Selten wie ein Lottosechser

ST.GALLEN. Der Taxistand an der Lagerstrasse hinter dem Bahnhof wird wenig genutzt. Unter Chauffeuren gilt er als unattraktiv, wie eine Umfrage zeigt. Dort Fahrgäste zu finden sei reine Glückssache.

10. Dezember 2015, 07:40
ROGER BERHALTER

Heute ist die Taxi-Situation am Bahnhof in der Regel so: Auf der Südseite, am Bahnhofplatz, steht eine ganze Kolonne bereit, um Fahrgäste aufzunehmen. Hingegen verirrt sich kaum je ein Taxi an die Lagerstrasse zwischen Lokremise und Fachhochschule. Der Taxistand am Bahnhof Nord sei deshalb unnötig. Sinnvoller wäre es, wenn Privatautos dort anhalten dürften, um Zugpassagiere ein- oder abzuladen. So zumindest sagen es Kritiker, wenn es um das Halteverbot für Privatautos an der Lagerstrasse geht (Ausgabe vom 3. Dezember).

Keine Chance auf Umsatz

Eine Umfrage unter Taxiunternehmen zeigt: Tatsächlich gilt der Standplatz an der Lagerstrasse in der Branche als unattraktiv. Darin sind sich alle befragten Chauffeure einig. Die Taxifahrer bestätigen, dass sie kaum je an der Lagerstrasse nach Kunden suchen, sondern lieber am Bahnhofplatz warten, wo die Chance auf Umsatz viel grösser sei. «An der Lagerstrasse steigt nie jemand ein oder aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich dort Kunden aufladen kann, ist etwa so hoch wie die Chance auf einen Lottosechser», sagt Chauffeur Peter Urech von Taxi Pina. Wer am Bahnhof ankomme, gehe meist weiter auf den Bus, verlasse die Bahnhofunterführung also Richtung Süden. Der Bahnhof Nord sei deshalb ein schlechter Standplatz.

Taxifahrer verhalten sich pragmatisch: «Man geht dorthin, wo es Passagiere hat, und wo es keine Passagiere hat, geht man nicht hin», so formuliert es Iman Nahvi, Gründer von Taxi Frosch. Der Standplatz an der Lagerstrasse sei sehr unattraktiv, und er wisse von keinem Taxi-Frosch-Fahrer, der dort jeweils Passagiere finde. Nahvi ortet vor allem ein Kommunikationsproblem: «Es ist nicht gelungen, die Passagierströme Richtung Bahnhof Nord zu leiten. Es weiss niemand, dass es dort einen Taxistandplatz hat.»

Nur auf Bestellung

Dass der Taxistand an der Lagerstrasse zu wenig bekannt sei, das kritisieren alle befragten Chauffeure. «Die Leute wissen nichts davon. Der Standplatz sollte besser beschriftet sein, schon in der Bahnhofunterführung», sagt Daniel Mauch von Taxi Mauch. Er sei zwar fast täglich an der Lagerstrasse anzutreffen, meist aber auf Bestellung. Denn sonst müsse er dort bis zu einer Stunde warten.

Auch das ist typisch für den Taxistand am Bahnhof Nord: Die Chauffeure suchen ihn nur sehr gezielt auf. «Wenn ich dorthin bestellt werde. Oder wenn dort ein Reisebus ankommt, dessen Passagiere aufs Taxi umsteigen wollen», sagt Peter Urech von Taxi Pina. Oder allenfalls dann, wenn in der Lokremise nebenan eine Veranstaltung stattfinde und somit die Chance auf Fahrgäste am späteren Abend steige.

Bis jetzt nutzen vor allem Private (verbotenerweise) den Taxistand. «Ich musste schon mehrfach die Polizei rufen, weil Privatautos alles versperrten», sagt Chauffeur Daniel Mauch. Das mache den Standplatz ebenfalls nicht attraktiver.


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