Steiner-Schule im Aufwind

ST.GALLEN. Die Rudolf-Steiner-Schule feiert heute mit einem Festakt ihren 40. Geburtstag. Seit Bestehen schwankte die Schülerzahl zwischen 60 und 350. Was sich auch auf die Finanzen auswirkt.
02. April 2011, 11:01
Yvonne Bugmann

«Die Rudolf-Steiner-Schule gibt es, solange die Eltern sie wollen.» Das sagt Vorstandsmitglied Rose Aggeler, die selber 25 Jahre an der Rudolf-Steiner-Schule in St. Gallen unterrichtete. Die Schule erhält keinerlei Unterstützung der öffentlichen Hand und ist ganz auf die Beiträge der Eltern sowie von Gönnern angewiesen. Je mehr Kinder und Jugendliche die Einrichtung besuchen, desto besser geht es ihr.

Wunsch der Eltern

Die Bildungsstätte gibt es auch nur, weil Eltern sie wollten. Familien in der Stadt, welche die Waldorf-Schulen – wie die Rudolf-Steiner-Schule auch genannt wird – kannten, wünschten sich eine solche für St. Gallen. 1971 war es soweit: Die ersten Kinder wurden an der Zwinglistrasse unterrichtet. 1993 zügelte die Schule an ihren heutigen Standort an der Rorschacher Strasse 312.

Zwischen 60 und 350 Schüler

In den 70er- und 80er-Jahren erlebte die Steiner-Schule einen wahren Boom. Bis zu 350 Kinder und Jugendliche besuchten die Bildungsstätte. «Es herrschte eine andere Stimmung in Bezug auf Erziehung. Nicht die Matura, sondern die Persönlichkeitsentwicklung stand im Vordergrund», erinnert sich Rose Aggeler.

«Mit dem Aufkommen des einseitigen Leistungsdenkens waren wir nicht mehr erste Ansprechpartner», sagt Schulleiterin Elisabeth Anderegg. In der Folge sank die Schülerzahl. Vor wenigen Jahren erlebte die Schule ihren Tiefpunkt mit gerade noch 60 Schülern. «Jetzt wendet sich das Blatt langsam wieder», sagt Elisabeth Anderegg. Allein in den letzten paar Monaten konnten 20 Familien gewonnen werden; derzeit werden 95 Zöglinge unterrichtet.

«Finanziell sind wir immer am Anschlag», sagt Rose Aggeler. Obwohl die Schulkosten vom Einkommen der Eltern abhängig sind, sei die Schule im Vergleich zur Staatsschule teuer. Unter den Privatschulen sei sie aber die günstigste. «Das ist nur möglich, weil die Eltern Opfer bringen und die Lehrer auf vieles verzichten», sagt die ehemalige Lehrerin.

Philosophie überzeugt

Die Lehrkräfte unterrichten denn auch nicht des Geldes wegen, sondern aus Überzeugung an der Rudolf-Steiner-Schule. Ihnen entspricht die Philosophie des Unterrichts: «Wir wollen junge Menschen körperlich, seelisch und geistig so vielseitig fördern, dass sie die Chance haben, sich selbst zu entfalten und sich verantwortungsvoll in die Gesellschaft einbringen können», sagt Rose Aggeler.

Öffentlicher Festakt

Einblicke in das Schulleben und in die Ausbildung der Schüler erhalten heute Samstag auch Ehemalige, Freunde, Gönner und Interessierte am Festakt anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums. Der Festakt beginnt um 10 Uhr im Saal der Rudolf-Steiner-Schule. Um 12.15 Uhr pflanzen die Anwesenden gemeinsam einen Apfelbaum. «Er steht symbolisch für die Zukunft und das Wachstum», erklärt Schulleiterin Elisabeth Anderegg. Am Nachmittag werden verschiedene Workshops angeboten, etwa Aquarellmalen, Eurythmie oder Kristallographie.

Im Jubiläumsjahr sind zudem weitere Aktivitäten geplant. Höhepunkt ist das Chorprojekt «Die Zauberflöte», das im Mai von Schülern aufgeführt wird.


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