Keine Deponie im Naturparadies

GEPLANTER DEPONIESTANDORT ⋅ Seit einigen Jahren wird darüber diskutiert, im Steinachtobel eine Aushubdeponie einzurichten. Dies als Nachfolgelösung fürs Tüfentobel. Das Projekt stösst auf Kritik. Jetzt ist ein Entscheid dagegen gefallen.
20. April 2017, 05:18
Reto Voneschen
«Das Steinachtobel ist gerettet!»: Dieser Freudenruf kursiert unter Naturfreunden in Stadt und Region. Der Kanton habe entschieden, die Naturlandschaft im Osten St. Gallens bei der Suche nach einem neuen Standort für eine Aushubdeponie auszuklammern. Und: Die Quelle für die gute Nachricht sei eine sichere, wird von mehreren Gesprächspartnern nachgeschoben. Offen in der Zeitung zitieren lassen will sich aber niemand.

Wenn man der Neuigkeit nachgeht, wird rasch klar, dass in Sachen Steinachtobel tatsächlich etwas entschieden wurde. Was konkret das ist, ob die ganze Naturlandschaft oder nur besonders wertvolle Teile davon bei der Deponieplanung aus Abschied und Traktanden fallen, war gestern aber nicht in Erfahrung zu bringen. Kanton und Stadt halten sich in der Angelegenheit bedeckt.

Es sei so, dass man nach den Frühlingsferien zum Deponiestandort Steinachtobel kommunizieren werde, heisst es auf Anfrage beim kantonalen Baudepartement. Da noch Abklärungen getätigt würden, könne man dazu derzeit keine Stellung nehmen. Bei der Stadt wird bezüglich Kommunikation zum Deponieentscheid auf den federführenden Kanton verwiesen.

Naturschutzverein ist «hocherfreut»

Auch Robert Schmid hat vom Entscheid gehört. Er sei gespannt auf die Details, sagte der Präsident des Naturschutzvereins Stadt St. Gallen und Umgebung (NVS) gestern auf Anfrage. Wenn es stimme, dass das Steinach­tobel bei der laufenden Deponieplanung vom Tisch sei, sei der NVS darüber hocherfreut. Für den lokalen Naturschutzve­rein sei von Anfang an klar gewesen, dass man «so ein Naturparadies wie dieses Tobel» nicht aufschütten dürfe, sagt Schmid. Man habe viel Herzblut und Arbeit investiert, um auch die Behörden davon zu überzeugen. Dass die Bemühungen jetzt belohnt werden, freut Robert Schmid.

Der NVS zog bei seiner Opposition gegen die Deponiepläne im Steinachtobel am gleichen Strick wie die Umweltverbände Pro Natura und WWF, er ging dafür aber einen eigenen Weg. Dies, nachdem die Basis an einer Mitgliederversammlung ausdrücklich beschlossen hatte, dass der Ve­r­ein sich aktiv gegen eine Grossdeponie in der stadtnahen Naturlandschaft engagieren solle. Die Mitglieder verabschiedeten in der Folge auch eine Resolution gegen die Deponiepläne. Führungen, eine Sondernummer der «St. Galler Naturschutz-Nachrichten» und Gespräche mit den Stadtbehörden folgten.

Viel Skepsis, Kritik und offene Ablehnung

Die lokalen Naturschützer waren nicht die Einzigen, die Opposition, Kritik oder Skepsis gegen den Deponiestandort Steinachtobel signalisiert hatten. Schon früh waren auch Pro Natura und WWF öffentlich gegen diese Aushubdeponie auf die Barrikaden gegangen. Öko-Fachleute hatten darauf hingewiesen, dass es im Steinachtobel äusserst wertvolle, weitgehend ungestörte Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere gebe. Unter anderem seien hier immer noch Uhu, Mittelspecht oder Pirol unterwegs.

Skepsis bis Ablehnung gab’s auch in Steinach, Mörschwil und Wittenbach. St. Gallen wolle sich zwar bei einem positiven Entscheid des Kantons fürs Steinachtobel am Projekt beteiligen, am liebsten wäre es der Stadt aber, das Tobel bliebe grün, liess der Stadtrat in einer Antwort auf einen Vorstoss aus dem Parlament verlauten.

Wie weiter mit der Deponieplanung?

Offenbar haben Skepsis, Kritik und Opposition Wirkung gezeigt und die auch vorhandenen Qualitäten des Standortes Steinachtobel (etwa die zentrale Lage und die gut mögliche Verkehrsanbindung) überwogen. Gespannt darf man auf die Information durch die Behörden sein. Zum einen, was die Details zum Steinach­tobel angeht, zum anderen aber auch, wie es bei der Deponieplanung weitergehen soll. Unbestritten ist nämlich, dass es bei der herrschenden regen Bautätigkeit in der Region in absehbarer Zeit eine neue Aushubdeponie brauchen wird. Nämlich dann, wenn das Tüfentobel voll ist.


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