Ein Riklin-Animationsprojekt

ST.GALLEN. Frank und Patrik Riklin stellen in Rotmonten eine Telefonkabine auf. Wenn es klingelt, können Vorbeigehende abnehmen und mit den Anrufern reden. «Wildfremde Leute» sollen so miteinander in Kontakt kommen, hoffen die Initianten.
23. Oktober 2008, 01:05
daniel klingenberg

Mit dem Handy-Zeitalter ist sie aus dem Ortsbild verschwunden: die Telefonkabine. Seit dem vergangenen Jahr versuchen die Födlebürger-Zwillinge Frank und Patrik Riklin vom Atelier für Sonderaufgaben, sie wieder im öffentlichen Raum einzuführen. Zumindest punktuell: Im Herbst 2007 in Chur, in diesem Frühsommer in Friedrichshafen – und nun in Rotmonten.

Extra laute Glocke

Ab morgen abend hat die Telefonkabine vis-à-vis der «Sonne» Rotmonten, welche die umtriebigen Zwillinge hingestellt haben, für drei Monate eine Nummer. Diese wurde allen Rotmöntlern in einem Brief vom Präsidenten des Quartiervereins Rotmonten, der das Projekt lanciert, mitgeteilt. Bewusst will man die Nummer jetzt nicht für einen grösseren Kreis bekanntgeben: In der ersten Phase sei das Projekt für Rotmöntler gedacht. Die Versuchsanlage geht so: Anrufen können alle, welche die Nummer kennen. Wer sich in der Nähe der Telefonkabine aufhält und das Klingeln hört, ist eingeladen, den Hörer abzunehmen.

Damit wollen die Riklin-Zwillinge erreichen, dass wildfremde Menschen miteinander in Kontakt kommen und sich dadurch überraschende Begegnungen ergeben. Damit niemand sagen kann, er habe die Glocke nicht gehört, wurde diese extra verstärkt.

Zunächst ein Quartierprojekt

Funktioniert das? Die Riklins verweisen auf Chur und Friedrichshafen, in denen das Quartiertelefon-Projekt ebenfalls drei Monate lief. In Chur gab es 600 Anrufe, 350 – rund vier pro Tag – wurden entgegengenommen. Die durchschnittliche Gesprächszeit betrug 80 Sekunden. In Friedrichshafen waren es rund 1500 Anrufe. Im Quartierverein ist man gespannt, wie das Projekt anläuft. Man habe das Ziel, die Rotmöntler stärker untereinander in Kontakt zu bringen, heisst es. Später will man den Kreis öffnen und die Telefonnummer öffentlich bekanntgeben. Der Erlös aus den Telefongesprächen – eine Minute kostet 70 Rappen – kommt dem Wildpark Peter und Paul zugute.

Kabine wandert zur Uni

Nach rund vier Wochen wird die Kabine zur Universität gestellt und nochmals vier Wochen später zum Schulhaus Rotmonten. Schluss der Quartiertelefon-Aktion ist Mitte Januar.

Morgen Fr, 18 Uhr, Apéro bei der Kreuzung «Sonne» Rotmonten

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