emissionen.» Dass dies kein frommer Wunsch sei, würden Beispiele aus dem Ausland zeigen. «In Tschechien gilt für die Mobilfunk-Strahlung ein Grenzwert von unter 10 Volt pro Meter. In der Schweiz sind es 42 bis 61 Volt pro Meter», erklärt Baubiologe Stettler. «Dabei funktionieren Handys selbst bei weniger als 0,06 Volt pro Meter tadellos.»

Pilotprojekt für die Stadt

Die Petition der Grünen möchte den Stadtrat deshalb auffordern, ein Pilotprojekt mit reduzierter Sendeleistung durchzuführen. Mit welchen Massnahmen dies realisiert werden könnte, erklärte gestern Stefan Zbornik. Der Thurgauer Mobilfunk-Experte arbeitet an einem grenzübergreifenden Pilotprojekt für einen gesundheitsverträglichen Mobilfunk in der Bodenseeregion. Für ihn ist es unverständlich, weshalb in der Schweiz drei Anbieter ein eigenes flächendeckendes Netz betreiben müssen. Ein gemeinsames Netz wäre ökologisch und ökonomisch sinnvoller, ist Zbornik überzeugt.

Antennen bei Nacht abschalten

Gute Resultate würde man auch mit der örtlichen Trennung von Sende- und Empfangsantennen erzielen. «In Spanien stehen die strahlungsintensiven Sender auf den Hügeln und nur die emissionsfreien Empfänger in den Wohngebieten», sagt Zbornik. Eine andere Alternative wäre, einzelne Antennen bei Nacht ganz abzuschalten oder generell nur noch den Outdoor-Empfang sicherzustellen. «Im Haus würde man dann nur über einen kleinen Empfänger und nur wenn man dies wünscht Mobilfunk empfangen», erklärt Zbornik.

Mobilfunkfreie Schulen

Die Mobilfunk-Petition der Grünen fordert zudem, dass sich die Bevölkerung künftig ein Bild über die Strahlenbelastung machen kann. Deshalb soll sich der Stadtrat für eine regelmässige Messung der Immissionswerte einsetzen und die Daten auf der städtischen Homepage publizieren. Ein weiterer Punkt betrifft die Aufklärung. Vor allem Schüler sollen gezielt über die Risiken des Mobilfunks informiert werden. Die Grünen möchten zudem alle städtischen Schulen zu mobilfunkfreien Zonen erklären.

Die Initianten rechnen mit 2000 bis 3000 Unterschriften bis Ende Herbst. Eine Petition hat jedoch, egal mit wie vielen Unterschriften, keine zwingenden politischen Folgen.


Leserkommentare

Anzeige: