Grünabfuhr macht skeptisch

ENTSORGUNG ⋅ In zwei Wochen startet die Grünabfuhr in der Stadt. Bis jetzt machen vor allem Einfamilienhaus- Besitzer mit. Die Eigentümer von Mehrfamilienhäusern sind hingegen noch zurückhaltend.
23. Dezember 2016, 06:59
Roger Berhalter

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@tagblatt.ch

Die St. Galler Grünabfuhr ist in den Startlöchern: Am 2. Januar fährt das neue Entsorgungsfahrzeug zum ersten Mal durch die Stadt und sammelt die ersten Container ein. Wer ein entsprechendes Abo gelöst hat, kann künftig seine Küchen- und Gartenabfälle wöchentlich abholen lassen (siehe Infokasten).

1600 Grüngut-Abos wollte die Stadt eigentlich bis Ende 2016 verkaufen. Doch bis jetzt sind es laut Projektleiter Christian Helbig von Entsorgung St. Gallen erst gut 750 Abos. Rein rechnerisch könnte man also sagen: Das Ziel wurde nicht einmal zur Hälfte erreicht. Doch Helbig relativiert die Zahlen. Für sich allein betrachtet seien sie nicht entscheidend. Er zieht eine positive Zwischen­bilanz: «Der Aboverkauf läuft gut, wir sind zufrieden und erwarten auf den Frühling hin noch viele Abo-Anmeldungen.» Helbig betont, die Einführung der Grün­abfuhr sei ein Fünfjahres-Projekt. «Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass die Nachfrage im zweiten Jahr jeweils noch einmal stark steigt.»

Bis jetzt haben sich vor allem Einfamilienhausbesitzer angemeldet. Die Liegenschaften­verwalter und Wohneigentümer-Gemeinschaften hingegen lassen sich laut Helbig noch Zeit, was aber nicht überrasche. «Das sind längere Prozesse, weil mehrere Beteiligte involviert sind. Ein einzelner Hausbesitzer kann sich schneller entscheiden.»

Ein Container lädt auch zum Missbrauch ein

Eine Umfrage unter Liegenschaftenverwaltungen in der Stadt zeigt, dass bezüglich der Grünabfuhr noch Skepsis und ­Zurückhaltung herrschen. Der Handlungsbedarf scheint nicht allzu gross zu sein, da sich die meisten Mehrfamilienhaus-Besitzer schon anders arrangiert ­haben. Entweder entsorgt der Hauswart das Grüngut selber, oder man arbeitet mit einer Gartenbau-Firma zusammen.

«Die Grüngutabfuhr ist sicher eine gute Möglichkeit der Ent­sorgung», sagt Samuel Berger von Furter & Furter in St. Gallen. Bis jetzt habe man aber noch keine Container bestellt. Aktuell be­stehe kein Bedarf, im Gegenteil: Erst kürzlich habe man bei mehreren Liegenschaften neue Komposte installiert.

Katrin Rusch, Geschäftsführerin der St. Galler Immo-Treuhand AG, befürchtet, dass neben Küchen- und Gartenabfällen auch noch andere Materialien in den Sammelbehältern landen könnten. Jedenfalls habe sie solche Rückmeldungen von Liegenschaftsbesitzern und Hauswarten bekommen. «Wir spüren eine gewisse Zurückhaltung. Viele Eigentümer sprechen sich gegen eine Grünabfuhr aus oder warten erst einmal ab.» Bei ähnlichen Projekten habe man mit schwarzen Schafen unter den Mietern schlechte Erfahrungen gemacht. Daher auch die Befürchtung, dass die neuen Grüngut-Container mehr kosten als nützen.

Wie auch immer sich die Grünabfuhr entwickelt: Die Infrastruktur ist bereit. Marco Sonderegger, Leiter von Entsorgung St. Gallen, betont, dass die Abfuhr ein «flexibles System» sei und sich an die Zahl der Nutzer anpassen könne. Derzeit sei erst eines von zwei Entsorgungs­fahrzeugen beschafft, und erst zwei Mitarbeiter (von dereinst sechs) seien zusätzlich eingestellt worden. Auch Sonderegger geht davon aus, dass noch weitere Grüngut-Abos gelöst werden. Bei der Kehrichtabfuhr arbeite man schon seit 40 Jahren mit einem Gebührenmodell und könne die Abfallmengen mittlerweile gut planen. Die Grüngutabfuhr hingegen sei eine neue Dienstleistung: «Wir stecken damit noch in den Kinderschuhen und müssen jetzt Erfahrungen sammeln.»

www.grüngutbesser.ch


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