Pop mit Bier am Weiher

Das vierte Weihern-Unplugged-Festival auf Dreilinden ging mit Wetterglück und 1800 Besuchern über die Bühne. Erstmals floss auch Alkohol, doch das merkte man kaum.
14. September 2015, 02:41
ROGER BERHALTER

Wer Rambazamba sucht, ist hier am falschen Ort. Am Samstagnachmittag gleicht das Gelände des Weihern Unplugged einem familiären Campingplatz. Picknickdecken liegen auf der Wiese, einige Besucher entspannen in Klappliegestühlen, andere sitzen an Tischen unter Sonnenschirmen. Vorne auf der Bühne singt die Luzerner Blueserin Vera Kaa gerade von der «Summertime». Fast schon kitschig, wie gleichzeitig die Abendsonne durch die Baumkronen am Weiher scheint. Nach mehreren verregneten Ausgaben hat das Weihern Unplugged diesmal Wetterglück. «S'isch chli chalt, aber s'schiffet nöd» – so bringt es der Sänger Martin O. bei seinem Auftritt augenzwinkernd auf den Punkt.

Ohne Zwischenfälle

Erstmals sind am Open Air im Familienbad auch Drinks, Wein und Bier zu haben. Nach drei alkoholfreien Ausgaben haben die Veranstalter für das vierte Mal eine Ausschankbewilligung bekommen. Das merkt man aber kaum. Die Sicherheitsleute am Wasser spazieren gemächlich die Absperrgitter entlang, die Sanität hat ebenfalls nichts zu tun – weit und breit ist kein Betrunkener zu sehen. Veranstalter Dario Aemisegger wird später bilanzieren: «Wir hatten keine sicherheitsrelevanten Vorkommnisse, keine Unfälle, keine Lärmklagen – einfach nichts.» Er habe «in lauter zufriedene Gesichter geblickt». Das passt auch zum Schriftzug «Guter Mensch», den Aemisegger auf jeden Festivalbändel hat drucken lassen.

Sologesang mit Bodybuilding

Bei aller Familien- und «Gutmenschen»-Idylle: Gegen Abend dreht das Unplugged-Festival jeweils auf. Schon am Freitag zeigt Martin O. ein witziges und beeindruckend präzises Konzert, allein mit Mikrophon und Loop-Gerät. Als Überraschung baut der Ostschweizer Künstler einen Basler Bodybuilder (!) in seine Show ein. Florian Wolf lässt die Muskeln spielen, Martin O. improvisiert dazu am Mikrophon. Die beiden hatten sich am Basler Zoll während einer Grenzkontrolle kennengelernt – und sich spontan für St. Gallen verabredet.

Auch am Samstagabend kommt die Festivalgemeinde in Stimmung, als Headliner James Gruntz mit seiner Band die Bühne betritt. Die fünf Musiker spielen ein herrlich unaufgeregtes Set. Der schlaksige Wuschelkopf Gruntz holt das Publikum nach ein paar Songs charmant nach vorn an den Bühnenrand, haut in die Saiten seiner Ukulele, überrascht mit Scatgesang, und seinem Radiohit «Heart Keeps Dancing» stellt er den Aufruf voran: «Hört auf euch selbst, tanzt nicht zur Trommel von jemand anderem, und lasst euch von niemandem etwas vormachen.»

Ins gleiche Horn stösst am Sonntagnachmittag Will Rendle, der Sänger der britischen Band Will and the People: «Kümmert euch nicht so sehr darum, was die andern von euch denken!» Mit poppigen Reggae-Rhythmen und vierstimmigen Chörli verbreiten die Briten gute Laune, und kurz nachdem sie ihren Hit «Lion in the Morning Sun» gesungen haben, bricht am Weiher die Sonne durch.

Neu schon am Donnerstag

Die Bilanz am Sonntagabend: 1800 Besucher (ein Drittel mehr als im Vorjahr), ein ausverkaufter Samstag mit 1000 Besuchern, schwarze Zahlen in der Buchhaltung des Veranstalters, keine Exzesse trotz Alkohol. Kein Wunder, sagt Organisator Dario Aemisegger: «Wir bleiben unserem Konzept treu.» Fortsetzung folgt also: Das nächste Weihern Unplugged findet neu von Donnerstag bis Samstag statt, vom 15. bis 17. September 2016.


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