«Motorenklang ist wie Musik»

Renate und Peter Hürlimann sammeln ihr Leben lang Oldtimer. Zudem organisieren sie die Oldtimermesse auf dem Olma-Gelände. Dort kann sich am Sonntag jeder in den Bann der Fahrzeuge ziehen lassen.
27. Oktober 2016, 02:40
Nina Rudnicki

Fast hundert Jahre alt ist der blaue Citroën, mit dem Peter Hürlimann auf den Vorplatz seines Hauses in Freidorf fährt. Die Luft erfüllt sich mit Benzingeruch. «Da muss man sich wieder einmal an die Feineinstellung des Motors machen», sagt Renate Hürlimann, während sie ihrem Mann zuschaut. Über Motoren und Autos wissen die beiden fast alles. Seit bald 40 Jahren sammeln und restaurieren sie Oldtimer. Seit zwölf Jahren organisieren sie ausserdem die Oldtimermesse auf dem Olma-Gelände. Am kommenden Sonntag ist es wieder so weit (siehe Kasten).

Ein Hobby fürs Leben

Dutzende Oldtimer – Autos, Motorräder und Rennboote – stehen in der Garage der Hürlimanns dicht aneinandergereiht. Ein grüner Morris Minor Woody aus dem Jahr 1958 ist beispielsweise darunter, ein Topolino und mehrere alte Formel-3-Rennwagen. Den Morris hat Renate Hürlimann früher als Alltagsauto genutzt. «Vollbepackt mit den Kindern und Einkaufstaschen bin ich damit durch die Region gefahren.» Der blaue Citroën aus dem Jahr 1924 hingegen ist weniger alltagstauglich. Er ist eine Einzelanfertigung, halb Rennauto und halb normales Auto. Die Firma Citroën hatte ihn einzig zu Werbezwecken gebaut. Das Auto sollte in den 1920er-Jahren Tausende Kilometer am Stück durch Europa fahren und die Zuschauer am Strassenrand begeistern.

Über jedes einzelne ihrer Autos könnten Renate und Peter Hürlimann ewig erzählen. Jedes hat eine eigene Geschichte. Mit einem fuhr einst Rennfahrer Sébastien Petit, ein weiteres war das Liebhaberobjekt eines alten Ehepaars und wieder ein anderes mussten die Hürlimanns über Jahre einem Bekannten abschwatzen. «Viele Verkäufer geben die Autos direkt an uns weiter, weil sie wissen, dass diese dann in guten Händen sind», sagt Peter Hürlimann. «Würden die Autos auf dem Markt gehandelt, könnten die Verkäufer wohl einen besseren Preis erzielen, sie wüssten dann aber nicht, was aus den Fahrzeugen wird.»

Ob nun Renate oder Peter Hürlimann mehr von Oldtimern angetan ist, lässt sich nicht so einfach festmachen. Denn schon bevor sie sich als 20-Jährige kennenlernten, waren beide Autos und Motoren verfallen. Renate Hürlimann schraubte als Jugendliche in ihrer Freizeit wann immer möglich an ihrem Töffli herum. Nach der Schulzeit arbeitete sie in einer Garage in Arbon. «Ich habe schon damals immer Hühnerhaut bekommen, wenn ein Auto startete», sagt sie. «Motorenklang ist für mich wie Musik.» So geht es auch Peter Hürlimann. Schon als Kind sammelte er Modellautos. Heute besitzt er über 4500. Als er als junger Mann sein erstes Auto restaurierte, einen BMW Isetta, war es definitiv um ihn geschehen. Fortan drehte sich sein ganzes Leben um Oldtimer. Passend dazu absolvierte er bei Saurer die Lehre als Maschinenmechaniker. Heute arbeitet der 59-Jährige in der Motorenentwicklung bei Iveco, im ehemaligen Saurer-Werk 1.

Per Oldtimer zur Messe

In ihre Leidenschaft stecken die Hürlimanns alles: ihr Erspartes, ihre Freizeit und ihre Ferien. Mit Erfolg. In der Oldtimer-Szene haben sie sich längst einen Namen gemacht, etwa mit dem Oldtimertreffen Vaduz, das sie seit sechs Jahren organisieren. Auch die Oldtimermesse auf dem Olma-Areal ist stets gewachsen. Mieteten die Hürlimanns im ersten Jahr eine halbe Halle, benötigen sie aktuell deren drei. Nebst den Autos der Aussteller werden in der Arena auch die Oldtimer von Besuchern zu sehen sein. Renate Hürlimann sagt: «Für viele ist es ein absolutes Muss, im eigenen Oldtimer anzureisen.»


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