Platztor harrt einer neuen Nutzung

Beim Platztor am Unteren Graben nahe der Altstadt soll ein zweiter Campus der Universität St. Gallen für circa 3000 Studierende entstehen. Im Moment wird das Projekt definiert.

25. Oktober 2016, 02:40
Daniel Wirth

Die Universität St. Gallen (HSG) platzt aus allen Nähten. Mit mehr als 8000 Studierenden aus über 80 Nationen und rund 2600 Mitarbeitenden hat die HSG akute Platznot. Die Pläne für einen zweiten Campus beim Platztor sind nicht neu. Ziemlich genau vor zwei Jahren stimmte das St. Galler Stadtparlament dem Verkauf von 6680 Quadratmetern Land am Unteren Graben am Rand der Altstadt an den Kanton zu. Der Preis für die rare innerstädtische Baureserve: 10 Millionen Franken. In den vergangenen zwei Jahren ist es aber ruhig geworden um die Ausbaupläne des Kantons und der Universität. Wo stehen die Planungsarbeiten gegenwärtig?

«Im Moment wird an der Projektdefinition gearbeitet», sagt Claudia Eugster, Mediensprecherin des kantonalen Baudepartements. Die St. Galler Regierung will die Projektdefinition voraussichtlich noch in diesem Jahr beraten, sagt Eugster. Sind die Pläne von der Regierung verabschiedet worden, werden sie in der Stadt öffentlich aufgelegt; das soll in der ersten Hälfte 2017 geschehen. Sobald die Pläne rechtskräftig bewilligt sind, wird das Baudepartement eine Vorlage zuhanden des Kantonsrates verfassen. Das parlamentarische Verfahren mit zwei Lesungen ist für das Jahr 2018 vorgesehen. Ob dieser Zeitplan eingehalten werden kann oder nicht, hängt im wesentlichen davon ab, wie viele Einsprachen im Planauflageverfahren eingehen und wie rasch diese erledigt werden können – mit Einigungsverhandlungen oder auf dem Rechtsweg. Stimmt der Kantonsrat dem Bauprojekt zu – davon ist auszugehen –, gelangt das Geschäft an die Urne.

140 Millionen Franken in der Investitionsplanung

In der Investitionsplanung haben Regierung und Kantonsrat für den Bau eines zweiten Campus' der Universität beim Platztor 140 Millionen Franken eingestellt. Gleichzeitig wird mit einem Bundesbeitrag von rund 40 Millionen Franken gerechnet. Das obligatorische Finanzreferendum liegt im Kanton St. Gallen bei 15 Millionen Franken. Der Kredit für den zweiten HSG-Campus beim Platztor dürfte etwa das Zehnfache davon betragen. Claudia Eugster rechnet mit einer kantonalen Volksabstimmung Ende 2018, «wenn alles rund läuft».

Wettbewerb erst nach dem Ja des Stimmvolks

Kommt das Geschäft auch beim Stimmvolk durch, findet in den Jahren 2018 und 2019 das Wettbewerbsverfahren statt. Nachdem die Jury ein Siegerprojekt erkoren hat, wird ein Bauprojekt erarbeitet. Claudia Eugster schätzt, dass das in den Jahren 2020 und 2021 passieren wird.

Das Bauprojekt wird erneut aufgelegt in einem Baubewilligungsverfahren, voraussichtlich 2022. Auch gegen das Bauprojekt können Einsprachen gemacht werden. Ist das Projekt bewilligt, können 2023 die Bauarbeiten ausgeschrieben werden.

Bis die ersten Bagger beim Platztor auffahren, wird es nach heutigem Ermessen der Fachleute im Baudepartement sicher 2024 werden. Für das Grossprojekt wird mit einer Bauzeit von rund drei Jahren gerechnet. Bis die ersten HSG-Studierenden auf dem zweiten Campus in der Nähe der Altstadt ausgebildet werden, dauert es noch mindestens zehn Jahre.

Die Universität St. Gallen wurde 1898, in der Hochblüte der Stickereiindustrie, im Museumsquartier als Handelsakademie gegründet und gehört heute zu den führenden Wirtschaftsuniversitäten Europas. Mit der geplanten Erweiterung am Platztor kehrt die HSG wieder zurück in die Innenstadt und entlastet damit den Campus. Die intensive Belegung von attraktiven Gebäuden an bester Wohnlage durch Institute der HSG war der Quartierentwicklung an den Hängen des Rosenbergs oft hinderlich. Die Universität wurde 1963 auf dem Rosenberg angesiedelt. Vorausgegangen war die Platznot der damaligen Handelshochschule im Museumsquartier.


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