Leidend, lässig und ziemlich schnell

Am Wochenende fand in St.Gallen die schweizerisch-deutsche Velokurier-Meisterschaft statt. Dabei massen sich die meist gutgelaunten und oft auffällig gekleideten Velokuriere in schweisstreibenden Kategorien und feierten die Strapazen in ausgelassener Velokurier-Manier.
07. September 2015, 09:28
KATHRIN REIMANN

«Ach Kacke, es geht noch weiter bergauf!», war der keuchende Ausruf des ersten Velokuriers, der am Samstag die steile Berg-Sprintstrecke vom Linsebühl nach Dreilinden hochfuhr. Dabei starteten die meisten lässig, einige fuhren mit einer selbstgedrehten Zigarette im Mundwinkel, andere mit einem Handy am Ohr los. Die Meisterschaftsstimmung der Velokuriere gründete auch eher auf Coolness, Spass und Freude, denn auf knallhartem Konkurrenzkampf. Dennoch machte der Anstieg vielen zu schaffen, verfügt doch nicht jede Stadt über solche Hügel. Zudem kämpften sich die Kuriere in ihren kurzen Hosen, bunten Kniesocken und ausgefallenen Outfits meist mit einem Velo mit nur einem Gang nach Drei Weieren hoch. Angespornt von einer Handvoll Zuschauer, die trotz Nieselregen die vorwiegend männlichen Bergsprinter anfeuerten, gelangten sie alle ins Ziel. Wenn auch mit der einen oder anderen Pause dazwischen.

Coolness, Spass und Freude: Das gehört bei den Meisterschaften der Velokuriere dazu. Am Wochenende schlängelten sich die rasenden Velofahrer aus Deutschland und der Schweiz durch St.Gallens Gassen und kämpften sich im Bergsprint vom Linsebühl nach Dreilinden hinauf. (Bilder: Ralph Ribi)

Akrobatische Höchstleistungen

Später, nachdem es kurzzeitig wie aus Kübeln geschüttet hatte, massen sich die Kuriere auf dem Güterbahnhof zu lauten Hip-Hop-Beats in verschiedenen Kategorien. Etwa dem Trackstand, bei dem an Ort und Stelle balanciert werden musste, dem Skid, der eine lange Bremsspur erforderte, und dem Goldsprint, bei dem auf der Rolle gefahren wurde. Dabei zeigten die Kuriere akrobatische Höchstleistungen, Körperspannung wie aus dem Lehrbuch oder powerten sich extrem aus. Dabei wurden Misserfolge ebenso wie Erfolge beklatscht. Und im Anschluss in Kurier-Manier gehörig gefeiert.

Am Samstag ging dann das Hauptrennen über die Bühne. Dabei mussten die Velokuriere aus allen Kantonen und dem Ausland verschiedene Checkpoints anfahren und Fracht aufnehmen oder abgeben. Erschwert wurde dies, indem die Strecke aus Einbahnstrassen bestand. Wer einen Checkpoint verpasste, musste eine Extrarunde drehen, was ziemlich vielen Teilnehmern auch passierte.

Berühmt-berüchtigte Treppe

Von 120 Fahrerinnen und Fahrern qualifizierten sich 80 für den Final. Dieser startete auf dem Pic-o-Pello-Platz und führte die Fahrer während drei Stunden durch und rund um die Altstadt. Integriert war auch ein Aufstieg über eine der berühmt-berüchtigten Treppen zur Felsenbrücke, die manchen Fahrer an seine Grenze brachte. Doch die Kuriere nahmen's mit Humor und liessen sich von gutgelaunten Helfern mit Bier und Schnaps bewirten. Und auch wenn man sich nicht immer wie an einer Meisterschaft fühlte, waren gewisse Kuriere blitzschnell: Bei den Männern siegte Remy Vuillemin vom Zürcher Velo Blitz, Jakob Benz schaffte es als bester St. Galler auf den neunten Platz.


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