Köchin des Jahres in Festlaune

LÖMMENSCHWIL ⋅ Seit fünf Jahren begeistert Bernadette Lisibach die Gäste in der «Neuen Blumenau». Damit schreibt sie die erstaunliche Geschichte eines Genussorts abseits der Metropolen weiter.
22. Februar 2017, 06:45
Beda Hanimann

Beda Hanimann

beda.hanimann

@tagblatt.ch

Ihre Herkunft kann Bernadette Lisibach nicht verleugnen. Will sie auch gar nicht. Die Bauerntochter aus dem Luzernischen tischt in Lömmenschwil Schwyzer Käsesuppe und Luzerner Kügelipastete auf. Und sie bringt alte Gemüse wunderbar auf den Teller, Randen, Rosenkohl, Pastinaken, Lauch, Federkohl, gelbe Erbsen. Neu erfinden könne man das Essen nicht, hat sie einmal gesagt. Den Genuss aber schafft sie mit jedem Teller von Neuem. Mit Einfällen, Präzision und jeder Menge Leidenschaft, wie der Gourmetführer Gault-Millau vor gut zwei Jahren schrieb, als er sie zur Köchin des Jahres krönte.

Seit fünf Jahren kocht Bernadette Lisibach nun in der «Neuen Blumenau». Die Zeit sei rasch vergangen, findet die 16-Punkte-Köchin. Auch deshalb, weil so viel geschehen sei – mit der Kür zur Köchin des Jahres als Höhepunkt. «Das war eine Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein», sagt sie. Und fügt mit ihrer bodenständigen Lockerheit an: Der Titel ändere nichts daran, dass man die Arbeit selber machen und weiterhin jeden Gast jeden Tag von Neuem zufriedenstellen müsse.

Von Ruedi Brander zu Bernadette Lisibach

Damit schreibt Bernadette Lisibach die erstaunliche Geschichte eines Restaurants weiter, das abseits der Metropolen seit Jahrzehnten ein Fixpunkt für Feinschmecker ist. In den 80er-Jahren begründete Ruedi Brander den Ruhm des Hauses, er nannte es «Branders Culinarium», wurde auch schon mal als «Frédy Girardet der Ostschweiz» bezeichnet. Auf ihn folgte Pilzpapst Thuri Maag. «Eine Art Ostschweizer Pendant zum Chrüter-Oski im Westen», schrieb der «Gault-Millau» und hielt fest: «‹Thuri’s Blumenau› ist Kult.» Das konnte allerdings nicht verhindern, dass Maag durch persönliche Probleme und die widrige Wirtschaftslage in den Konkurs getrieben wurde. Das war die Stunde des Zürcher IT-Unternehmers und «Blumenau»-Stammgastes Felix Bertschinger. Der kaufte kurzerhand sein Lieblingslokal. Als er sich nach einigen Jahren von Maag trennte, hatte er eine faszinierende Idee. Den guten Namen, den Brander und Maag erarbeitet hatten, müsse man ausnutzen, fand er. «Ich wollte das Restaurant zu einer Plattform machen für junge, aufstrebende Köche, die bisher im Schatten ihrer Chefs und Vorbilder gestanden haben», erklärt Bertschinger. Auf seine Ausschreibung habe er 13 hochkarätige Bewerbungen bekommen, darunter auch jene von Nenad Mlinarevic.

Bertschinger war augenblicklich angetan vom jungen Zürcher, der seine Ferien jeweils genutzt hatte, um Spitzenköchen über die Schulter zu blicken. Mlinarevic wurde 2010 auf Anhieb Entdeckung des Jahres, bekam einen Michelin-Stern und gewann das Gäste-Ranking «Best of Swiss Gastro». Logisch, dass man auch anderswo auf ihn aufmerksam wurde. Als er ein Angebot vom Parkhotel Vitznau bekam, ermunterte Bertschinger ihn, zuzugreifen. «Das war ja die Idee meines Konzepts», sagt er.

Ein gutes Händchen bei Wirtewechseln

Für Bertschinger allerdings bedeutete das: «Ich stand wieder da mit einem schönen Restaurant, aber ohne Küchenchef.» Da drehte er weiter an seinem Konzept: «Ich wollte nun jemandem die Chance geben, zu guten Bedingungen einen eigenen Betrieb zu führen.» Denn ein Restaurant auf diesem Niveau, das gehe nicht ohne Götti oder Sponsor, sagt er. Er fand die ideale Besetzung in Bernadette Lisibach, die zuvor bei Daniel Bumann und im «The K» in St. Moritz gearbeitet hatte. «Ich hatte immer ein gutes Händchen, dank Menschenkenntnis und Glück», sagt Bertschinger. Ein Drittes kommt wohl dazu: Als Geniesser lässt er die Köche sich entfalten. «Diese Beiz ist mein Hobby», sagt er.


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