Fans geben ihren Senf dazu

ST.GALLEN. Die Fussballszene hat ein neues Sprachrohr: Das Fanmagazin «Senf». Nach langer Geheimniskrämerei wurde dieses am Donnerstagabend im FCSG-Fanlokal vorgestellt. Mit Bratwürsten und prominenten Vernissage-Gästen.
01. Februar 2014, 02:46
SARAH SCHMALZ

Das Fanlokal des FC St.Gallen ist bumsvoll, als sich Jeff Saibene und sein Assistenztrainer Daniel Tarone einen Weg durchs Publikum bahnen und erst einmal im Hinterzimmer verschwinden. Die Stimmung der Fussballbegeisterten ist gelöst. Eine vielversprechende Rückrunde steht bevor; und der Donnerstagabend hält ein Novum bereit, das den Medien verklausuliert angekündigt, den eingefleischten Anhängern aber längst bekannt ist: Der FC erhält ein Fanmagazin namens «Senf».

Senf und Bratwurst

«Brodworscht mit Senf» hatte es auf der Einladung zum Anlass lapidar geheissen. Was zwar irreführend war, aber keineswegs falsch: Weil im Fanlokal jeder, der sich ein «Senf» kauft, eine Bratwurst dazu erhält. «Wer aber dachte, wir St.Galler hätten etwas von den Zürchern gelernt, der irrte», eröffnet Bruno Zanvit seine Begrüssungsrede.

Der Espenblöcker gehört zu den 15 Kollektivisten, welche die erste «Senf»-Ausgabe (Kasten) während des vergangenen Jahres auf den Weg gebracht haben. Die Fussballfans haben vom Layout bis zum Texten alles selbst in die Hand genommen. Ihr Magazin soll eine Ergänzung sein zur Berichterstattung rund um den FC St.Gallen: Den Zeitungsberichten, «die meist auf das sportliche Geschehen fokussieren». Und den Blogs, «welche die Fankultur hochleben lassen und darüber manchmal fast den Fussball vergessen». In ihrem Fussballmagazin wollen die Anhänger des FC St.Gallen beides verbinden: den Sport und die Fankultur. Immer aus der Optik der Anhänger.

Erfolg als Motor

Die Idee, ein Fanmagazin zu lancieren, sei seit langem in ihren Köpfen rumgespukt, sagt Mitinitiant Ruben Schönenberger. Der aktuelle Höhenflug ihres Clubs sei dann wohl der Motor für die Umsetzung gewesen.

Dass die Fans den einst heftig kritisierten Trainer massgeblich am Erfolg beteiligt sehen, ist im Fanlokal zu spüren. Auf der Bühne wird Jeff Saibene vielleicht nicht gerade ehrfürchtig, aber zumindest mit grosser Achtung zu seinem internationalen Abenteuer befragt.

Der Trainer plaudert aus dem Nähkästchen. Erzählt etwa von Swansea-Fans, die ihm auf Facebook Freundschaftsanfragen geschickt hätten – mit der Beteuerung, die St.Galler Fussballanhänger seien die «best fans ever».

Man glaubt Saibene, wenn er sagt, dass die Unterstützung der Kurve bisweilen Gänsehaut auslöse. Bis er diesen Club verlasse, müsse einiges passieren, gibt der Trainer zu Protokoll. Und formuliert auf Nachfrage einen Traum, der eigentlich so gar nicht zum zurückhaltenden Luxemburger passt: «Ich will in der AFG Arena Champions-League-Musik hören.» Und was erhofft sich Saibene vom Fanmagazin? Dass es sich grundsätzlich für den FC St.Gallen einsetze, aber dennoch kritisch über die sportliche Leistung berichte, lautet die Antwort.

«Yes, da hani no!»

Kollektivmitglied Fabian Rietmann betont, man wolle möglichst unabhängig berichten. So seien denn auch Mitglieder der verschiedensten Fanclubs im Team. Zweimal im Jahr soll «Senf» vorerst erscheinen: Mehr ist bei einem ehrenamtlich arbeitenden Kollektiv erstmal nicht möglich.

Das Magazin ist sowohl im Fanlokal als auch an den Stadionkassen erhältlich, für zehn Franken. «Yes, da hani grad no!», tönt es am Donnerstagabend von einem erleichterten jungen Fussballanhänger.


Leserkommentare

Anzeige: