Rätseln, raten, rauskommen

ST.GALLEN. Ein Zimmer voller Rätsel, eine Stunde Zeit und ein Ziel: Rauskommen. In vielen Schweizer Städten boomen sogenannte Live Escape Games. Jetzt gibt es auch in St.Gallen einen solchen Spielraum, in den man sich einsperren lassen kann.
15. August 2015, 14:33
MALOLO KESSLER

Noch 60 Minuten. Die Türe ist zu, im Raum ist es düster. Grauer Spannteppich, ein Tisch, eine Holztruhe. Vier Monitore, die vier Zimmer zeigen. Ein Stahlhelm. Und Lampen, an denen Gasmasken baumeln. Langsam gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit. Und der Countdown beginnt: Noch 59 Minuten und 20 Sekunden, um aus dem Raum im Geschäftshaus an der Multergasse 11 zu kommen. Noch 59 Minuten und 20 Sekunden, um das Spiel zu gewinnen.

Der perfekte Standort

Das Spiel ist ein sogenanntes Live Escape Game: Teilnehmer lassen sich in einen Raum sperren und haben eine Stunde Zeit, um diverse Rätsel zu lösen und sich so aus dem Raum – oder aus mehreren Räumen – zu befreien. Die Rätselräume boomen weltweit (siehe Zweittext). Seit Ende Juli hat nun auch die Stadt St.Gallen einen solchen.

Die Idee dazu stammt von Norbert Kiss. Der Ostschweizer stammt ursprünglich aus Ungarn, wo Rätselräume besonders verbreitet sind. Als er vergangenen Winter in Budapest Ferien machte, hat er dort einen solchen Raum besucht. «Und ich war begeistert, das hat so viel Spass gemacht.» So gründete er die Escape Company, mietete die leerstehenden Räume an der Multergasse und richtete dort gemeinsam mit erfahrenen ungarischen Rätselraumentwicklern und der Geschäftsführerin Klaudia Horvàthnè ein Spiel ein. «St.Gallen erschien uns als perfekter Standort», sagt Kiss. «Erstens natürlich, weil es das Zentrum der Ostschweiz ist, eine Studenten- und Touristenstadt. Ausserdem gab es so etwas hier noch nicht.» Sie seien überzeugt, dass das Angebot hier Anklang findet. Auch etwa als Teambildungsaktivität für Firmen: Es braucht mindestens zwei, höchstens sechs Spieler. «Und ohne Teamarbeit geht nichts», sagt Klaudia Horvàthnè.

Eine Stunde abschalten

Noch 42 Minuten und 16 Sekunden. Was hat es mit den farbigen Flüssigkeiten auf sich? Wo ist der Code versteckt, um die Türe zu öffnen? Wofür sind die Schutzbrillen? Und was ist in den Schubladen? Raum zwei, zig Fragen, die Zeit rast. Noch 39 Minuten. Dass es noch etwas anderes gibt, noch eine Welt ausserhalb dieses Raumes, geht vergessen. Das Hirn arbeitet in Höchstgeschwindigkeit, um die Hinweise zu kombinieren. Noch 37 Minuten und 53 Sekunden.

Das Schöne am Spiel sei, dass man für eine Stunde komplett abschalten könne, sagen Kiss und Horvàthnè. «Und es ist aufregend: Es ist ein seltsames Gefühl, einfach eingesperrt zu sein.» Passieren kann aber nichts: Die Teilnehmer werden ständig via Kameras überwacht. Kommen sie nicht weiter – und das Rätsel ist tatsächlich ziemlich knifflig –, bekommen sie über einen Bildschirm schriftliche Hinweise. «Wir haben das Spiel bewusst anspruchsvoll gestaltet», sagt Kiss. Es stehe denn auch nicht zwingend im Vordergrund, die Rätsel zu lösen und sich zu befreien. Es gehe um Spass, so sei das Spiel auch für Familien mit Kindern geeignet.

Derzeit kann an der Multergasse erst ein 60minütiges Rätsel gelöst werden. Von den 160 Quadratmetern, welche Norbert Kiss gemietet hat, stehen aber noch einige leer. Dort möchten die beiden noch weitere Live Escape Games einrichten. Denn sie sind überzeugt, dass die Idee auch in der Ostschweiz ankommt: «Alle, die hier waren, und alle unsere Testspieler waren begeistert.»

Der Countdown läuft . . .

Noch 11 Minuten und 5 Sekunden. Bilder an den Wänden, schummriges Licht, leise Musik. Ein Bildschirm, der nichts anzeigt, ein Codeschloss. Kurze Leere, dann Tatendrang. Und der Blick auf den Countdown, immer wieder. Noch 3 Minuten und 40 Sekunden. 39 Sekunden, 38 Sekunden – und die Tür geht auf.

Infos und Anmeldung zum Spiel: www.escapecompany.ch

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