Es gibt doch einen Interessenten

ST.GALLEN ⋅ Die Stadt hat in einer Postulatsantwort mitgeteilt, dass eine Gasförderung im Bohrloch Sittertobel wirtschaftlich nicht sinnvoll sei und zudem Investoren fehlten. Beiden Aussagen widerspricht nun die Schweizerische Erdöl AG.
28. April 2016, 07:08
ELISABETH REISP

ST.GALLEN. Es gebe keine Interessenten für die Erdgasförderung im Sittertobel – so antwortet jedenfalls der Stadtrat auf das Postulat «Erdgaschancen nicht verpassen». Wohl seien die Interessen potenzieller Investoren geprüft worden, aber keiner habe Interesse gezeigt respektive hätten zwei potenzielle Partner nach weiteren Gesprächen abgesagt. «Niemand sieht derzeit eine Chance auf eine wirtschaftliche Gasförderung», sagte Peter Jans in einem kürzlich geführten Interview.

Seag fühlt sich ausgegrenzt

Allerdings gibt es sehr wohl einen Interessenten. Die Schweizerische Erdöl AG, kurz Seag, hat nach wie vor Interesse, als Partner der Stadt das Erdgas aus dem Bohrloch zu fördern. «Wir wurden jedoch nicht angefragt», sagt Conrad Frey, Geschäftsführer der Seag. Auch sonst werde die Seag auf Distanz gehalten. Etwa was die Einsicht in die Bohrloch-Daten betreffe. Auf diese habe die Seag gemäss mündlicher Vereinbarung aber ein Anrecht, sagt Frey. Die Seag habe damals ihre geologischen Daten der Stadt zur Verfügung gestellt. Aufgrund dieser erstellte die Stadt eine Machbarkeitsstudie für ihr Projekt im Sittertobel. Im Gegenzug sollen die Parteien vereinbart haben, dass die Seag die von der Stadt gewonnenen Daten erhalten. «Die Einsicht der Daten wird uns aber ohne Begründung verweigert», sagt Frey, «trotz anders lautender mündlicher Abmachungen.» Ein schriftlicher Vertrag sei aufgesetzt, seitens der Stadt aber nie unterzeichnet worden. Aus der Presse habe die Seag nun erfahren müssen, dass die Stadt diese Daten potenziellen Investoren zur Verfügung gestellt habe. Gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz und auf die mündliche Vereinbarung kämpft die Seag um Akteneinsicht.

Genügend Gas vorhanden

Des weiteren seien die Experten der Seag überzeugt, dass genügend Erdgas vorhanden ist, um dieses zu fördern. Mehr noch: «Unsere Experten sagen, dass dort mehr Erdgas im Boden sein könnte, als die Stadt vermutet.» Eine Langzeitstudie zur Erdgasförderung im Sittertobel könne kostendeckend gemacht werden.

Stadt will Rechte nicht abgeben

Zu den Vorwürfen Stellung nehmen muss nun Stadtrat Peter Jans, Direktor Technische Betriebe und erst seit einem Jahr im Amt. Vieles ist vor seiner Zeit passiert. Tatsächlich sei aber ein Vertrag über das Aushändigen der Bohrloch-Daten nie zustande gekommen, sagt Jans. «Stadt und Seag konnten sich über die Bedingungen der Aushändigung nicht einigen. «Die Stadt wollte vermeiden, dass die Seag mit den Daten beim Kanton ein Gesuch um die Schürfkonzession einreicht und mit Erhalt derselben die alleinige Hoheit über das Bohrloch im Sittertobel hätte.»

Ein solches Gesuch ist derzeit beim Kanton hängig und wegen Unvollständigkeit – es fehlen die Daten zum Bohrloch – nicht behandelt worden. Die Stadt will sich gemäss Jans nicht an einen Monopolisten binden und auch in Zukunft über eine Exploration im Sittertobel mitreden können – «und natürlich muss die Stadt auch am Gewinn beteiligt werden».

Zusammenarbeit wäre möglich

Zum Interesse der Seag an einer Erdgasförderung sagt Jans: «Mir ist nicht bekannt, dass die Seag die Kosten für eine Langzeitstudie übernehmen würde, auch lag nie ein entsprechendes Angebot vor.» Jans will aber keine Türen zuschlagen, im Gegenteil: «Wenn jemand die 6,5 Millionen für eine Langzeitstudie aufbringt und man sich über Sicherheitsmassnahmen und über die Aufteilung eines allfälligen Gewinns einigen kann, ist es noch nicht zu spät.» Das Loch werde ja nicht sofort zugeschüttet.


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