Eine Halle, viele Meinungen

Im Herbst stimmen die St. Galler über die künftige Nutzung der Reithalle ab. Am Politisch der FDP bezogen die Parteien am Montag Position. Es zeigte sich: Der Wille zum Konsens ist nicht auf allen Seiten gleich gross.

07. Mai 2014, 02:35
SARAH SCHMALZ

Etrit Hasler, Stadt- und Kantonsparlamentarier der SP, nahm als letzter auf dem Podium Platz. Links aussen, wie Moderator Benedikt van Spyk (FDP) mit einem etwas abgegriffenen Witzchen feststellte. Das erste Wort hatte am FDP-Politisch zur Initiative «Reithalle für die Kultur» (Kasten) ein anderer. Bruno Brovelli, Präsident des Reitclubs St. Gallen, erklärte den Anwesenden, weshalb die Reithalle auf dem Kasernenareal unverzichtbar sei für seinen Verein. Und führte damit mitten hinein in die Debatte: Darüber, ob die städtische Halle der Kultur überlassen werden sollte. Und ob dies ein Vertreiben der Reiter tatsächlich rechtfertigen würde.

Umsetzung eines alten Plans

Die Meinungen dazu gingen am Politisch freilich auseinander. Die Initiativ-Seite, welche neben Hasler von der Stadtparlamentarierin Franziska Ryser (Junge Grüne) vertreten wurde, war zum Diskussionsauftakt um eine Klarstellung bemüht: Von Wegnehmen könne keine Rede sein. Die Reithalle sei bereits als Sport- und Veranstaltungshalle gebaut worden, proklamierten die beiden. Eine Absicht, die der Stadtrat und die Bevölkerung vor gut 20 Jahre umsetzen wollten. Doch eine Doppelnutzung der Halle funktionierte, etwa wegen des Pferdegeruchs und der Akustik, nicht. Das Reglement, das eine Doppelnutzung festschreibt, ist aber noch immer in Kraft.

Ein Fakt, aus dem Michael Hugentobler, neuer Präsident der städtischen CVP, den Initianten einen Strick drehte: Dass sich die Forderung nach mehr Raum für Kultur in der Reithalle manifestiere, sei bloss dem Reglement zuzuschreiben. Die Halle also gewissermassen ein Zufallstreffer für die Initianten.

Hugentobler stellte sich als der konsensorientierte Pragmatiker der Runde heraus. Den Reitern, welche in der Halle etwa täglich Trainings der Voltigiergruppen abhalten, stellte er die Wichtigkeit ihrer zentral gelegenen Stätte nicht in Abrede. Die grundsätzliche Forderung der Initianten nach einem Veranstaltungsort mit Ausstrahlung konnte er nachvollziehen.

Standortförderung à la FDP

Anders FDP-Stadtparlamentarierin Barbara Frei, deren Argumentation gegen eine solche Halle für 500 bis 1000 Leute teilweise etwas unbedarft wirkte. Etwa wenn sie den Initianten als «überzeugende Alternative» die viel kleineren Veranstaltungsorte Katharinensaal oder Rosenkeller in Erinnerung rief. Oder die guten Zugverbindungen nach Zürich und in der gesamten Ostschweiz pries. Wer ab und zu ein Konzert oder einen Comedy-Anlass in der weiteren Region besuche, stärke diese überdies damit. Eine Aussage, mit der sich die Freisinnige keinen Gefallen tat: Etrit Hasler konterte mit der Standortförderungs-Rhetorik der FDP. Der Wettbewerb zwischen den Städten scheine für die FDP überall zu gelten. Ausser bei der Kultur.

Wie viel kulturelle Standortförderung also soll eine Stadt leisten? Für Barbara Frei steht fest: In St. Gallen sei in den vergangenen Jahren viel getan worden. So würden etwa die Lagerhalle und die Talhof-Turnhalle für die Jugendkultur zur Verfügung gestellt. Alles sei nun einmal nicht «frei und franko» zu haben. Dass die Reithalle als Veranstaltungsort trotz geschätzten fünf bis sieben Millionen Umbaukosten gewinnbringend sein soll, wollte Frei den Initianten nicht glauben.

«Eine versäumte Chance»

Der Reitclub hat Sorgen anderer Art: Ihm fehlt im Falle einer Annahme der Initiative eine Alternative. Dies sei einer der Gründe für die Motion der parlamentarischen GPK gewesen, hielt Hasler fest. Als Gegenvorschlag zur Initiative verlangte diese vom Stadtrat, in den nächsten Jahren eine geeignete Halle anzubieten. Wäre die Motion vom Parlament überwiesen worden, hätten Hasler und Co ihre Initiative zurückgezogen.

Dass der Gegenvorschlag bachab geschickt wurde, hält Michael Hugentobler für ein Versäumnis des Stadtparlaments. «Das hätte uns die Zeit gegeben, auf ein realistisches Projekt zu warten und dann konkret darüber abstimmen zu lassen.» Nun müssten die Stimmbürger im Herbst über eine viel zu vage Vorlage entscheiden.


Leserkommentare

Anzeige: