Fahrverbot stoppt Elterntaxis in Wittenbach

SCHULWEG ⋅ Um spielende Kinder zu schützen, herrscht vor dem Schulhaus Steig in Wittenbach neu Fahrverbot während der Schulzeiten. Auch an anderen Schulen sind Elterntaxis Thema.
05. Mai 2017, 17:02
Noemi Heule

Noemi Heule

noemi.heule@tagblatt.ch

Eigentlich wollen sie ihre Kinder in Sicherheit wiegen. Eltern, die ihren Nachwuchs mit dem Auto zur Schule chauffieren, gefährden aber mitunter andere Kinder, die nach Schulschluss in alle Richtungen ausscheren. Den sogenannten Elterntaxis schiebt Wittenbach jetzt einen Riegel – mit einem temporären Fahrverbot. Seit den Frühlingsferien bleibt die untere Steigstrasse unter der Woche von 7 bis 17 Uhr gesperrt. Wer sich nicht an das Fahrverbot hält, riskiert eine Busse.

«Die Situation war nicht mehr tragbar», sagt Schulratspräsidentin Ruth Keller. Vor allem an Regentagen bog eine Autokolonne in die Sackgasse vor das Schulhaus ein. Schulleiter Damian Herzog spricht von gefährlichen Bildern: Autos, aus denen Kinder stiegen, andere, die in der Sackgasse im Rückwärtsgang wendeten. Rundherum spielende Kinder zu Fuss, auf Velos oder Trottinetts. Und mittendrin der Schulbus, der jene Kinder transportiert, die tatsächlich zu weit weg wohnen, um den Weg unter die Füsse zu nehmen. Mit diesem Tohuwabohu ist jetzt Schluss. «Wir mussten reagieren, bevor etwas passiert», sagt Herzog.
 

Bewegungsdrang ausleben, Verkehr einschätzen

Nebst dem Aspekt der Sicherheit führt Ruth Keller pädagogische Gründe an: «Der Schulweg ist für die Kinder auch ein Erlebnisweg.» Die Kinder sollten ihren Bewegungsdrang ausleben, bevor sie am Schulpult wieder ruhig sitzen müssten, sagt sie. Und: «Die Kinder wachsen am Schulweg.» Sie lernten Selbstständigkeit und Verkehrskompetenz. Jene Eltern, die ihrem Kind den Weg nicht allein zumuteten, sollten es möglichst zu Fuss begleiten. «Die Teilnahme am Strassenverkehr beginnt an der Hand der Eltern», heisst es denn auch in einer Mitteilung der Schule.

Auch andere Schulhäuser kennen das Problem. Massnahmen sind aber derzeit keine geplant. «Elterntaxis sind immer wieder ein Thema, das wir proaktiv angehen», sagt Ruth Gerig, Schulleiterin im Ebnet in Abtwil. An Elternabenden werde darauf aufmerksam gemacht, dass ein Fahrdienst nicht erwünscht sei. Weitere Schritte seien nicht nötig, zumal auf dem letzten Wegstück zum Schulhaus ohnehin Fahrverbot herrsche. In Mörsch­wil hat sich die Situation in den letzten Jahren gar etwas verbessert. «Seit wir den Schulbus eingeführt haben, fahren weniger Eltern vor», sagt Schulleiter Emil Wick. Da es unübersichtlich sei auf der Schulstrasse, parkierten die Eltern ohnehin mit etwas Abstand zur Primarschule. «Wir können den Eltern nicht vorschreiben, wie sie den Schulweg ihrer Kinder gestalten sollen», sagt Wick. Auch er betont aber den Erlebnischarakter des Schulweges, wo spannende Entdeckungen auf die Kinder warten.

Kein Thema sind Elterntaxis in Häggenschwil: «Das kennen wir glücklicherweise nicht», sagt Schulleiterin Maya Boppart. Auch Eltern, die in den Weilern rund um das Dorf wohnen, hätten sich anderweitig organisiert. Etwa mit Fahrgemeinschaften. «Das letzte Wegstück aber gehen die Kinder allesamt zu Fuss.»
 

Unbelehrbare Eltern verlagern Problem

Im Wittenbacher Schulhaus Steig zieht Schulleiter Damian Herzog nach zehn Tagen eine positive Zwischenbilanz: «Die Eltern haben sich das Fahrverbot zu Herzen genommen.» Nicht alle aber wollen ganz auf den Taxidienst verzichten. Das Problem droht sich auf die Erlackerstrasse vor Einfahrt in die Steigstrasse zu verlagern. Dort, wo momentan Baustellenbetrieb herrscht, laden einige Eltern neuerdings ihren Nachwuchs ab. Immerhin, die letzten Meter müssen auch sie zu Fuss zurücklegen.

 


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