Eine Insel für den Bodensee

Kommende Woche beginnt der Konzeptwettbewerb für die Expo Ostschweiz. In diesen schaltet sich auch der St. Galler Bauökologe Hansueli Stettler ein. Ihm schwebt eine schwimmende Insel im Bodensee vor. Sie soll die Expo überdauern.
03. Mai 2014, 02:45
DAVID GADZE

Geht es nach dem Willen der Kantone St. Gallen, Thurgau und Appenzell-Ausserrhoden findet die nächste Schweizerische Landesausstellung im Jahr 2027 als «Expo Ostschweiz» statt. Ab nächstem Freitag läuft der Konzeptwettbewerb. Auch der St. Galler Bauökologe Hansueli Stettler wird sich daran beteiligen. Seine Idee: eine schwimmende Insel auf dem Bodensee, ungefähr zwischen Arbon und Langenargen. Und zwar nicht nur als temporäres Projekt während der Expo, sondern auch darüber hinaus.

Zugang zum See oft ungenügend

Er habe schon lange «den Bodensee auf dem Radar», sagt Stettler, der sich als «Bodensee-Fan» bezeichnet. So versucht er seit Jahren, ein ausgemustertes Schiff zu kaufen, um es zu einem «Ferienschiff» umzubauen und beispielsweise als schwimmendes Hotel zu betreiben – bisher ohne Erfolg. «Der See wird touristisch zu wenig genutzt», ist er überzeugt. Dabei wohnten rund zehn Millionen Einwohner in seinem Einzugsgebiet. Es gebe zwar viele Uferwege, wegen der vielen privaten Grundstücke sei der direkte Zugang zum Wasser aber oft versperrt.

Diesen will Stettler nun mit Hilfe einer Insel sicherstellen. Er hat auch bereits mehr oder weniger konkrete Vorstellungen davon, wie sie aussehen könnte. «Sie muss bis zu 1000 Personen aufnehmen können, also braucht sie eine gewisse Wucht.» Um einen Bezug zu den drei Ländern Schweiz, Deutschland und Österreich herzustellen, soll sie eine Dreiecksform aufweisen. Ausserdem soll sie eine Erhöhung mit Leuchtturm haben. «Vom Ufer aus wäre die Insel wegen der Krümmung des Sees aber kaum zu sehen.»

Auftrieb dank Schaumglas

Das Aussehen der Insel könne verschieden ausgestaltet werden, sagt Stettler. «Denkbar wäre, die eine Hälfte als moderne Stahl-Glas-Konstruktion und die andere aus Fels oder einem anderen natürlichen Material zu bauen.» Für Auftrieb soll ein Körper aus Schaumglas sorgen. Das Material sei umweltneutral und könne problemlos rund 30 Jahre ohne Unterhalt im Wasser schwimmen. Aufgrund seines guten Auftriebeffekts könne es ein Vielfaches seines Gewichts tragen. Die Insel könnte laut Stettler mit einer Kette am Grund des Sees verankert und bei Bedarf an einen anderen Ort gezügelt werden.

Klar sei auch, dass man für die Realisierung eines solchen Projekts die Nachbarstaaten einbeziehen müsste. Da der Obersee als Kondominium – also als gemeinsames Eigentum der angrenzenden Länder – betrachtet werde, seien Absprachen sogar zwingend.

Neuer Verkehrsknoten im See

Die Insel soll aber nicht nur als Ausflugsort, sondern als eigentlicher «Hub im See» beziehungsweise Verkehrsknoten für die Schiffe dienen. Sie müsse von den Uferorten in der Umgebung innerhalb von knapp 15 Minuten erreichbar sein. Dadurch liesse sich die Reisezeit quer über den See massiv verkürzen, sagt Stettler. «Eine Fahrt über den See von Arbon nach Langenargen dauert heute sehr lange und ist umständlich. Könnte man auf der Insel umsteigen, wäre die Fahrt deutlich kürzer und angenehmer.» Letztlich würden auch die Schifffahrtsgesellschaften von der Insel profitieren, da sie viele Besucher und somit Fahrgäste anlocken würde, ist Stettler überzeugt. Da sie in einem solchen Fall nicht mehr beweglich wäre, sondern an einem Ort befestigt werden müsste, sei auch eine zweite Insel denkbar.

Symbol für die Schweiz

Im Endeffekt könne die Insel aber auch ein Symbol für die Schweiz werden, sagt Stettler. Denn werde die Expo Ostschweiz realisiert, biete das die Chance, das Verhältnis der (Ost-)Schweiz zu Europa zu thematisieren – und die Rolle der Schweiz als Insel aufzugreifen.

Kommt Stettlers Idee im Konzeptwettbewerb durch, will er mit einem noch zu gründenden Projektteam bis in drei Jahren einen Prototypen bauen, um die Machbarkeit einer solchen Insel zu prüfen. Für diese geht Stettler von einer Bauzeit von «mehreren Jahren» aus. Ebenfalls geklärt werden müsste die Finanzierung. Stettler rechnet mit mehreren Hunderttausend Franken.


Leserkommentare

Anzeige: